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Medizin

Abensbergerin hilft Menschen in Afrika

Die 34-jährige Ärztin Kristina Schottmayer hat bereits den zweiten Auslandseinsatz hinter sich. Ein Dritter soll folgen.
Von Wolfgang Abeltshauser

Kristina Schottmayer (vorne Dritte von links) im Kreise des Klinikpersonals von Bentiu. Fotos: Schottmayer, Kate Holt/ Unicef Handout (1)
Kristina Schottmayer (vorne Dritte von links) im Kreise des Klinikpersonals von Bentiu. Fotos: Schottmayer, Kate Holt/ Unicef Handout (1)

Abensberg.Erst seit kurzer Zeit Tagen ist Kristina Schottmayer wieder zu Hause in Abensberg. Sechs Monate verbrachte die 34-jährige Fachärztin für innere Medizin im Südsudan. Nicht etwa Urlaub oder Abenteuerlust verschlugen sie in diesen Winkel unserer Erde, sondern der Wunsch zu helfen. Sie arbeitete als Mitglied von „Ärzte ohne Grenzen“ in einem Krankenhaus.

Die Eindrücke, die sie aus Afrika mitbringt, sind vielfältig. Einmal war es die schiere Not, auf die sie dort traf. Der Einsatzort der Abensbergerin lag im Flüchtlingslager Bentiu. Dort leben 110 000 Menschen, die sich vor dem Bürgerkrieg in Sicherheit gebracht haben. Strom gibt es nur, wenn der Generator läuft. Ist Regenzeit, ist schnell einmal alles überflutet. Ausgang hatten die Ärzte nur unter strengen Auflagen. Denn für Europäer sei das nicht ungefährlich.

Das ist das eine, das andere sind die Menschen, denen Schottmayer begegnet ist. Die einheimischen Mitarbeiter hätten immer ein Lächeln auf den Lippen gehabt – trotz der kritischen Gesamtsituation. Spontane Umarmungen von Patienten seien nichts Ungewöhnliches. „Es sind unheimlich warmherzige Menschen.“ Ihre Beschreibung passt gut zu dem, was andere Europäer, die Afrika besucht haben, immer wieder berichten.

Zuvor schon im Kongo

Jetzt ist die Ärztin wieder zurück in ihrem europäischen Leben. Sie hat eine Vertretungsstelle in einer onkologischen Abteilung eines Krankenhauses in Oberbayern angenommen. Das ist derzeit ihr berufliches Leben: ein Hin und Her zwischen solchen Aushilfsjobs und Einsätzen in der so genannten Dritten Welt. Der Südsudan war nicht ihre erste Station. Davor half sie von November 2017 bis März 2018 im Kongo.

Die Frage, warum sie das mache, sei nicht so einfach zu beantworten. Der Wunsch, den Menschen auf diese Weise zu helfen, sei schon früh in ihr gereift. Es sei ein Grund gewesen, Medizin zu studieren – wenn auch nicht der einzige. Der Weg zu den „Ärzten ohne Grenzen“ sei dann eigentlich vorgezeichnet gewesen. Die Organisation sei ja doch sehr präsent. Die Hilfseinrichtung ist froh, wenn sich Ärzte für diese Arbeit interessieren. Dennoch sei das Bewerbungsverfahren ganz schön aufwendig. In einem Schreiben musste die Abensbergerin ihre Motivation beschreiben. Sie hatte Fremdsprachenkenntnisse nachzuweisen. Und dann gab es noch ein ganz normales Vorstellungsgespräch.

Untersuchung eines kleinen Patienten.
Untersuchung eines kleinen Patienten.

Das Krankenhaus, in dem sie in Bentiu arbeitete, war das einzige weit und breit. Zwar gibt es eine staatliche Ambulanz. Dort fehle aber die Möglichkeit, Patienten über Nacht zu betreuen. So hat sich der Einsatz – von der Arbeit her – gar nicht groß vom normalen Arbeitsalltag einer Klinikärztin unterschieden. Allein die zu behandelnden Krankheiten waren ortsspezifisch: Malaria, Durchfall, Masern, Schlangenbisse.

Behandeln bedeutete aber nur einen Teil des Einsatzes. Der andere war die Ausbildung. Ziel sei es, die örtlichen Kräfte soweit zu bringen, dass sie ohne Hilfe der Ärzte aus anderen Ländern die Patienten betreuen können. Oftmals haben die Angestellten nicht eine der Hiesigen vergleichbare Ausbildung. Oftmals sei die Vorbildung ein Zwischending zwischen Krankenpfleger und Arzt. Der Einsatzort im Südsudan sei aber noch ein gehöriges Stück weit davon entfernt, dass sich die Organisation dort zurückziehen könnte. Für die Einheimischen bedeute das, sich alle paar Monate auf neue Vorgesetzte einzustellen. Das sei auch nicht so einfach.

Zu den Aufgaben von Kristina Schottmayer im Südsudan gehörte auch, afrikanische Kollegen zu schulen.
Zu den Aufgaben von Kristina Schottmayer im Südsudan gehörte auch, afrikanische Kollegen zu schulen.

Wer arbeitet, benötigt auch Erholung. Dafür mussten die Ärzte ins Nachbarland Kenia fahren. Dort sei es möglich, einfach einmal auch in einer Stadt spazieren zu gehen. Im Südsudan sei das absolut zu gefährlich. Grundsätzlich gebe es nach jeweils sechs Wochen ein langes Wochenende. Außerdem habe man Anspruch auf zwei Wochen Urlaub.

Der Abensberger Dr. Maximilian Ohneis hat auch schon einen Auslandseinsatz hinter sich:

Medizin

Ein Arzt zwischen den Welten

Dr. Ohneis aus Abensberg schwört auf moderne Medizin. Im Ausland hat er festgestellt: Es geht auch mit einfachen Mitteln.

Ein paar freie Tage hat sich Schottmayer in der Heimat gegönnt. Mittlerweile ist sie wieder im Dienst. Solche Vertretungs-Aufgaben sind nicht nur finanziell wichtig. Wobei das schon eine Rolle spielt. Für ihren Einsatz in Afrika wurde sie entlohnt, reich werde man damit aber selbstverständlich nicht. Es sei für sie als Ärztin schlichtweg wichtig, nach einigen Monaten wieder in einem deutschen Krankenhaus zu arbeiten, um auf dem jeweiligen aktuellen Forschungsstand zu sein.

Das Auge wird geschult

Sie denkt, damit auch ihren Patienten Gutes zu tun. Klar: Sie komme immer mit dem neuesten medizinischen Wissen in ihren Einsatzort. Und einen dritten unter dem Dach von „Ärzte ohne Grenzen“ werde es sicherlich geben. Sie denkt da an die Zeit ab Sommer diesen Jahres.

Bis dahin können die Patienten in ihrem jetzigen Arbeitsort von dem profitieren, was Schottmayer im Kongo und im Südsudan erlebt hat. Eines sei klar: „Dort lernt man, sich auf die körperliche Untersuchung zu verlassen.“ Der Arzt müsse seine Beobachtungsgabe schulen. Denn optimal ausgerüstete Labore, mit denen zig Daten und Blutwerte abgefragt werden können, gebe es dort eben keine. Ein gutes Auge des Doktors, das dem Kranken seine Beschwerden schlichtweg ansehen kannt, hilft auch hier.

Das ist der Südsudan

  • Land:

    Der Südsudan ist ein Staat im Nordisten von Afrika. Er erlangte am 9. Juli 2011 die Unabhängigkeit vom Sudan; zuvor war das Gebiet von 1972 bis 1983 und erneut von 2005 bis 2011 eine autonome Region innerhalb des Sudans.

  • Kriege:

    Nach jahrzehntelangen kriegerischen Auseinandersetzungen gab es 2011 die Unabhängigkeit. Allerdings startete der derzeit laufende Bürgerkrieg nur zwei Jahre später (wo)

Wie es mit Kristina Schottmayer beruflich auf lange Sicht weitergeht? Diese Frage könne sie noch nicht beantworten. Möglich wäre sowohl eine Karriere in Deutschland als auch ein Aufstieg innerhalb der „Ärzte ohne Grenzen“, was durchaus möglich sei. Aufgefallen ist ihr bei ihren zwei bisherigen Auslandseinsätzen, dass HIV- und Tuberkulose-Fälle in diesen Gegenden wieder zugekommen haben. Es wäre für sie beispielsweise ein Interessantes Forschungsfeld, die Gründe herauszufinden und dagegenzuarbeiten.

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