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Trotzreaktion

Abensberg im „Jetzt erst recht“-Modus

Streit mit DJB schweißt Bundesliga-Judoka noch enger zusammen. „Den Gefallen, nicht anzutreten, tun wir den anderen nicht.“
Von Martin Rutrecht

Abensbergs Athleten bejubeln den Sieg gegen Esslingen und stehen für die Endrunde am 19. Oktober parat. Foto: Rutrecht
Abensbergs Athleten bejubeln den Sieg gegen Esslingen und stehen für die Endrunde am 19. Oktober parat. Foto: Rutrecht

Abensberg.Zank und Hader lassen sich manchmal mit einer launigen Bemerkung wegwischen. „Natürlich treten wir zur Bundesliga-Endrunde an. Sofern der Termin jetzt steht…“, sagt David Krämer, Judoka des TSV Abensberg, süffisant. Nach dem Austragungsgezerre mit dem Deutschen Judobund (DJB) wird der Rekordmeister am 19. Oktober beim KSV Esslingen um den Titel 2019 mitkämpfen. „Ein Boykott bringt nichts. Wir stellen uns sportlich fair“, so Abteilungsleiter Martin Oberndorfer.

„Das kann man mit Abensberg nicht machen!“

Ernst Hueber

Der 9:5-Sieg am Samstag gegen Süd-Spitzenreiter Esslingen war eine klare Ansage in Blickrichtung „Final Four“. „Den Gefallen, nicht anzutreten, werden wir den anderen Klubs nicht tun“, so TSV-Athlet Marc Odenthal.

Einen Vorgeschmack auf die Endrunde gab das Duell Beka Gviniashvili (in blau) gegen Esslingens Weltmeister Noel van ´t End. Foto: Steffl
Einen Vorgeschmack auf die Endrunde gab das Duell Beka Gviniashvili (in blau) gegen Esslingens Weltmeister Noel van ´t End. Foto: Steffl

Das Thema „Rückzug“ war aufgekommen, als sich der vorgesehene Gastgeber Abensberg auf den 16. November als Termin ausrichtete (basierend auf einer E-Mail der Bundesliga-Referentin), aber erst vor 14 Tagen erfuhr, dass es der 19. Oktober wird. Die Babonen schmissen ihre Bewerbung hin und erwogen den Rücktritt aus der Bundesliga.

Esslingen hätte „Höhle des Löwen“ nicht gescheut

„Das ist vom Tisch, wir kämpfen“, gab Oberndorfer „nach stressigen Tagen“ das Resultat einer Sitzung wieder, „bei der es etwas hoch her ging“. Denn nicht jeder wollte sich Termin- und Schauplatz-Klau vom DJB gefallen lassen. „Aber wir bleiben sportlich fair und fahren am 19. Oktober nach Esslingen.“ Ein Rückzug, so Oberndorfs Stellvertreter Norbert Berr, hätte auch eine Strafe zur Folge.

Sebastian Seidl genoss seinen Erfolg sichtlich. Foto: Steffl
Sebastian Seidl genoss seinen Erfolg sichtlich. Foto: Steffl

Esslingens Trainer Carsten Finkbeiner hätte nichts gegen eine Endrunde in Abensberg gehabt: „Wir wären gerne in die Höhle des Löwen gekommen. Wir haben jetzt extrem wenig Zeit, alles für das Finale bei uns vorzubereiten.“

„Es ist auf beiden Seiten doof gelaufen. Und der TSV sitzt am kürzeren Ende.“

Marc Odenthal

Während alle Funktionäre im Termin-Zwist mittlerweile versöhnlich klingen, ist Fanclub-Chef Ernst Hueber nicht zu beruhigen: „Das kann man mit Abensberg nicht machen! Zuerst wird ein Termin klar durch die Bundesliga-Referentin angekündigt. Dann heißt’s: Nein, es gilt doch ein anderer Termin.“ Konsequent, sagt Hueber, wäre es, dem Finale fernzubleiben. „Aber das bringt ja nichts.“ Judoka Odenthal drückte es diplomatisch aus: „Es ist auf beiden Seiten richtig doof gelaufen. Und der TSV sitzt am kürzeren Ende.“

In der Vorwoche eskalierte die Auseinandersetzung zwischen TSV Abensberg und DJB:

Judo

Eklat ums Bundesliga-Finale in Abensberg

Der TSV tritt nach Termin-Chaos als Gastgeber zurück und droht mit Rückzug. DJB gibt sich hart. Esslingen wird Schauplatz.

Für die sportliche Quali muss der TSV in Offenbach (28. 9.) oder Leipzig (5. 10.) noch einen Vorrunden-Auftritt gewinnen. Das sollte nach der Machtdemonstration gegen Esslingen kein Problem sein. Chefcoach Radu Ivan hatte gegen den KSV ein „7:7 oder 8:6“ erwartet und war mit dem 9:5 freilich äußerst zufrieden.

Als stolzer Papa zeigte sich TSV-Trainer Radu Ivan mit Ehefrau Olga und Baby Alexandru Stefan. Foto: Rutrecht
Als stolzer Papa zeigte sich TSV-Trainer Radu Ivan mit Ehefrau Olga und Baby Alexandru Stefan. Foto: Rutrecht

Ein gefeierter Held war Manuel Scheibel (66 kg), der Vize-Weltmeister Orkhan Safarov auf die Matte tackerte. „Ich hoffe, dass ich endlich ,Man of the day‘ werde“, scherzte der Biburger, der diese TSV-interne Auszeichnung bislang noch nie erfuhr. „Diesmal sieht’s gut aus“, lächelte Trainer Ivan, der mit Ehefrau Olga (36) und seinem drei Wochen jungen Baby Alexandru Stefan Empfänger vieler Glückwünsche war. „Wir schulden ihm noch eine Torte in Windelform“, verkündete Abteilungschef Oberndorfer.

David Krämer (blau) siegte und fragte neckisch: „Steht der Endrunden-Termin jetzt wirklich fest?“ Foto: Rutrecht
David Krämer (blau) siegte und fragte neckisch: „Steht der Endrunden-Termin jetzt wirklich fest?“ Foto: Rutrecht

Auf der Matte schien die Abensberger Garde nach den jüngsten Turbulenzen noch entschlossener als sonst. „Esslingen ist knackig. Aber mit unserem Teamgeist und der Stimmung in der Halle werden wir die Gäste bezwingen“, war Youngster Kevin Abeltshauser vor dem Vergleich überzeugt. Der junge TSV-Athlet kämpft am Donnerstag bei der U18-WM in Kasachstan (ein Livestream läuft auf ijf.org).

„Ja, wir sind bereit für den 19. Oktober.“

Zebeda Rekhviashvili

„Zwei Teams auf Augenhöhe“ sah Esslingens Olympia-Dritter Dimitri Peters, der früher für den TSV Abensberg kämpfte. „Es ist ein komisches Gefühl, jetzt auf der anderen Seite zu stehen.“ Seine Qualitäten unterstrich „Dima“ mit zwei Siegen im Schwergewicht gegen Johannes Frey.

Sein Veilchen trug Johannes Frey schon vor dem Kampf: Er hatte im Training einen Kopfstoß abbekommen. Foto: Rutrecht
Sein Veilchen trug Johannes Frey schon vor dem Kampf: Er hatte im Training einen Kopfstoß abbekommen. Foto: Rutrecht

Aber die Babonen-Party störte das nicht. Auch Markus Tuscher verließ die Matte nach seiner Niederlage gegen den Olympia-Zweiten Varlam Liparteliani (bis 100 kg) grinsend. „Das war doch eine schöne Erfahrung. Eine Chance hatte ich nicht.“ Von seinen feixenden Kollegen wurde der „Schraubstock“ gefordert.

Georgier sagen auch zu

Bestechend auf Abensberger Seite agierten die Georgier Zebeda Rekhviashvili und Beka Gviniashvili. „Ich war nach der WM verletzt und komme langsam wieder in Schwung“, erklärte Rekhviashvili, der mit seinem Landsmann versicherte: „Ja, wir sind bereit für den 19. Oktober.“ Von einem Auftritt für Georgien bei der parallel anstehenden Militär-WM gehe er nicht aus.

Vom Mattenrand

  • Finalistin:

    Raffaela Igl wird bald zur U21-WM aufbrechen. Danach steht auch ihr eine Bundesliga-Endrunde ins Haus. „Ich bin bei der TSG Backnang auf der Liste, habe aber noch nie gekämpft. Das Frauen-Finale ist am 9. November. Da kann ich.“

  • Veilchen:

    Es wurde noch gar nicht gekämpft, da trug TSV-Schwergewichtler Johannes Frey schon ein blaues Auge samt Turban. „Ich habe in der vergangenen Woche im Training einen Kopfstoß abbekommen“, berichtete er. Das Sehfeld sei nicht eingeschränkt, ergänzte Frey.

  • Heimweh:

    Esslingers Recke Dimitri Peters gestand: „Ich war von mir selbst etwas enttäuscht, als ich Abensberg vor zwei Jahren verlassen habe. Aber die Nähe zu Hamburg hat wegen der Familie dafür gesprochen.“ Er habe gerne für den TSV gekämpft.

  • Schmerzen:

    Vize-Weltmeister Karl-Richard Frey muss seit der WM wegen einer Verletzung pausieren – ein Gegner erwischte ihn an einer empfindlichen Stelle im Unterleib. „Es tat höllisch weh. In zwei Wochen sollte ich aber wieder fit sein. Für die Endrunde bin dann ich bereit.“

„Wir werden nun abfragen, wer für die Endrunde Zeit hat“, umriss Oberndorfer die Arbeit für die nächsten Tage. Auch mit den Frey-Brüdern kann der TSV planen. Grundsätzlich wussten alle Beteiligten am Spitzenduell: „In der Endrunde werden beide Teams noch stärker aufgestellt sein. Wir hatten heute Igor Wandtke oder unseren Weltmeister Alexander Wieczerzak nicht dabei“, so KSV-Trainer Finkbeiner. „Und beide Lager verfügen noch über weitere Weltklasse-Ausländer.“

Manuel Scheibel glückte die größte Überraschung des Tages. Foto: Steffl
Manuel Scheibel glückte die größte Überraschung des Tages. Foto: Steffl

Nach den Wogen der Vorwoche sieht es nach einem rein sportlich geprägten „Final Four“ am 19. Oktober in Esslingen aus, zu dem sich aus dem Norden SUA Witten und vermutlich UJKC Potsdam gesellen werden. „Wir sind bereit – egal zu welchem Termin“, setzte David Krämer nochmal grinsend dazu.

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