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Sonntag, 24. Juni 2018 20° 3

Kunst

Überlebenskampf mit Farbe und Pinsel

Die Künstler im Umfeld der Kirchmann-Stiftung in Burkina Faso haben es nicht leicht – davon erzählt der neue Jahreskalender.
Von Manfred Forster

  • Graffiti-Sprayer Deris lebt für seine Kunst. „Einer von zehn Freunden kann vielleicht meine Vision akzeptieren“, sagt er über sich und seine Arbeit, „bei der Familie ist es schlimmer. Immer unverstanden, immer gegen alles. Fotos: Kirchmann-Stiftung
  • Sänger King Black Baguian Foto: Kirchmann-Stiftung
  • Moussa Yvo (links) schaut in Ouagadougou aus dem Fenster seines Ateliers. Foto: Kirchmann-Stiftung
  • Eine Staffelei wäre unbezahlbarer Luxus: Abraham Abga malt auf dem Boden Foto: Kirchmann-Stiftung
  • Maler Wilfried Balima Foto: Kirchmann-Stiftung
  • Ein Werk Bilgo Kelgdibnesgo Foto: Kirchmann-Stiftung

Abensberg. Mit Kunst Kranken helfen – dieses Motto macht sich die Kirchmann-Stiftung für ihr Krankenhaus-Projekt in Burkina Faso von Anfang an zu nutze. Und alle Seiten profitieren davon. Die Bevölkerung hierzulande, weil sie Kunst aus einer „anderen Welt“ erfahren kann, die Künstler, weil sie ein Publikum finden und nicht zuletzt die Kranken, denen mit dem Erlös aus diversen Aktionen der Stiftung geholfen wird. So war das beispielsweise bei den „Main dans la Main“-Aktionen mit Ausstellungen und Schulbesuchen von Künstlern und Musikern 2009 in Abensberg und Neustadt und 2012 in Siegen.

Diesem Motto folgt auch der neue Jahreskalender der Kirchmann-Stiftung, der jetzt erschienen ist.

„Bei den Kunstausstellungen und den Schulprojekten hier in Deutschland konnten wir bei den Workshops immer wieder sehen und spüren, dass die westafrikanischen Künstler auch uns Europäern sehr viel geben können“, betonen das Stifterehepaar Felicitas und Hanns-Peter Kirchmann, „selbst schüchterne Teenager haben gemalt, getanzt, gesungen und musiziert, oft vor der ganzen Schulgemeinschaft.“

„Hand in Hand“ perfekt umgesetzt

Mit ihrer Bereitschaft, von ihrem Erlös 40 Prozent für das Krankenhaus in Sabou zu geben, hätten die Musiker und Maler das Motto „Hand in Hand“ der Stiftung perfekt umgesetzt.

Im neuen Kalender der Stiftung kommen die Künstler selbst zu Wort. Die Stiftung hat zwölf Künstlerinnen und Künstler der verschiedensten Kunstrichtungen in Burkina Faso in ihren Ateliers besucht und sie zu ihrem persönlichen Werdegang und ihrer Kunst befragt. „Ihre Antworten sagen viel über sie selbst, die burkinische Gesellschaft und den Zusammenhalt der Familien aus und sie unterstreichen einen unerschütterlichen Glauben an eine bessere Zukunft und die Kraft des eigenen Willens“, so Felicitas Kirchmann.

„Die Künstler zeigen in den Interviews, dass sich ihre Motivation Kunst zu machen, nicht wirklich von der, westlicher Künstler unterscheidet“, urteilt Anton Mirwald. Der Abensberger Grafiker und Fotograf (www.bild-gestalten.de) hat wieder das grafische Konzept für den Kalender der Stiftung gespendet. „Auch die Kunstformen sind ähnlich. Filmemacher, Graffiti Künstler, Musiker…“, so Mirwald. „Der Schritt, sein Leben mit Kunst zu bestreiten scheint mir bei den Menschen in Burkina Faso jedoch viel bewusster. Denn ich kann mir vorstellen, dass die Menschen in einem der ärmsten Länder der Welt, mehr Geld in den täglichen Überlebenskampf als in Kunst investieren. Umso beeindruckender ist ihr soziales Engagement und die große Bereitschaft, mit diesem Kalender die Stiftung zu unterstützen.“

Beispielsweise der Maler und Filmemacher Abraham Abga, von dem das Titelbild zur 2009er „MdLM“-Ausstellung stammt. „Jeden Tag muss ich kämpfen“, sagt er auf die Frage, ob er von seiner Kunst leben könne, „das ist schwer in diesem Beruf.“ Dennoch würden ihn seine Familie und seine Freunde ermuntern, weiter zu machen.

Anders ist das bei Patricia Somé. „Meine Freunde sagen, das sei keine Arbeit für eine Frau.“ Der Batiker Moussa Boucoungou gesteht, dass es „nicht immer rosig“ ist, wenn man von seiner Kunst leben müsse. Der Graffitikünstler Dera „Deris“ Issaka hält sich beispielsweise mit anderen Jobs über Wasser.

Doch allen gemein ist die Motivation, ihr Lebensgefühl mit ihren künstlerischen Mitteln ausdrücken zu wollen. „Schon immer war es mein Traum, mit meiner Stimme die Entwicklung und die Veränderung meines Volkes beschreiben zu können“, sagt der Musiker King Black Baguian.

Ein Lebensgefühl ausdrücken

Ähnlich Moussa Yvo, der bei der 2009er Ausstellung in Abensberg zu Gast war. Yvo zeigt mit fast fotografischer Genauigkeit das Leben der Menschen auf den Straßen und den Märkten in Burkina Faso. Mit dem Malen will er sein Lebensgefühl ausdrücken. Das ist auch Abraham Abgas Intention: „Für mich ist das Malen ein Ventil, das mir erlaubt, meinen Emotionen Form und Farbe geben zu können. Keine Worte oder Sätze geben soviel von mir preis wie meine Bilder.“

Der Kalender hat ein handliches Format, ist als Aufsteller, aber auch als Taschenkalender verwendbar. Die Druckerei Gösswald aus Rottenburg druckt den Kalender wieder zum Selbstkostenpreis, so kann der Erlös aus dem Verkauf des Kalenders ohne Abzüge den Projekten der Stiftung zu Gute kommen.

Kalender ab sofort erhältlich

  • Den ersten Jahreskalender

    2012 hatten Trainer Grundschüler mit ihren Vorstellungen von Afrika gestaltet, für 2013 fotografierten Jugendliche aus Burkina Faso ihr Lebensumfeld und 2014 hatten Kinder der Offenstettener Grundschule und Kinder aus Sabou Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten ihres Alltags dargestellt.

  • Die aktuelle Ausgabe

    des Kalenders für 2015 kostet 10,50 Euro pro Exemplar. Erhältlich ist der Kalender am zweiten Wochenende des Niklasmarktes am „Kunstraumstand“ bei Marianne Lüthi oder ab sofort in ihrem Atelier in der Osterriedergasse 1, bei Bellibri am Karmelitenplatz und direkt bei der Kirchmann-Stiftung in der Badhausstraße 30a, Tel. 35 09.

  • (mf)

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