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Abensberg
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Besinnung

Afrika lehrt das Innehalten

Kalender bringt die Menschen aus Europa und Afrika einander näher. Die Kirchmann-Stiftung wirbt um gegenseitiges Verständnis
Von Manfred Forster

  • „Einen wahren Freund hält man mit beiden Händen fest.“ Mauretanien 2015 :Wo man auch in Afrika unterwegs ist, das einfache Spiel der Kinder ohne Gameboy, Playstation und Co. und die glücklichen, ins Spiel vertieften Gesichter der Kinder sollten zum Denken anregen. Foto: Stiftung Kirchmann
  • „Ein Elefant wird nicht an einem Tag groß.“ Uganda 2012: Einer der kleinen Elefanten kam neugierig auf den Jeep der Kirchmanns zu, was seine Mutter sehr nervös gemacht hat. Sie kam ihm bedrohlich nahe, aber der Rückwärtsgang hat funktioniert. Foto: Stiftung Kirchmann
  • „Kein Mensch kennt das Schicksal, das vor ihm liegt.“ Äthiopien 2010: Viele Äthiopier gehören dem äthiopisch-orthodoxen Christentum an, es gibt starke jüdische Elemente. Die beiden Mönche auf dem Foto feiern das Timkatfest in Lalibela, eine Art Tauferneuerungsfest mit Aussetzung der „Tabots“, das sind Kopien der Bundeslade, bunter Prozession und ausgelassener Stimmung. Foto: Stiftung Kirchmann
  • „Jeder Tag öffnet dir die Tür zu neuer Erkenntnis.“ Timbuktu 2008: Die Auseinandersetzungen zwischen den Tuaregs und den schwarzen Maliern sind so alt wie die Geschichte Afrikas. Schon 2008 beim Besuch der Kirchmanns in Timbuktu hat sich das in vielen kleinen Punkten bemerkbar gemacht. Die „weißen“ Tuaregs schauen auf die schwarzen Malier herab. Sie wollen sich keinesfalls von ihnen beherrschen lassen. Im 15. Jahrhundert zählte die Stadt 100 000 Einwohner und die größte der rund 20 Universitäten hatte 25 000 Studenten. „Beeindruckt haben uns die wunderbaren antiken Schriften im Museum. Angeblich konnten viele vor der Zerstörung bewahrt werden uns sind in geheimen Verstecken bei den örtlichen Familien untergebracht worden“, so Felicitas Kirchmann. Foto: Stiftung Kirchmann

Abensberg.Es ist besser, mit drei Sprüngen zum Ziel zu kommen, als sich mit einem das Bein zu brechen“. Diese Weisheit aus Mali regt zum Nachdenken hat – wenn man in der heute immer hektischer werdenden Zeit Zeit zum Nachdenken hat.

„Weisheiten aus Afrika“ widmet die Kirchmann-Stiftung ihren Kalender 2016 und will damit zum Innehalten anregen. Garniert sind die Sprüche mit Fotos, die Hanns-Peter und Felicitas Kirchmann auf ihrem diversen Streifzügen durch Afrika in den zurückliegenden Jahren gemacht haben.

Im Gesundheitszentrum in Sabou kümmert man sich in erster Linie um falsch ernährte Kinder.
Im Gesundheitszentrum in Sabou kümmert man sich in erster Linie um falsch ernährte Kinder. Foto: Forster

Innehalten indes ist das, was auch bei der Stiftung nicht so ganz leicht ist. Denn bei allen Projekten geht die Arbeit nicht aus.

Da ist zunächst das Gesundheitszentrum Maximilian Kolbe in Burkina Faso, es ist quasi das Herzstück der Stiftung. Seit 2009 kümmern sich Kirchmanns um den Ausbau der Station in Sabou, haben eine gynäkologische Station und einen Operationssaal errichtet. An diesem Wochenende bricht Hanns-Peter Kirchmann auf nach Burkina Faso, um die Endabnahme des OP vorzunehmen. Die neuen Patenkinder, die die Stiftung von Schwester Marie übernommen hat, werden von Madame Alice Valea betreut (OCADES Burkina-Caritas), sie hat für jedes Kind ein eigenes Konto angelegt und führt sehr umsichtig Buch über die Ausgaben. Auch bei ihnen wird Hanns-Peter Kirchmann vorbeischauen. Mittlerweile ist es sechs Jahre her, dass Felicitas und Hanns-Peter Kirchmann bei einer Expedition durch Westafrika bei einer Reifenpanne auf die französisches Ordensschwester gestoßen sind. Sie zeigte dem Abensberger Ehepaar die Gesundheitsstation in Sabou, rund 100 Kilometer westlich der Hauptstadt Ouagadougou, die zu der Zeit gerade im Aufbau war. Und Hanns-Peter und Felicitas Kirchmann beschlossen spontan zu helfen.

Und dann stehen am 29. November Neuwahlen in Burkina Faso an. Ein Volksaufstand hat im Oktober 2014 den Präsidenten des Landes vertrieben, ein neuerlicher Putsch einer Elitegarde des burkinischen Militärs im Sommer 2015 führte erneut zu Stillstand und Verzögerungen für die Arbeit der Stiftung. Jetzt hoffen alle, dass die Wahlen reibungslos über die Bühne gehen. Im Februar will die Stiftung dann gleich Gespräche mit dem neuen Gesundheitsminister und der Deutschen Botschaft führen.

Die Schulbaustelle in Sina Gali in Nigeria musste vorübergehend eingestellt werden.
Die Schulbaustelle in Sina Gali in Nigeria musste vorübergehend eingestellt werden. Foto: Pouilly

„Die Situation in Nigeria scheint sich etwas zu entspannen dank der hohen Militärpräsenz“ berichtet Felicitas Kirchmann vom zweiten Projekt der Stiftung. In einem kleinen Dorf, Sina Gali, an der Grenze zu Kamerun, engagiert sich die Stiftung, um eine Schule mit Brunnen zu errichten. Doch das Projekt musste wegen der Überfälle der Terrororganisation Boko Haram vorübergehend eingestellt werden. „Es fehlten nur noch einige Arbeitswochen und die neu erbaute Schule in Sina Gali wäre fertig gewesen“, berichtet Felicitas Kirchmann, „Boko Haram hat den Bau gestoppt, es war zu gefährlich für Lehrer, Schüler und nicht zuletzt auf für unsere Arbeiter.“ Wenn es ruhigbleibt, soll der Bau im Februar 2016 abgeschlossen werden. „Es fehlen aber noch Spender für den wichtigen Brunnen“, so Felicitas Kirchmann.

Besuch in La Porte de l‘Espoir in Mauretanien, hinten stehend Hanns-Peter Kirchmann und Initiatorin Susanne Heckmann.
Besuch in La Porte de l‘Espoir in Mauretanien, hinten stehend Hanns-Peter Kirchmann und Initiatorin Susanne Heckmann. Foto: Stiftung Kirchmann

Und dann ist da noch das Förderzentrum in der Wüstenstadt Atar in Mauretanien, ein Projekt der Regensburgerin Susanne Heckmann, das in die Kirchmann-Stiftung integriert wird. Die Kirchmanns hatten im vergangenen Jahr einen Bericht in der MZ über Susanne Heckmann und ihr Projekt „La Porte de l’Espoir“ – die Tür der Hoffnung gelesen. Ziel ist es, dass vor allem die Kinder ärmerer Familien eine Chance bekommen, den Übertritt aufs Collége, die Realschule, zu schaffen. Das bedeutet Nachhilfeunterricht in Französisch, zunächst auch in Arabisch und Mathematik. „La Porte de l’Espoir passt sehr in das Konzept von Main dans la Main“, sagt Felicitas Kirchmann.

„Jeder ist seines Glückes Schmied, aber wann und wo wir auf diese Welt kommen, wird auf einem anderen Amboss entschieden. Geburtsort und Geburtszeit haben aber sehr viel damit zu tun, welche Chancen Menschen im Leben haben.“

Bundespräsident Joachim Gauck

Und es sind immer die Menschen, um die es den Kirchmanns geht – immer im Bewusstsein, was Bundespräsident Joachim Gauck gesagt hat: „Jeder ist seines Glückes Schmied, aber wann und wo wir auf diese Welt kommen, wird auf einem anderen Amboss entschieden. Geburtsort und Geburtszeit haben aber sehr viel damit zu tun, welche Chancen Menschen im Leben haben.“

Der Vorvertrag zum Grundstückskauf ist mittlerweile geschlossen und das Grundstück wird im Januar in Mauretanien auf die Stiftung überschrieben. „Dann steht der Integration von La Porte de l’Espoir nichts mehr im Wege“, so Felicitas Kirchmann.

Und so trifft die Weisheit aus Mali, „Es ist besser, mit drei Sprüngen zum ziel zu kommen, als sich mit einem das Bein zu brechen“ auch auf die Kirchmann-Stiftung zu.

„Wir Europäer“, sagte Felicitas Kirchmann, „haben ja immer den Drang, alles schnell erledigen zu wollen, nehmen uns nur noch selten die Zeit, einen Schritt zurückzutreten, um etwas in Ruhe bedenken zu können:

Und nicht umsonst sagen die Afrikaner den Europäern nach: „Ihr habt die Uhren, aber wir haben die Zeit“. Felicitas Kirchmann: „Wir können viel von den Afrikanern lernen.“

Der Kalender

  • Seit 2012

    veröffentlicht die Kirchmann-Stiftung jährlich einen Kalender, und widmet ihn alljährlich den Menschen in Afrika.

  • Den ersten Kalender

  • Die aktuelle Ausgabe

    des Kalenders für 2016 im Format DIN A6 setzt afrikanische Weisheiten in Szene. Grafisch umgesetzt hat dies wieder der Abensberger Fotograf und Grafiker Anton Mirwald (www.bild-gestalten.de), die Druckerei Gösswald aus Rottenburg druckt ihn wieder zum Selbstkostenpreis.

  • Erhältlich

    ist der Kalender bei Bellibri am Karmelitenplatz, auf dem Kuchlbauer-Weihnachtsmarkt am Stand von Elke Spitzbarth und bei der Stiftung Kirchmann für Afrika, Tel. (0 94 43) 35 09. Der Kalender kostet 10,90 Euro und der Erlös geht wie jedes Jahr ohne Abzüge an die Stiftung Kirchmann für Afrika.

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