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Entwicklungshilfe

Sabou wartet noch auf das erste Baby

Die Personalsituation am Gesundheitszentrum der Kirchmann-Stiftung in Sabou in Burkina Faso wendet sich zum Guten. Dennoch gibt es Verzögerungen.
Von Manfred Forster, MZ

Abensberg.frika ist immer für eine Überraschung gut. Das stellt auch Hanns-Peter Kirchmann jedes Mal fest. Für den Abensberger ist insbesondere Westafrika keine unbekannte Region – immerhin hat er vor Jahrzehnten dort einige Jahre gelebt und gearbeitet und engagiert sich seit mittlerweile knapp fünf Jahren für das Gesundheitszentrum Maximilian Kolbe (CMMK) in Sabou in Burkina Faso, doch sogar im eigenen Projekt ist Kirchmann nicht vor solchen Überraschungen sicher. Wie mehrfach berichtet, sollte Ende 2013 der von Kirchmanns Stiftung neu gebaute Geburtshilfe und Chirurgie in Betrieb gehen, doch statt der ersten Entbindung wurde zunächst anderes gefeiert – eine Hochzeit.

Und das kam so: Die deutsche Gynäkologin, Dr. Ute Leifert, und Hanns-Peter Kirchmann waren etwas sprachlos, als sie Anfang Dezember in die neue Entbindungsstation kamen und feststellten, dass die medizinischen Geräte aus Deutschland zwar angekommen, aber noch nicht installiert waren. Auch die übrige Einrichtung war zwar bestellt, aber noch nicht da.

„Keine unnötige Eile“ war laut Kirchmann die Aussage des zuständigen Franziskanerpater Thomas, die Hebamme käme auch noch nicht. Bei einem Gespräch am folgenden Tag mit dem Generaldirektor für Gesundheit der Zentralregion erfuhr Kirchmann dann, dass die Hebamme nur deswegen noch nicht gekommen sei, weil die Station nicht eingerichtet sei.

Glücklich über den Arzt

Statt der ersten Fotos der ersten Babys brachte Kirchmann jede Menge Hochzeitsfotos mit: Der neue, vom Staat dem Kinderkrankenhaus zugeteilte Arzt, Dr. Joseph Yameogo, feierte Hochzeit. Die Abensberger Kirchmann-Stiftung „Main dans la Main“ (MdlM) war selbstverständlich von Kirchmann und Dr. med. Ute Leifert – die einzigen Weißen unter den rund 100 Hochzeitsgästen bei dem dreistündigen Traugottesdienst in der Kathedrale von Koudougou – würdig vertreten. Dr. Yameogo freute sich über den Besuch aus Deutschland. „Wir sind glücklich über den neuen, engagierten jungen Arzt in Sabou“, sagte Hanns-Peter Kirchmann.

Wichtige Vereinbarungen getroffen

Beim Gespräch mit dem Direktor des Gesundheitsdistrikts, wurden die weiteren Schritte festgelegt: Die Geburtsstation wird definitiv am 9. Februar 2014 den Betrieb aufnehmen, Dr. Leifert wird mit ihrer Kollegin Dr. Schubert aus Augsburg die neue Hebamme und außerdem zehn weitere Geburtshelfer aus der Region am Krankenhaus in Sabou ausbilden. .Bis spätestens Ende Februar soll der Krankenpfleger mit Zusatzausbildung in Chirurgie benannt sein. Seinen Ersteinsatz begleitet Dr. Theo Emmanouilidis, ein deutscher Chirurg vom Hammer Forum, einer Ärztegemeinschaft, die sich in erster Linie für Kinder in Krisengebieten und Entwicklungsländern einsetzt.

Kirchmann hat zudem eine ganze Reihe von wichtigen Vereinbarungen mit den staatlichen Gesundheitsbehörden und dem Bürgermeister von Sabou getroffen. Für den reibungslosen Ablauf im CMMK ist eine zuverlässige Stromzufuhr Voraussetzung. Die Kirchmann-Stiftung hat dazu schon vor zwei Jahren ein Aggregat geliefert, jetzt haben Kirchmann und die Franziskaner, die die Gesundheitsstation betreiben, den Antrag gestellt, an das öffentliche Netz angeschlossen zu werden. „Das Netz endet leider rund fünf Kilometer vor dem Krankenhaus und es ist nicht sicher, dass das staatliche Energieunternehmen Sonabel der Bitte ohne massiven Druck aus dem Gesundheitsministerium und der Stadt Sabou nachkommt“, beschreibt Kirchmann die aktuelle Situation.

Sehr viel Zeit haben die beiden Deutschen mit einem italienischen Kinderarzt verbracht, um Pater Thomas Kret, dem Oberen der Franziskaner in Sabou, zu überzeugen, dass seine Planung für eine Radiologie, die von der italienischen Caritas finanziert wird, viel zu groß für die örtlichen Bedürfnisse ist. Hier wird Main dans la Main zusammen mit dem Regensburger Architekturbüro Eckl und Partner technische Beratung bieten.

Ein nächstes Main dans la Main-Projekt ist die Planung von Verkehrswegen auf dem Krankenhausgelände. Bislang müssen nicht nur die Kranken in der Regenzeit unter einem großen Regenschirm von Station zu Station getragen werden, auch die Gesunden kommen dann ohne nasse Füße nicht von einem zum anderen Gebäude.

Die Pläne wurden in Abstimmung mit den Patres und den Mitarbeitern des Krankenhauses von Main dans la Main erstellt. Für die Finanzierung hofft Kirchmann auf Geld aus dem Entwicklungsfond der Deutschen Lufthansa.

Beim Hinweis, alles laufe doch prima in Sabou, runzelt Kirchmann die Stirn. „Bei der Gründung der Stiftung war die Idee, dem CMMK punktuell mit Geld und vor allem Medikamenten zu helfen. Inzwischen sind daraus der Bau einer Geburtsstation und einer Chirurgie geworden, die Installation einer kompletten elektrischen Infrastruktur, der Kauf von Stromaggregaten, Kühlelementen für die Apotheke, ein Krankenwagen, die ganze Planung für neue Verkehrswege auf dem Gelände und Beratung für die geplante Radiologie, eine lange Liste von Medikamentenlieferungen, Ärztekitteln, Stromspeicher für die elektrischen Geräte, Ausbildung zur AIDS Behandlung und vieles mehr“, listet Kirchmann auf.

Ganz zu schweigen von der Organisation von zwei großen Kunst- und Musikevents in Abensberg/Neustadt 2009 und Siegen 2012. „Das alles“, zieht Kirchmann zum Jahreswechsel eine Zwischenbilanz, wäre ohne eine Vielzahl von Helfern aus Abensberg und Umgebung, der tatkräftigen Hilfe von Architekten, Ingenieuren, Apothekerinnen nicht möglich gewesen. Mit jedem Euro kommen wir ein Stück weiter.“ Kirchmann schwört auf den engen Kreis der Stiftungsfreunde und auf das: „Hartnäckigkeit und langer Atem sind gefragt.“

Fortschritte auch in Sina Gali

Fortschritte macht auch das zweite Projekt Kirchmanns in Afrika: die Schule für Sina #Gali in Nigeria. Hier, in einer abgelegenen Region an der fast unzugänglichen Grenzregion zu Kamerun, will die Stiftung eine Ruine zu einer funktionierenden Schule ausbauen.

Die Hilfsorganisation Fly and Help von Reiner Meutsch habe inzwischen den Zuschuss für die Schule bestätigt. Mit den Arbeiten soll Ende März/Anfang April begonnen, Ende September/Anfang Oktober sollen sie abgeschlossen werden. Die Baukosten betragen mit Einrichtung 30 000 Euro, Reiner Meutschs „Fly and Help“-Stiftung steuert 15 000 Euro bei. Die organisatorische und logistische Abwicklung läuft über MdlM und Olivier Pouilly, einen Freund Kirchmanns.

Lange Gespräche führten Dr. Ute Leifert und Hanns-Peter Kirchmann mit Katrin Rohde, der Leiterin des von ihr gegründeten Kinderhilfswerk AMPO. Sie betreibt in Ouagadougou Waisenhäuser und Ausbildungsstätten für Jugendliche und wohnt selbst seit 18 Jahren in Burkina Faso. Networking oder besser gesagt, Netzwerke flechten, gehört zu den wichtigen Erfolgskomponenten afrikanischer Projekte. „Frau Rohde hat ein ausgezeichnetes Netzwerk und hat Main dans la Main schon oft geholfen“, so Kirchmann. So hat Kirchmann über Katrin Rohde Kontakt zu einer Südtirolerin aufgenommen, deren Mann als Radiologe nach 2015 nach Sabou kommen könnte. Kennengelernt hat Hanns-Peter Kirchmann Katrin Rohde auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle Anfang 2009. Beide waren gerade auf dem Weg nach Burkina Faso.

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