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Entwicklungshilfe

Ein Stück vom Glück für die Wüstenkinder

Das Jugendzentrum in Atar entwickelt sich gut. Dafür geben Felicitas und Hanns-Peter Kirchmann etwas vom eigenen Glück ab.
Von Manfred Forster

  • Sie haben Glück. Sie dürfen das Jugendzentrum von Mame Sy in Atar besuchen. Mit Regensburger und Abensberger Unterstützung kümmert sich die Kirchmann-Stiftung um die Zukunftschancen der Mädchen und Buben in dem Wüstenort Mauretanien. Foto: Kirchmann
  • Hanns-Peter Kirchmann und Susanne Heckmann bei einem ihrer Besucher im Jugendzentrum von Atar. Foto: Kirchmann

Abensberg.Sie wollen dem Glück der Wüstenkinder von Atar auf die Sprünge helfen. Etwas von dem Glück, das ihnen in ihrem Leben selbst widerfahren ist, weitergeben. Die Rede ist von dem Abensberger Unternehmerehepaar Felicitas und Hanns-Peter Kirchmann („kplan AG“), die mit ihrer Stiftung „Main dans la Main – La Porte de l’Espoir“ seit gut einem Jahr das Engagement der Regensburgerin Susanne Heckmann in der Wüstenstadt Atar in Mauretanien fortführen. Ihr Projekt sei „liebevoll adoptiert“ worden, freut sich Heckmann. Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Chancen von Menschen in Afrika zu verbessern und sie im Glauben an eine gute Zukunft in ihrer Heimat zu unterstützen.

Das Jugendzentrum „ist der Lichtblick unter unseren Projekten“, sagt Felicitas Kirchmann. Es ist ökologisch in Lehmbauweise errichtet, es gibt neue, luftige Klassenräume, die Schutz vor der heißen Wüstensonne bieten, auch einen Schulgarten. „Damit sind die materiellen Bedingungen geschaffen, damit unsere Kinder gut lernen können und das tun sie mit Begeisterung.“ 15 000 Euro hat die Stiftung Kirchmann zufolge inzwischen in Atar investiert, 5000 Euro hat die deutsche Botschaft beigesteuert.

Doch das ist längst nicht alles. „Wir wollen ja die Kinder nicht auf der Straße stehen lassen“, skizziert Hanns-Peter Kirchmann seine weiteren Pläne. Es geht darum, den Wüstenkindern aus Atar nach dem Schulabschluss eine berufliche Ausbildung zu ermöglichen. Dafür hat Kirchmann längst Kontakt mit der Caritas in Mauretanien und dem Bischof der Diözese Nouakchott, dem gebürtigen Münsterländer, Monsignore Martin Happe MAfr aufgenommen

Porte de l'Espoir

„Der Erfolg ist erst dann komplett, wenn wir es schaffen, wenigstens einen Teil der Kinder über eine duale Berufsschulausbildung ins Berufsleben eingliedern zu können … da kommt auch schon wieder das Glück ins Spiel … in Bischof Monsignore Martin Happe haben wir jemanden gefunden, der schon so eine Berufsschule im dualem System mit der örtlichen Caritas betreibt…“ Nächste Woche wird Hanns-Peter Kirchmann wieder einmal nach Mauretanien fliegen, um vor Ort die weiteren Weichen zu stellen.

Kinder von der Straße holen

Das Jugendzentrum in Atar ist etwas ganz anderes, als man sich in Deutschland unter diesem Begriff vorstellt. Es ist eine Art Nachmittagsschule, die Kinder erhalten hier eine warme Mahlzeit – häufig die einzige, die sie am Tag haben. „Wir wollen die Kinder einfach von der Straße holen“, sagt Hanns-Peter Kirchmann. Allerdings muss, wer durch „die Türe der Hoffnung“ schreiten will, vormittags die reguläre Schule besuchen. „Das ist Voraussetzung“, sagt Hanns-Peter Kirchmann.

Diese Bedingung stellt auch Mame Sy, eine engagierte Muslima mit großem Herzen für die Kinder von Atar, die vor gut fünf Jahren zusammen mit Susanne Heckmann das Jugendzentrum initiiert hatte.

„Abensberg - ein Sonnenstrahl“

  • Versteigerung:

    „Abensberg – ein Sonnenstrahl“ ist ein Bild des überregional bekannten Malers und Grafikers Manfred Sillner, das Felicitas und Hanns-Peter Kirchmann 1991 bei Sillner in Auftrag gegeben haben. Es zeigt den Blick vom Maderturm über die Abensberger Altstadt über der ein Sonnenstrahl die Wolkendecke durchbricht. Zugunsten der Arbeit der Stiftung „Main dans la Main – La Porte de l’Espoir“ versteigern die Kirchmanns einen der Stiche im DIN A1-Format, die Sillner von dem Ölgemälde angefertigt hat. Das Mindestgebot beträgt 400 Euro.

  • Gebote können auf folgendem Weg abgegeben werden: E-Mail: info@stiftung-kirchmann.de, Fax: (0 94 43) 90 32-89, Post: Stiftung Kirchmann, Badhausstraße 30a, 93326 Abensberg.

  • Das aktuell höchste Gebot nennt die Stiftung auf ihrer facebook-Seite: https://de-de.facebook.com/stiftungkirchmann/

  • Kalender:

    Ab 6. Dezember ist der neue Jahreskalender 2017 der Stiftung (Tischkalender mit Platz für Notizen) erhältlich. Er wurde wieder von dem Abensberger Grafiker und Fotografen Anton Mirwald gestaltet und zeigt Fotos von den zahlreichen Reisen der Kirchmanns durch verschiedene Länder Afrikas, die mit afrikanischen Weisheiten versehen sind. Der Kalender kostet 9,90 Euro, der Verkaufserlös kommt ohne Abzüge der Stiftungsarbeit zugute. Erhältlich ist der Kalender in Abensberg bei „Bellibri“ und bei der Stiftung. Bestellungen: E-Mail: fki@stiftung-kirchmann.de, Tel. (0 94 43) 35 09.

  • Spenden:

    Stiftung Kirchmann, IBAN: DE94 7506 9015 0600 203122, BIC: GENODEF1NGG

Und der Erfolg, den die Mädchen und Buben, die „La Porte de l’Espoir“ besuchen, haben, spricht sich natürlich schnell herum. „20 Kinder haben die Prüfung für eine weiterführende Schule bestanden, 24 hatten sich beworben. Ein toller Erfolg“, freut sich Felicitas Kirchmann. Und hier spielt wieder das Glück mit hinein, dem die Kirchmanns für die Wüstenkinder auf die Sprünge helfen wollen.

Felicitas und Hanns-Peter Kirchmann mit der Sillner-Grafik, die sie zugunsten der Arbeit ihrer Stiftung versteigern. Das Mindestgebot beträgt 400 Euro.
Felicitas und Hanns-Peter Kirchmann mit der Sillner-Grafik, die sie zugunsten der Arbeit ihrer Stiftung versteigern. Das Mindestgebot beträgt 400 Euro. Foto: Forster

„Die Kinder im Armenviertel können wirklich von Glück reden, in der Ergänzung der Volksschulausbildung schulische Förderung zu erhalten und viele von ihnen können weiterführende Schulen besuchen. Ohne La Porte de l’Espoir würden sie wahrscheinlich auch weiterleben, aber immer nur von der Hand in den Mund, mit einem Horizont, der höchstens bis zur Nahrungsbeschaffung für das nächste Abendessen reicht, ohne Strategie für eine bessere Zukunft.“

Die Kirchmann-Stiftung in Westafrika

Über ihren privaten Freundeskreis versucht Susanne Heckmann derzeit die monatlichen Betriebskosten für das Jugendzentrum zusammenzutragen: 950 Euro. „Davon 200 für die vier Lehrer, etwas für Wasser, Strom, Lehrmaterial, so dass zirka 720 Euro für die Verpflegung der 60 Kinder bleiben. Bei 20 Horttagen heißt das 60 Cent pro Kind und Mahlzeit“, rechnet Susanne Heckmann vor.

Etwas vom eigenen Glück weitergeben

Die Frage nach dem persönlichen Glück, von dem sie etwas weitergeben wollen, beantworten die Kirchmanns so: „Abensberg hat uns Glück gebracht.“ 1985 waren sie mit ihrem Unternehmen „kplan AG“ von Nordrhein-Westfalen nach Abensberg umgezogen. Inzwischen ist kplan eines der größten Architektur- und Planungsbüros in Deutschland. „Das hat sicher auch mit dem Quäntchen Glück zu tun, von dem man allgemein so spricht“, sagt Felicitas Kirchmann, Mutter von sechs Kindern.

Der inzwischen fertiggestellte Trakt für die Entbindungsstation und den Operationsbereich am CMMK in Sabou, Burkina Faso
Der inzwischen fertiggestellte Trakt für die Entbindungsstation und den Operationsbereich am CMMK in Sabou, Burkina Faso Foto: Forster

Der Erfolg, der sich in Mauretanien in relativ kurzer Zeit einstellt, muss in den anderen Projekten der Stiftung mit deutlich mehr Einsatz und Ausdauer dem Schicksal abgetrotzt werden werden. Das hat unterschiedliche Gründe. Nachdem die Stiftung in Burkina Faso Dr. Seydou Barro, Staatssekretär im Gesundheitsministerium als Mitstreiter für das Gesundheitszentrum Maximilian Kolbe (CMMK) in Sabou gewonnen hat, gelingt es deutlich einfacher, die Personalsituation adäquat zu gestalten. Im Auftrag des Franziskanerordens, Träger des CMMK, betreibt nun die italienische Organisation „Emergenza Sorrisi“ die von der Stiftung errichtete Geburtshilfe- und OP-Abteilung. Der Stiftung kommt somit nur noch eine Kontrollfunktion gleich.

Vor zwei Jahren musste die Baustelle in Sina Gali eingestellt worden. Der Terror von Boko Haram machte das Weiterbauen unmöglich.
Vor zwei Jahren musste die Baustelle in Sina Gali eingestellt worden. Der Terror von Boko Haram machte das Weiterbauen unmöglich. Foto: Kirchmann

Etwas entspannter ist auch die Situation in Sina Gali, einem kleinen Dorf an der Grenze Nigerias zu Kamerun, wo die Kirchmann-Stiftung eine Ruinenschule neu aufbauen will. Seit zwei Jahren ruhten Schulbetrieb und Baustelle, aufgrund der Schreckensherrschaft der Terrororganisation Boko Haram. „Seit Oktober ist wieder Unterricht“, berichtet Hanns-Peter Kirchmann. Jetzt gilt es zunächst einmal das Baumaterial wiederzufinden, das vor zwei Jahren vor Boko Haram versteckt worden war.

Auch hier spielt wieder einmal das Glück mit hinein. „Ein Glück“, sagt Kirchmann, dass obwohl die Schulprojekte in politisch schwierigen Gebieten – al-Qaida im islamischen Maghreb in Atar, Mauretanien und Boko Haram in Nordnigeria – sind, die Stiftung bisher ungeschoren davongekommen ist“.

Und soeben, berichtet Hanns-Peter Kirchmann, habe man ihm vom örtlichen Streitkräftekommando an der Grenze zu Nigeria zwar die Erlaubnis gegeben, nach Nigeria zur Schule von ;Main dans la Main – La Porte de l’Espoir“ zu fahren , aber nur mit militärischem Geleitschutz „Aber“, fügt Kirchmann an, „wer Angst hat, darf sowieso den Fuß nicht vor die Türe und schon gar nicht nach Afrika tun.“

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