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Freitag, 21. September 2018 28° 2

Gästekarte

Touristiker peilen „all inclusive“ an

Kelheims Kreis-Tourismusverband liebäugelt mit der Einführung einer neuartigen Gästekarte. Die EU soll dabei helfen.
Von Martina Hutzler

Eines der wenigen Vorbilder für eine All-inclusive-Gästekarte: die Hochschwarzwald Card
Eines der wenigen Vorbilder für eine All-inclusive-Gästekarte: die Hochschwarzwald Card Foto: dpa

Kelheim.Mit EU-Unterstützung will der Kreis-Tourismusverband Kelheim ausloten, ob sich in der Region eine neuartige Gästekarte einführen lässt: eine Karte für Urlauber, mit der sie (möglichst) alle touristischen Angebote der Region kostenlos nutzen können, von Bus und Bahn angefangen bis hin zu Sehenswürdigkeiten und Freizeiteinrichtungen. Bezahlt würde das über die Übernachtungspreise.

Die „Konzeption und Machbarkeitsanalyse einer umlagefinanzierten Gästekarte“ ist ein Projekt, das der Tourismusverband Kreis Kelheim (TV) mit Hilfe des EU-Förderprogramms „Leader“ anpacken will. Eine wichtige Hürde hat dieses Ansinnen genommen: Die „Leader-Aktionsgruppe“ (LAG) hat bei ihrer jüngsten Sitzung in Abensberg den Antrag für das rund 25 000 Euro teure Projekt gebilligt. Abschließend entscheidet darüber das Landwirtschaftsministerium. Stimmt es zu, soll ein Büro mit der Analyse beauftragt werden. Fällt sie positiv aus, könnte die eigentliche Einführung so einer Gästekarte vielleicht noch in der laufenden „Leader“-Phase ein Folgeprojekt werden.

Bisher wenig Vergleichbares

Diese Perspektive zeigte Leader-Manager Klaus Amann der LAG auf. Laut Amann wäre so eine Gästekarte in der Region ein Novum; selbst deutschlandweit gibt es nur wenige und sehr junge vergleichbare Projekte: etwa die „Hochschwarzwald Card“.

Unbefriedigend stellt sich für den TV die Ist-Situation dar: Im Landkreis – oder auch in touristischen Räumen wie dem Naturpark Altmühltal – fehlt nicht nur eine All-inclusive-Gästekarte. Es fehlt auch ein Gesamtüberblick über die aktuellen touristischen Angebote und ihre Qualität; ferner ein Konzept, wie sich Erlebnis- mit Übernachtungs-Angeboten kombinieren ließen. Ganz außen vor sind dabei bisher Bus und Bahn.

Will man all diese Mankos beheben, bedarf es nach TV-Überzeugung eines Gesamtkonzepts samt genauer Kostenkalkulation, ehe man Beherbergungs- und Tourismusbetriebe ins Boot holen kann. Außerdem muss deren bisheriges Angebot genau erfasst werden. All dies soll Aufgabe eines Büros werden, das nach etwa einem Jahr die erfassten Daten, ein „innovatives Gesamtkonzept“ und die zugehörige Produkt-Kalkulation vorlegen soll. Letztere muss die Finanzierbarkeit der Karte darstellen. Ein Aufschlag auf die Übernachtungspreise soll die Einnahmen ausgleichen, die den touristischen Einrichtungen fehlen, weil Karten-Inhaber ja keine Eintritte und Nutzungsgebühren zahlen.

Die Fühler ausstrecken sollen die Planer zunächst vor allem bei den Top-Übernachtungs- und -Tourismusbetrieben. Gerade bei den Erlebnisangeboten wäre aber für eine Realisierung entscheidend, dass so viele Anbieter wie möglich mitmachen.

Neuland würde der Landkreis auch betreten, wenn sich zum Beispiel die Bahn AG, Agilis und die Busbetreiber in das Kartenmodell einklinken. Ein Ziel, das Klaus Amann vor allem auch aus ökologischen Gründen als erstrebenswert bezeichnete. Ähnlich wie die Idee, innovative Mobilitätsformen wie E-Bike-Sharing in die Konzeption einzubinden oder auch Angebote rund um die Umweltbildung.

Für touristische Hotspots

Zeigt die Analyse, dass so eine Karte machbar und genügend touristische Akteure interessiert wären, dann müsste laut Amann der eigentliche Geltungsbereich der Karte festgelegt werden. „Landkreis-Grenzen machen im Tourismus wenig Sinn, sondern eher touristische ,Verdichtungsräume’“. Sprich: Regionen mit einem großem Übernachtungs- und Erlebnisangebot. Das könnte zum Beispiel der Naturpark Altmühltal sein oder das Gebiet des Tourismusverbands Ostbayern. Entsprechend könnte die Umsetzung der neuen Gästekarte dann als LAG-übergreifendes Leader-Kooperationsprojekt beantragt werden.

Das freilich ist noch Zukunftsmusik. Aber eine wohlklingende in den Ohren der LAG-Mitglieder: Die dortigen Vertreter von Umwelt-, Sozial-, Wirtschaftsverbänden und Kommunen aus dem Landkreis segneten das Projekt ab, zumal es die vorgegebenen Projekt-Kriterien erfüllt.

Gleiches galt für zwei weitere Projekte: Das auf rund 70 000 Euro veranschlagte „Wald-Wasser-Erlebnis Teugn“ bekam grünes LAG-Licht. Und ebenso der Versuch der Stadt Beilngries, die Personenschifffahrt im Unteren Altmühltal vor dem finalen Stranden zu bewahren; hier liegen die förderfähigen Kosten bei rund 25 000 Euro.

Beflügelt wurden die LAG-Mitglieder bei ihren Entscheidungen womöglich durch ihren Tagungsort: das Abensberger „Theater am Bahnhof“. Der Umbau der ehemaligen Güterhalle zum vielbesuchten „Musentempel“ war einst ebenfalls ein Leader-Projekt.

Weitere Projekte

  • Wald-Wasser-Erlebnis Teugn

    Bei der Dorferneuerung wurde den Teugnern klar: Natur und insbesondere das Wasser sind wichtige Themen vor Ort – durch Gewässer wie Mühlbach und Schwefelquelle, die Perzlmühle, aber auch durch Ereignisse wie die „Teugner Schlammflut“ oder den Verlust von Tier- und Pflanzenarten. Ziel des Projekt ist Planung und Bau eines „attraktiven Naturerlebnisangebotes“ rund ums Wasser: mit Spielen wie Wasserburg und Seilbahn, Wasserstellen, Infoangeboten zu Mühlbach, Schwefelquelle, Kultur- und Ortsgeschichte etc. Ein Themenweg zum Frauenbründl (Foto: Dr. Satzl) ist angedacht; generell sollen Wald und Wasser als „Ruheort und Kraftquelle vermittelt werden“.

  • Personenschifffahrt

    Vor allem zwischen Berching und Beilngries nutzen immer weniger Gäste die Ausflugs-Schiffslinien im Unteren Altmühltal. Der Verein MDK-Schifffahrt Altmühltal will mit den Gemeinden am Kanal, den Landkreisen und dem Naturpark Altmühltal eine Einstellung der Schifffahrt verhindern und deshalb Zukunftsoptionen ausloten. Eine „touristische Potenzialanalyse“ soll erkunden, wie man das Angebot attraktiver und moderner gestalten kann. Zum Beispiel unter den Aspekten barrierefreier Tourismus für alle, E-Mobilität (Schiff mit Elektro-Antrieb), Ausflugsschiff als Veranstaltungsort, Realisierbarkeit einer Anlegestelle am Kloster Plankstetten. Federführend im Projekt ist Beilngries. (hu)

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