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Tierisch

Zoff mitten in der Natur

Landwirte und Jäger ärgern sich über Hundebesitzer. Der Vorwurf: Die Besitzer würden mit ihren Tieren zu sorglos umgehen.
Von Jochen Dannenberg

Mit ihren Hunden geht ein junges Paar im Wald spazieren. Die Hunde sind angeleint. Erwin Thom, Vorsitzender des Hundesportvereins Neustadt, hält das für richtig. Foto: Tim Brakemeier, dpa/lbn
Mit ihren Hunden geht ein junges Paar im Wald spazieren. Die Hunde sind angeleint. Erwin Thom, Vorsitzender des Hundesportvereins Neustadt, hält das für richtig. Foto: Tim Brakemeier, dpa/lbn

Neustadt. Als vor mehreren Wochen ein Jäger im Neustädter Ortsteil Schwaig einen Hund erschoss, der durch ein Feld lief, war der Aufschrei groß. Tausende Menschen lasen die Nachricht auf der Homepage unserer Zeitung und teilten und kommentierten sie. Etliche kritisierten das Verhalten des Jägers. Auf Tierfans.net wurde nach dem Vorfall in Schwaig sogar von einem „Desaster“ gesprochen.

Die Wellen schlugen hoch in der Diskussion. Die Emotionen in der Beziehung vieler Menschen zum Tier spielten dabei eine wichtige Rolle: Der Tod eines geliebten Tieres ist für viele Menschen ein Schicksalsschlag. Um so schlimmer ist es, wenn ein Tier nicht etwa an Altersschwäche oder einer Krankheit stirbt, sondern von Jägern erschossen oder in Fallen gefangen wird. Tierschutzorganisationen sprechen davon, dass jedes Jahr 30 000 Hunde in Deutschland gewaltsam ums Leben kommen.

Fronten verhärtet

Die Fronten zwischen Jägern und Hundehaltern sind verhärtet. Dazu trägt immer wieder auch der Umstand bei, dass Wildtiere von Hunden aufgescheucht werden, wenn die frei umher laufen. Besonders problematisch ist das, wenn wie in den Wintermonaten die Tiere aus der Winterruhe gerissen werden.

Erwin Rabl, Jagdvorsteher in Schwaig, erläutert: „Wildtiere finden im Winter nur spärliche und nährstoffarme Nahrung. Zudem wird ihnen die Fortbewegung bei Kälte erschwert und zehrt an Kräften, Fettreserven und wichtigen Energievorräten.“ Weshalb es den Tieren aber jetzt, mit Anbruch des Frühlings, nicht automatisch besser geht. Jetzt müssen die Tiere erstmal wieder zu Kräften kommen und Reserven anlegen.

Weiter sagt Rabl: „Freilaufende Hunde, die sich außerhalb des Einflussbereiches ihrer Besitzer befinden, sind eine besonders große Gefahr für das Wild. Herumtollen auf weiten Feldern oder Durchstöbern von Hecken und Dickungen aktiviert das Fluchtverhalten des Wildes. Laut Jagdgesetz ist der Jäger hierbei verpflichtet, den Jagdschutz in seinem Revier auszuüben und so das Wild vor drohenden Gefahren zu bewahren.“

Und noch etwas ärgert den Jagdvorsteher – wenn Hundebesitzer ihre Vierbeiner scheinbar überall hinkacken lassen. Er fragt sich, warum man nicht Automaten mit Plastiktüten zur Beseitigung der Hinterlassenschaften aufstellt. Diese Hinterlassenschaften sind auch am Stadtwall in Neustadt zu beobachten. Der wurde mit großem Aufwand saniert, doch für manche Zeitgenossen findet er nur als öffentliches Klo Verwendung.

Bakterien gehen auf die Leber

Dieses Thema beschäftigt auch die Landwirtschaft, weshalb die Fronten nicht nur zwischen Hundehaltern und Jägern verhärtet sind, sondern es auch zwischen Landwirten und Hundehaltern Probleme gibt. Landwirte ärgern sich vor allem über Hundekot in Wiesen, die sie als Futter für Rinder und Kühe mähen. Besonders betroffen sind bei den Wiesen vor allem die Randbereiche neben den Feldwegen, die auch gerne zum Spazieren und Gassi gehen benutzt werden. Etliche Hundehalter nutzen die Wiesen, damit ihre Lieblinge ihr Geschäft verrichten können.

Der Grantler und die Hundehaufen

„Wenn Hundekot im Futter ist, kann das schwere Erkrankungen bei Rindern auslösen“, sagt Alois Schweiger, der für die Landkreise Landshut und Kelheim zuständige Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands (BBV). „Es kann auch zu Totgeburten bei Kälbern kommen.“ Der Grund: Über das Futter gelangen Bakterien aus dem Hundekot in den Organismus der Rinder. „Die Bakterien gehen auf Leber und Nieren bei Kühen.“

Der Bayerische Bauernverband empfiehlt seinen Mitgliedern deshalb, an ihren Grundstücken Hinweisschilder aufzustellen, mit denen die Hundehalter gebeten werden, Abstand von den landwirtschaftlichen Flächen zu nehmen. Alois Schweiger betont, es reiche nicht, wenn der Regen die Kothaufen fortwasche. „Die Inhaltsstoffe bleiben längere Zeit im Boden zurück“, sagt Schweiger.

Dobermänner gezüchtet

Erwin Thom könnte ein Gegner von Landwirten und Jägern sein. Immerhin hat er 26 Jahre lang Dobermänner gezüchtet, außerdem ist er Vorsitzender des Hundesportvereins in Neustadt. Die Mitglieder des Vereins und deren Hunde erringen immer wieder Preise bei Meisterschaften – von den Bayerischen bis zu Weltmeisterschaften. In dem Verein wird intensiv mit den Hunden gearbeitet. Sie sollen gehorchen. Um das zu trainieren, sind die Mitglieder mit ihren Vierbeinern auch in der Gruppe unterwegs – angeleint.

Erwin Thom weiß nicht nur um die Risiken für Wildtiere. Er weiß auch, wie unsicher oftmals Kinder und Erwachsene auf Hunde reagieren. Außerdem geht es ihm um die Sicherheit: „Was ist, wenn doch mal was passiert und das nur, weil ich den Hund nicht an der Leine habe und er stattdessen irgendwo herumläuft?“

Für Erwin Thom gehören Hunde zum Leben dazu, sie sind die sprichwörtlichen „treuen Begleiter“. Aber es müssen Grenzen aufgezeigt werden. Darum hat der Hundesportverein ein umfangreiches Programm entwickelt. Die Prüfungen sind unterteilt in Ausdauerprüfungen (Konditionstest der Hunde, die Vierbeiner laufen bis zu zweimal zehn Kilometer neben dem Fahrrad sowie Gehorsamsübungen am Übungsplatz und Wesensüberprüfung unter erschwerten Verkehrsbedingungen. Ferner gehören zum Programm u.a. die Begleithundeprüfung (Unterordnung am Trainingsplatz mit anschließender Überprüfung der Hunde im alltäglichen Umgang mit Menschen und Verkehr) und die Vielseitigkeitsprüfung für Gebrauchshunde. Nach einem Programm für verzogene Schoßhunde sieht das nicht aus.

Hier lesen Sie weitere Nachrichten aus Kelheim.

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Hunde anleinen

  • Viele Hundebesitzer lassen ihre Hunde frei laufen. Was meinen Sie, soll man Hunde frei laufen lassen oder anleinen?

  • Ich sage, bitte keinen Hund ableinen. Es gibt keinen Hund, der immer hundertprozentig gehorcht.

  • Aber viele Halter und auch Ausbilder sagen was anderes.

  • Das stimmt. Es gibt leider Hundeausbilder, die das Gegenteil sagen. Da muss man sehen, dass die an der Ausbildung Geld verdienen.

  • Wie kommt es zu dieser Situation?

  • Der Gesetzgeber ist schuld. Er lässt Hundetrainer zu, die nie einen Hund gehabt haben.

  • Sind Hundehalter vernünftig, wenn sie sich solchen Ausbildern anvertrauen?

  • Das kann man so nicht sagen. Die wenigsten Hundebesitzer sind unvernünftig. Es sind Ausnahmen, weshalb es zu Streitigkeiten kommt. Bei den Trainern muss man sehen, dass die oft zwischen 50 und 100 Euro für Einzelstunden nehmen. In diesen Fällen denke ich, dass die Leute verarscht werden wollen.

  • Welche Alternativen gibt es zu dieser Abzocke?

  • Es gibt Vereine, in denen man sich mit der Ausbildung von Hunden beschäftigt

  • und in denen bei den Mitgliedern und Trainern sehr viel Sachverstand und Erfahrung versammelt sind. Unsere Ausbilder im Hundesportverein Neustadt sind erfahrene und geschulte Hundeführer, die sich mit ihren Hunden auf verschiedenen Meisterschaften qualifiziert haben und dann erfolgreich bei Bayerischen Meisterschaften und Weltmeisterschaft teilgenommen haben.

  • Wie gestaltet sich die Ausbildung?

  • Wir betreiben eine tiergerechte Hundeausbildung, die sich an die Verhaltensforschung anlehnt. Wenn jemand also einen „führigen“ Hund haben will, z.B. einen Begleithund, der auf Hörzeichen „Platz“ macht und liegen bleibt, bis man ihn holt oder ruft oder wenn jemand Sport im Sinne der Schutzhundeausbildung mit Fährtenarbeit, Unterordnung und Schutzdienst betreiben wollen, ist er bei uns richtig.

  • Und wie halten sie es mit dem Anleinen?

  • Da bin ich dafür. Wenn wir unterwegs sind, müssen die Hunde arbeiten. Sie müssen sich auspowern, aber die Hunde sind dabei angeleint. Man muss auf die anderen Menschen Rücksicht nehmen. Deshalb empfehle ich den Hundehaltern auch unbedingt eine Versicherung für ihr Tier. Ich sage immer: Was ist, wenn etwas passiert und anschließend ein Kind ein Leben lang behindert ist.

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