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Tourismus gibt‘s in Kelheim schon ewig

Im Archäologischen Museum wird die Entwicklung des Tourismus in der Donau-Gegend beleuchtet – im Sommer geht’s auf die Reise.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

  • Die erste Fahrt des Fahrgastschiffes „Renate“ im August 1967 von Kelheim nach Regensburg. Foto: Personenschiffsverkehr Josef Schweiger
  • Der Gasthof Stockhammer-Greinwald hat Tradition in Kelheim.Foto: eb

Kelheim. Ein hölzerner Koffer oder ein alter Liegestuhl – reisen und Urlaub waren einst sicherlich um einiges bescheidener als heutzutage. Aber das war auch auf anderen Gebieten der Fall. Die Entwicklung des Tourismus in der niederbayerischen Kreisstadt beleuchtet die Sonderausstellung „Vorzügliche Betten zu billigsten Preisen“ – die Geschichte des Tourismus in Kelheim im Archäologischen Museum, die im Sommer eröffnet wird. Im vergangenen Jahr im Sommer sei mit den Vorbereitungen begonnen worden, so Petra Neumann-Eisele, die für die Konzeption dieser Sonderschau zuständig ist.

Die „Geheimwaffe“

Museumschef Dr. Bernd Sorcan und Referentin Petra Neumann-Eisele geben Einblick in die Themenbereiche. Der Reporterin unseres Medienhauses werden beim Besuch in der Museumsverwaltung auch verschiedene Leihgaben und andere Gegenstände, passend zum Thema, gezeigt. In einer gelben Plastikwanne befinden sich Leihstücke vom Schulloch, darunter eine Quetsche, eine Steigleiter, eine Trompete und eine „Geheimwaffe“ (so bezeichnet Dr. Sorcan einen Gegenstand mit einem Stöckchen samt hölzerner Knolle).

Pilgerfahrten und Bildungsreisen (Donaufahrten) gab es weit vor den Anfängen des „modernen“ Tourismus in den 1870er Jahren. Wie Dr. Sorcan erläutert, seien Bildungsreisen für Leute gewesen, „die sich leisten konnten, lange unterwegs zu sein“ und sich die Landschaft angesehen hätten. „Die älteste Urkunde von 1442 belegt, dass Pilgerfahrten zur Frauenbergkapelle stattfanden.“ Seit dem Beginn des modernen Tourismus seien die Hauptattraktionen für Gäste das Schulerloch, die Befreiungshalle und das Kloster Weltenburg gewesen.

Zwölf Themenbereiche sind für die Sonderausstellung vorgesehen. Dazu gehören beispielsweise „Geschenke der Natur“ – vor allem der Donaudurchbruch und das Altmühltal. Auch die Sommerfrische ab den 1870er Jahren wird behandelt. „Städter, die sich’s leisten konnten, kamen aufs Land und verbrachten einige Wochen in der Sommerfrische.“ Während früher Reisende mit der Postkutsche oder zu Pferd unterwegs gewesen seien, habe sich durch die Anreise mit dem Zug die Möglichkeit, irgendwo hinzufahren, verbessert, so Dr. Sorcan.

Interview:

Petra Neumann-Eisele vom Museum Kelheim über die Vorbereitungen zur Ausstellung.

Gaststätten und Beherbergungsbetriebe sowie die Donauschifffahrt und der Main-Donau-Kanal werden in der Sonderausstellung berücksichtigt. So gab es zum Beispiel in Kelheim einst den Gasthof „Schwarzer Adler“, jetzt Stockhammer-Greinwald. Der „Schwarze Adler“ in Kelheim-Gmünd war geschichtlichen Überlieferungen nach „für die Reisenden, die aus nördlicher Richtung nach Kelheim gekommen sind“. Denn abends seien die Stadttore geschlossen worden. Wie Dr. Sorcan weiter berichtet, sei es daher ein ganz wichtiger Gasthof gewesen, ansonsten hätten die Reisenden sich „irgendwo anders einen Unterschlupf suchen müssen“. Der „Schwarze Adler“ habe sicherlich vor dem Dreißigjährigen Krieg schon existiert. Es habe auch noch den Engl-Wirt in Gmünd gegeben, der jedoch „während des Dreißigjährigen Kriegs dichtmachte“. Insgesamt hatte es im 16. Jahrhundert bis zu 17 Wirtshäuser, darunter drei Weingastgeber und 14 Bierschänken in Kelheim gegeben.

Monika und Fritz Greinwald führten den Gasthof fast 30 Jahre lang.
Monika und Fritz Greinwald führten den Gasthof fast 30 Jahre lang. Foto: eb

Vom „Schwarzen Adler“, später Gasthof Stockhammer, existiert noch das Wirtshausschild mit dem großen Vogel im Eingangsbereich zur Gaststube. Fritz Greinwald jun. ist der heutige Chef. Sein Vater Fritz, der von seiner Mutter Maria 1986 den gastronomischen Betrieb übernommen hatte, übergab diesen dem Sohn 2014. Die heutige Seniorchefin Monika Greinwald gibt der Reporterin unseres Medienhauses Einblick in die Geschichte der Familie im 20. und 21. Jahrhundert, die eng mit dem Gasthaus verbunden ist. Ihren Unterlagen zufolge hatte die Tochter Maria Theresia von Stiftswirt Franz Stockhammer 1777 den aus Unterteuerting stammenden Emmeram Gruber geheiratet. Der Gasthof gehörte „bis in die 20er Jahre“ des 20. Jahrhunderts der Familie Gruber. Monika Greinwald zeigt ein Foto von dem Haus, als dieses sehr beschädigt war und sagt: „1927 hat es gebrannt, da wütete ein Feuerteufel in Kelheim.“ Das Anwesen kaufte den Aufzeichnungen nach dann 1911 die Familie Ehrnthaller. Dieses habe, wie Monika Greinwald sagt, die Mutter ihres Mannes Fritz 1949 als Heiratsgut, die einen Greinwald ehelichte, erhalten.

Ein Schweinebraten für eine D-Mark

Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich beim Anwesen Am oberen Zweck 2 so einiges. Wie Monika Greinwald erzählt, sei im jetzigen Ratskeller einst ein Stall gewesen, in dem die Gäste Pferde untergestellt hätten. Nach dem Zweiten Weltkrieg seien im Haus Flüchtlinge untergebracht gewesen. Die Schwiegermutter und deren Mann hätten das Gasthaus 1949 wieder eröffnet. Ein Schweinebraten habe circa eine D-Mark und eine Halbe Bier 40 Pfennig gekostet. Die erste Hochzeit in dem Gasthaus sei im Sommer 1949 gefeiert worden. Erst heuer wurde der gastronomische Bereich modernisiert.

Museumsleiter Dr. Bernd Sorcan zeigt eine Quetsche, die als Leihgabe für die Sonderausstellung zur Verfügung gestellt wurde.

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In dieser Saison

  • Überblick:

    Im Obergeschoss des Archäologischen Museums der Stadt Kelheim können Besucher ab 24. Mai bis 5. November auf Reisen gehen bei der Sonderausstellung „Vorzügliche Betten zu billigsten Preise“ – die Geschichte des Tourismus in Kelheim.

  • Themen:

    Die Schau wird in zwölf Themenbereiche gegliedert, dazu gehören unter anderem „Geschenke der Natur“ oder die „Sommerfrische“. Auch die Befreiungshalle, das Schulerloch, das Klösterl, das Kloster Weltenburg mit Schenke, die Donauschifffahrt, der Main-Donau-Kanal, Gaststätten und Beherbergungsbetriebe und Verkehrsverbindungen sind im Konzept.

  • Einträge:

    Es existiert beispielsweise ein Gästebuch des historischen Vereins Kelheim aus dem 20. Jahrhundert. Wie der Leiter des Archäologischen Museums, Dr. Bernd Sorcan, sagt, sei es das Gästebuch des Museums gewesen. Eingetragen haben sich in das Gästebuch von Schülern bis zum Zellstoffmacher, Bäcker und auch eine Besuchern aus Sydney. Der letzte Eintrag war 1968. (eb)

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