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Schifffahrt

Ministerin Aigner tauft Renate

Für Ilse Aigner war es das erste Mal, Josef Schweiger (90) erlebte einige Schiffstaufen mit. Er erinnert sich an die Anfänge.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

  • Ilse Aigner taufte als Verkehrsministerin erstmals ein Schiff – sie ist Taufpatin der Renate. Fotos: Bachmeier-Fausten
  • Diese große Bierflasche war für die Taufe vorgesehen, sie zerbarst jedoch kurz zuvor. Foto: Bachmeier-Fausten

Kelheim. Kelheim. Die neue Renate der Personenschifffahrt Schweiger ist getauft: Ilse Aigner, Bayerns stellvertretende Ministerpräsidentin, ließ am Donnerstagnachmittag eine Sektflasche am Bug der MS Renate zerschellen. Die Taufpatin sollte vom Oberdeck aus die auf der Kaimauer stehende Flasche zur MS Renate schweben und zerbrechen lassen. Nachdem das beim ersten Mal nicht klappte, ging Aigner aufs Mitteldeck – und beim zweiten Versuch zersprang die Flasche. Ursprünglich war die Taufe mit einer Drei-Liter-Bierflasche geplant, aber diese war kurz vor ihrem Einsatz zerbrochen.

Hier sehen Sie unser Video von der Schiffstaufe:

Video: Beate Weigert

Die Ministerin sprach sich sehr anerkennend über die Gastgeber aus. Die Familie Schweiger bezeichnete sie als Vorzeigefamilie, es sei ein Vorzeigeunternehmen.

Die Jungfernfahrt mit Verkehrsministerin Aigner und über 200 Gästen aus Politik und Wirtschaft ging zunächst auf dem Main-Donau-Kanal und auf der Donau weiter bis Kapfelberg und wieder zurück.

Senior Josef Schweiger, er gründete das Schifffahrtsunternehmen, das seine Tochter Renate weiterführt. Foto: Bachmeier-Fausten
Senior Josef Schweiger, er gründete das Schifffahrtsunternehmen, das seine Tochter Renate weiterführt. Foto: Bachmeier-Fausten

Für Josef Schweiger nichts Neues: Der 90-Jährige erlebte die dritte Taufe eines Motorschiffes auf den Namen Renate bei dem von ihm vor 51 Jahren gegründeten Betrieb. Es ist mittlerweile das sechste Schiff der Schweigers. Der gebürtige Stausackerer ist mit der Kahnfahrt auf der Donau aufgewachsen und steuerte als junger Mann das erste Motorschiff, die Befreiungshalle, die 1925 hierher kam. Sein Vater war einer der 17 Teilhaber, die das Schiff in Deggendorf bauen ließen. 300 Reichsmark habe jeder einbringen müssen für die Befreiungshalle, die ungefähr 25 000 Reichsmark gekostet habe. Von Kelheim nach Weltenburg und „hin und wieder nach Riedenburg“ auf dem Ludwig-Donau-Main-Kanal wurden Passagiere befördert. Die Zulassung für das eine Deck war für 100 Personen, aber diese seien wie „die Heringe in der Dose“ an Bord gesessen, so Schweiger.

Als Kind Zillen gezogen

Vor der Ausflugsschifffahrt gab es Kahnfahrten. In der Blütezeit 1933/1934 seien es 30 Kahnfahrer gewesen. „26 ham a feste Nummer g’habt. Wenn mehr G‘schäft ganga is, ham die sechs Reservekahnfahrer a fahr‘n derfa.“ Die Kahnfahrer waren zum Teil aus dem Kelheimer Fischerdörfl. Noch nicht mal zehn Jahre alt, war Josef bereits mit dem Vater auf der Donau unterwegs. „Wenn ma net mit ’m Schiff g’fahr‘n san, bin i mit der Zill’n mitg‘fahrn. A wenn ma uns plang ham miassna, aber schee war‘s scho.“ Mit einer 50 Meter langen Leine hatte vom Kelheimer Fischerdörfl aus eine Zille (Kahn) bis zur Langen Wand die Donau aufwärts gezogen und von dort mit Bootshaken an den 65 an der Felswand angebrachten Eisenringen weiterbefördert werden müssen.

Der Vertrag für die neue Renate wurden im Oktober 2017 auf der Donau unterzeichnet

Bis man mit einem Kahn beim Kloster war, dauerte es eineinhalb Stunden. Eine Person hat gezogen, die zweite im Kahn „nachg’steiert“. „D‘Leine über d’ Achsl, dann ist losganga“, so Schweiger. Mit der Befreiungshalle unterwegs zu sein, war nicht so anstrengend, denn diese wurde von einem Vier-Zylinder-Benzinmotor angetrieben, gesteuert wurde mittels eines Holzruders. Die Anlegestelle war beim Gasthauses „Zum Schwan“. Eine einfache Fahrt kostete „50 Pfennig“. Einen regelmäßigen Fahrplan wie heute gab es nicht. Während des Zweiten Weltkriegs von 1939 bis 1945 „is gar nichts ganga“.

Taufe der MS Renate in Kelheim

1945 wurden die Kahnfahrten wieder aufgenommen. Die Befreiungshalle hatte ein Teilhaber „an die Ami verscherbelt für Kaffee und Zigaretten.“ Bruder Peter Schweiger habe sich dafür eingesetzt, dass das Schiff 1947 wieder nach Kelheim kam. In dem Jahr begann Josef Schweiger eine dreijährige Lehre zum Schiffsführer und steuerte dann die Befreiungshalle. 1955 gründete er eine eigene Gesellschaft, die Kelheimer Personenschifffahrt, die mehrere Gesellschafter und die Pachtschiffe Weltenburg (240 Plätzen) und Rheinpfalz (200 Plätzen) hatte. Die Befreiungshalle der Stadler-Gesellschaft existierte weiterhin. „Als mi nimmer braucht ham“, hat Josef Schweiger 1967 mit seiner Frau Rosa einen eigenen Betrieb aus der Taufe gehoben. Mit dem „Schrottschiff“ Renate, das er innerhalb eines halben Jahres herrichtete, ging’s los. 1968 wurde noch die größere Westfalen gekauft.

Anfang Juni war die Werfttaufe

Nachts ging es nach Ingolstadt

Ab 1968 gab es sechs Ausflugsschiffe in Kelheim. In den 70er Jahren seien es mehr Passagiere geworden, „weil der ganze Fremdenverkehr zug‘nomma hoad“. Tagsüber fuhr Josef Schweiger die Ausflügler und in der Nacht ist er dann auf der Donau nach Ingolstadt gefahren und in der früh mit Passagieren wieder nach Kelheim zurück.

Taufpatin Aigner zollte ihm große Anerkennung. Die Renate sei ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk für ihn, sagte die Ministerin.

Flaggenwechsel: Andreas Schweiger zieht die Flagge des Unternehmens, das sein Großvater gründete auf. Foto: Bachmeier-Fausten
Flaggenwechsel: Andreas Schweiger zieht die Flagge des Unternehmens, das sein Großvater gründete auf. Foto: Bachmeier-Fausten

Wegen Niedrigwassers war die Schiffstaufe und die Segnung der Neuinvestition durch Ruhestandspfarrer Max Rabl an die Anlegestelle Altmühltal verlegt werden. Unternehmerin Renate Schweiger sprach in ihrer Rede auch das Problem mit der Kiesbank bei Weltenburg an, die auch bei gutem Pegelstand Schiffen nicht ermögliche, das Ziel Kloster Weltenburg zu erreichen. Wie Ministerin Aigner gegenüber der MZ sagte, wolle sie wegen des Kiesbank-Problems mit Umweltminister Marcel Huber sprechen. Sie wies auf den Einsatz in dieser Hinsicht von Landrat Martin Neumeyer hin.

Nicht nur die Schiffe in Kelheim sind im Laufe der Jahrzehnte größer und moderner geworden, sondern auch das Gästeaufkommen hat immer mehr zugekommen. So hat die neue Renate keine Schiffsschrauben, kein Ruder und keine Propeller mehr. Und die Schifffahrtsbetriebe haben sich 1971 zu einem Verbund zusammengeschlossen. Daraus hat sich 1995 die Personenschifffahrt im Donau- und Altmühltal entwickelt mit derzeit vier Betrieben, die insgesamt 150 Mitarbeiter beschäftigen. Das Passagieraufkommen liegt „in einem normalen Geschäftsjahr“ bei 350 000 Gästen insgesamt. Wegen Niedrigwassers wird das heuer „bei weitem nicht erreicht werden“, so Renate Schweiger. Sechs Schiffe sind im Einsatz. Am Bord wird wie in einem gastronomischen Betrieb bewirtet. Und Unternehmen der Personenschifffahrt im Donau- und Altmühltal bereichern auch den Veranstaltungskalender in der Region mit verschiedenen Events.

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