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Reform

Profi-Bildung für das Volk

Volkshochschulen sollen professioneller arbeiten, fordert ihr Landesverband. Das sieht man im Kreis Kelheim sehr kontrovers.
Von Martina Hutzler

Ob Computer-, Fremdsprachen- oder Yoga-Kurs: Volkshochschulen sollen sich und ihr Bildungsangebot professionell aufstellen, fordert der bayerische Vhs-Dachverband von seinen Mitgliedern. Foto: Carmen Jaspersen/dpa
Ob Computer-, Fremdsprachen- oder Yoga-Kurs: Volkshochschulen sollen sich und ihr Bildungsangebot professionell aufstellen, fordert der bayerische Vhs-Dachverband von seinen Mitgliedern. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Fordern: Landesverband will Professionalisierung

Bayern fördert die Erwachsenenbildung, heuer mit rund 23,6 Millionen Euro. Den Löwenanteil erhalten vier Landes-Institutionen zur Weitergabe an ihre Mitglieder. Die größte von ihnen ist der Bayerische Volkshochschulverband (bvv), der heuer knapp 16,7 Mio. Euro zur Verfügung hat. Der bvv ermuntert – manche sagen: drängt – seine Mitglieder seit mehreren Jahren zu einer Strukturreform: Durch Kooperation oder Fusion sollen Einheiten von tragfähiger Größe entstehen. Die bemisst sich an Kurs-Zahl, Programmvielfalt und vor allem Angebotsnutzung, gerechnet in „Teilnehmer-Doppelstunden“ (ein Teilnehmer a 90 Minuten): Ab 2020 soll eine Mitglieds-Vhs auf mindestens 30 000 jährlich kommen, fordert der bvv (der Freistaat begnügt sich mit 10 000). Ein weiteres Ziel: Hauptamtlich besetzte Geschäftsstellen, mit Mitarbeitern, die eine Erwachsenenbildungs- oder ähnlich einschlägige Qualifikation haben.

Ob Computer-, Fremdsprachen- oder Yoga-Kurs: Volkshochschulen sollen sich und ihr Bildungsangebot professionell aufstellen, fordert der bayerische Vhs-Dachverband von seinen Mitgliedern. Foto: Carmen Jaspersen/dpa
Ob Computer-, Fremdsprachen- oder Yoga-Kurs: Volkshochschulen sollen sich und ihr Bildungsangebot professionell aufstellen, fordert der bayerische Vhs-Dachverband von seinen Mitgliedern. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Gallische Dörfer im Westen und Osten

  • Riedenburg:

    „Aus Überzeugung“ ist die städtische Volkshochschule Riedenburg nicht mehr Mitglied im Bayerischen Vhs-Verband, sagt Petra Kolbinger, Vhs-Leiterin in Teilzeit. Der Schnitt erfolgte vor etwa zwei Jahren. Damals gab es noch das als Verein organisierte Riedenburger Volksbildungswerk. Doch die Vorstandsriege fand keine Nachfolger mehr – das Vbw wurde abgewickelt. Weil schon damals die Mitgliedschaft im Landesverband als „zu aufwendig“ empfunden wurde, entschloss sich die Stadt, die Vhs selbst zu betreiben und zu finanzieren, „als Angebot an ihre Bürger“. (Fotos: hu)

  • Langquaid:

    Seit 1992 managt ein ehrenamtliches Team die Vhs Langquaid – mit moderner EDV und hohem Elan, bekräftigt Leiter Bernd Schmargendorf. Mitglied im Landesverband? Nein, winkt er ab: zu viele Einschränkungen, Vorgaben. „Kurse für Kinder zB. würden nicht gefördert – dabei ist ,Volksbildung’ doch für alle da!“ Außerdem, so Schmargendorf, verlange der Landesverband für bescheidene Fördermittel einen „riesigen Verwaltungsaufwand“. Also lieber solo: mit Gemeinde-Zuschuss, bald einem eigenen Stockwerk im Familien- und Bildungszentrum – „und einem bunten Programm!“

Aufgeben: Das Ende einer Rohrer Institution naht

„Ehrenamt ist toll, aber es reicht nicht, um auf Dauer voranzukommen.“ Dieser Satz von bvv-Pressesprecherin Gisela Schenk klingt wie auf Rohr gemünzt: Dort endet jetzt nach 58 Jahren die Ära eines der ältesten „Volksbildungswerke“ im Kreis Kelheim. Die gemeindliche Bildungseinrichtung fusioniert mit der Volkshochschule (Vhs) Mainburg; der Rohrer Trägerverein wird aufgelöst. Seit 40 Jahren organisieren Hans und Irmgard Weber als Noch-Geschäftsführer bzw. -Vorsitzende das Rohrer Kursprogramm. Aus Altersgründen suchten sie Nachfolger – fanden aber keine, bedauert Hans Weber: Die Fusion sei daher alternativlos.

Das bestätigt Bürgermeister Andreas Rumpel. Steigende Bürokratie – wie die Datenschutz-Grundverordnung – und der Anspruch, dass Kurse „professionell betreut und vermarktet“ werden, seien „mit ehrenamtlichen Kräften in der Freizeit kaum mehr zu stemmen“, verteidigt Rumpel die neue Struktur: Die Vhs Mainburg managt das Kursangebot; das Bürgerbüro im Rohrer Rathaus wird Anlaufstelle für Anmeldungen und Fragen.


Wachsen: Mainburg hat bald eine dritte Filiale

Die Reform der bayerischen Vhs-Strukturen ist aus Mainburger Sicht richtig: „Zeitgemäße Erwachsenenbildung lässt sich nicht mehr vom Wohnzimmer aus managen“, befürworten Vhs- Geschäftsführer Matthias Bendl und Vorsitzende Petra Högl den Weg vom Ehren- zum Hauptamt. Fast 500 Kurse jährlich bietet die Vhs Mainburg; weitere bieten die bisher zwei Außenstellen, Vhs Rottenburg und Vhs-Weiterbildungsakademie Kelheim; in Rohr als künftig dritter Filiale soll die Fusion den Bürgern ein breiteres Kursspektrum bescheren. Mainburg habe daher keine Probleme mit den Fördervorgaben des Dachverbands, bestätigt Bendl.

Ein Blick auf das 16-köpfige Hauptamtlichen-Team der Mainburger Vhs zeigt, dass sich mit der Professionalisierung auch inhaltliche Schwerpunkte verschieben. Es gibt zwar weiterhin die „klassischen“ Vhs-Kurse rund um Freizeit, Kultur, Kunst und Fitness. Aber viele der hauptamtlichen Mitarbeiter kümmern sich um Angebote zu beruflicher Bildung, Integration und pädagogischer Unterstützung.

Zu Recht, findet Bendl: „Erwachsenenbildung sollte für jede Lebenslage, auch für Brüche im Leben, Angebote vorhalten“. Um all dies zu organisieren, brauche es aber Profis.

Beobachten: Drei Städte fahren auf Sicht

Gelassen verfolgt Kathrin Koller-Ferch, hauptamtliche Leiterin der städtischen Vhs Abensberg, das Thema Professionalisierung. Auch dank der Abensberger Außenstellen in Bad Abbach und Siegenburg „können wir die Reformvorgaben des Landesverbands erfüllen“, insbesondere die 30 000 Teilnehmer-Doppelstunden. Kooperationen mit Mainburg gibt es, etwa bei Integrationskursen – Fusionspläne hingegen nicht, so Koller-Ferch. Erst „falls irgendwann neue Vorgaben wie ein Qualitätsmanagement anstehen, müsste man neu nachdenken“.

Steilere Sorgenfalten hat Neustadts Bürgermeister Thomas Reimer: Er leitet seit dem Tod Erwin Küfners 2017 den „Bildungskreis Neustadt“, die von der Stadt personell und finanziell getragene Vhs. Ab Herbst bekommt sie eine hauptamtliche Leiterin, und im „Storchenwirt“ eine größere Zentrale. Mit diesen Strukturen werde die Vhs „richtig loslegen“ – die die Fördervorgaben bisher noch nicht schafft. Reimer will die Vhs Neustadt mit ihren Außenstellen Bad Gögging und Train eigenständig erhalten. Kooperationen, etwa mit Mainburg, kann er sich zwar gut vorstellen – eine Fusion indes ist für ihn derzeit „kein Thema“.

Die Kelheimer städtische Volkshochschule schafft es bis dato ebenfalls nicht über die Förder-Hürde von 30 000 Teilnehmer-Doppelstunden, bestätigt Karl-Heinz Reisgis. Er ist ehrenamtlicher Leiter der Vhs, deren Betrieb zwei hauptamtliche Teilzeit-Mitarbeiterinnen managen. Ausschließen kann Reisgis eine Fusion nicht. In jedem Fall, bilanziert er, „müssen wir die Schlagkraft erhöhen“, um dem bvv-Kurs zu folgen. So recht glücklich ist Reisgis mit der Professionalisierungs-Offensive des bvv dennoch nicht.

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