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Tourismus

Herausforderung? Alles rund ums Internet

Tausende Menschen im Landkreis verdienen ihre Brötchen mit Gastlichkeit. Was man darunter versteht, wird sich weiter wandeln.
Von Martina Hutzler

Mit dem demografischen Wandel könnte es im Tourismus weiter aufwärts gehen im Landkreis: Gerade Ältere schätzen Ruhe, Natur – und das Radeln.
Mit dem demografischen Wandel könnte es im Tourismus weiter aufwärts gehen im Landkreis: Gerade Ältere schätzen Ruhe, Natur – und das Radeln. Foto: dpa

Kelheim.Knapp 6000 Arbeitsplätze im Kreis Kelheim und somit etwa zwölf Prozent der Erwerbstätigen hängen laut Umsatz-Hochrechnungen am Tourismus. Die Menschen arbeiten in Gastronomie, Hotellerie und touristischen Einrichtungen. Eine bedeutende Branche also für den Landkreis und seinen Arbeitsmarkt – doch bleibt sie das? Klaus Blümlhuber, Geschäftsführer des Kreis-Tourismusverbands ist davon überzeugt. Aber er sieht auch die Hausaufgaben, die dafür zu erledigen sind.

Rund 807 000 Gästeübernachtungen haben die gewerblichen Betriebe im Landkreis im Jahr 2014 gezählt: ein Plus von fast fünf Prozent, verglichen mit 2013. Gibt es da denn überhaupt Handlungsbedarf?

Unbedingt! Die Touristen werden immer anspruchsvoller, informieren sich vorab genau im Internet. Deshalb wären zum einen Investitionen in die „Hardware“ wichtig: Es gibt schon noch Bereiche in der Gastronomie, bei Hotels und Ferienwohnungen, wo wir einen Investitionsstau haben. Wer investiert, schafft oft auch zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten: Seit Mitte 2009 wurden mit Hilfe des Förderprogramms der Regierung landkreisweit Investitionen von rund 40 Millionen Euro angestoßen; dabei sind rund 75 Arbeitsplätze neu entstanden.

Ist dafür überhaupt Personal zu finden?

Fakt ist: Alle Betriebe jammern, dass sie Mühe haben, gute Fachkräfte und Lehrlinge zu bekommen. Und das wird in Zukunft mit Sicherheit nicht leichter. Obwohl die Branche doch recht sichere Arbeitsplätze bietet: Da kann man kaum was rationalisieren oder „outsourcen“. Der Servicegedanke wird jedenfalls immer wichtiger, und dazu braucht es gutes Personal.

Wie verändern sich die Anforderungen an die Mitarbeiter?

Derzeit haben wir rund 80 Prozent „Binnentouristen“, also aus Deutschland. Aber wir wollen in Kelheim zum Beispiel erkunden, ob Urlauber aus dem tschechischen Raum für uns interessant sind. Für solche ausländischen Gäste wären Servicekräfte zumindest mit gutem Englisch natürlich wichtig.

Vor welchen Herausforderungen stehen die Unternehmer selbst?

Die Herausforderung schlechthin ist alles rund ums Internet: Informationen, Angebote, Buchungen. Zwar haben wir durch unsere Qualitäts-Offensive voriges Jahr und durch intensive Beratung die Online-Buchbarkeit deutlich steigern können. Aber das reiht noch nicht. Wir hoffen jetzt auf Mund-zu-Mund-Propaganda derer, die schon mitmachen. Das klappt meistens am besten.

Wenn der Gast alles übers Internet erledigt – brauchen die Kommunen dann künftig überhaupt noch Tourist-Informationen und -Mitarbeiter?

Interessanter Weise erkundigen sich fast 50 Prozent der Urlauber auch vor Ort in den Tourist-Infos. Deshalb ist so wichtig, dass sie auch vor Ort gut bedient sind. Ich bin deshalb froh, dass die wichtigen Tourist-Infos in Kelheim, Riedenburg und Bad Gögging qualifiziert sind nach „Service Q“, so wie auch unser Tourismusverband. Das ist zwar ein großer Aufwand, aber der lohnt sich.

In Deutschland und Europa altert die Bevölkerung – wird das zum Problem für den Tourismus?

Für uns im ländlichen Raum ist der demografische Wandel von Vorteil: Die Älteren suchen mehr die Natur, die Ruhe, und auch unter den Radlern sind sehr viele Ältere. All das können wir nutzen, wenn wir mit unserer schönen Landschaft und gutem Service werben. Wir wollen daneben aber unbedingt auch auf Familien als Gäste setzen. Da fehlt uns leider im Landkreis noch ein spezialisiertes Familienhotel.

Welche Trends könnte man noch aufgreifen?

Was wir unbedingt bräuchten, wäre ein zertifiziertes Bio-Hotel. Gerade zum Naturpark Altmühltal würde das bestens passen. Und die Nachfrage wäre eindeutig da. Aber man braucht halt Unternehmer, die das umsetzen. Das gilt auch für den Bereich der klassischen Wellness-Hotels. In dem Bereich ist zum Beispiel der Bayerische Wald eindeutig besser. Dort gibt es auch gute Ansätze für die Anbindung im öffentlichen Nahverkehr. Wir hier wollen versuchen, zumindest die Taktung im ÖPNV im Hinblick auf Wanderer zu verbessern. Aber das ist halt immer eine Geldfrage.

Ein weiterer Trend, den wir noch besser aufgreifen sollten, ist die Barrierefreiheit. Es gibt zwar schon Ansätze, wie unseren Ausflugs-Flyer „Natur & Kultur für Rollstuhlfahrer“. Aber in der Tourismusbranche berücksichtigen wir noch nicht genügend, dass „barrierefrei“ mehr ist als „rollstuhl-tauglich“. Und wichtig wäre auch, dass ein Unternehmer an das Thema mitdenkt, wenn er sowieso bauliche Investitionen plant: Oft ist mit wenig Mehr-Aufwand die Barrierefreiheit realisierbar.

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