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Erfolg

Barrierefrei auf dem Vormarsch

Nach einem Jahr des Aufbaus hat die „Werkstatt für Barrierefreiheit“ in Abensberg die ersten Kunden gewonnen.
von Wolfgang Abeltshauser

  • Marion Huber-Schallner will die Menschen für die Probleme von Behinderten sensibilisieren. Foto: Archiv
  • Ministerialdirigent Markus Zorzi kam zum Jahresauftakt. Marion Huber-Schallner beschenkte ihn mit süßen Spargelspitzen.

Abensberg.Vor einem Jahr gründete sich die „Werkstatt für Barrierefreiheit“ als Sozialgenossenschaft. Sogar Ministerin Emilia Müller kam seinerzeit nach Abensberg. Zwölf Monate sind vergangen – und das Projekt ist gut angelaufen. Beim Jahresauftakt im Aventinum berichteten die Geschäftsführerinnen Petra Ellert und Marion Huber Schallner von ersten Kunden, die schon gewonnen sind. Nicht zuletzt im Bereich Internet soll es hier weitergehen.

Ein Mehr an Lebensqualität

Zur Veranstaltung im Aventinum war auch Markus Zorzi gekommen – seines Zeichens Ministerialdirigent im Bayerischen Sozialministerium. Er lobte die Initiative, die seinerzeit von den beiden jetzigen Geschäftsführerinnen ins Leben gerufen worden war: „Es werden Arbeitsfelder für Menschen mit Behinderung geschaffen.“ Außerdem werde durch die Genossenschaft die Barrierefreiheit im Landkreis gesteigert. Das wiederum erhöhe die Lebensqualität für alle. Ellert und Huber-Schallner lernten sich nach eigenen Worten bei einem inklusiven Projekt in Abensberg kennen, bei dem sie beide mit dabei waren.

Eine wichtige Grundlagenarbeit war laut Ellert die eigene Internetseite. Die ist selbstverständlich barrierefrei. Und genau in diesem Bereich sieht Ellert in Zukunft viele Möglichkeiten für die Werkstatt. „Hier gibt es ein starkes Kundenfeld“, war sich Ellert sicher. Die Abensberger Initiative hat ein Computerprogramm entwickelt, mit dem Webseiten auf Stolperfallen für Menschen mit Handicap durchforstet werden können. Den Kunden werden Tipps an die Hand gegeben, wie so eine Seite aussehen sollte. Hier ist vor allem Gründungsmitglied und Computerfachmann Mathias Haimerl zu Gange.

Nicht nur, dass es wohl viele mögliche Kunden gebe. Der Bereich könne mit einem weiteren Arbeitsfeld der Genossenschaft verknüpft werden. „Leichte Sprache“ heißt das. Kunden können hier eigene Texte jeder Art danach überprüfen lassen, ob sie beispielsweise von lernbehinderten Menschen gut verstanden werden können oder nicht. Außerdem können Unternehmen ihre Mitarbeiter in diesem Thema fortbilden lassen. Dieser Bereich ist die Domäne der Mitgründer Alexander Prock und Eva-Maria Michl.

Ein weiteres Betätigungsfeld, das schon angestoßen ist, nennt sich Perspektiven-Wechsel. Ein Bereich, der Huber-Schnallner sehr am Herzen liegt, wie sie selbst bei der Veranstaltung betonte. Einfach gesagt: Nichtbehinderte können ausprobieren, wie es etwa ist, sich mit dem Rollstuhl zu bewegen. Solche Sensibilisierungsworkshops gibt es beispielsweise für Schulen oder Organisationen.

Kunden aus ganz Altbayern

Seit letzten Jahresviertel 2015 gibt es erste Kunden, die die Dienstleistungen der Werkstatt in Anspruch nehmen. Darunter befinden sich beispielsweise das Rote Kreuz im Landkreis, die Kelheimer Berufsschule oder auch die Mitbauzentrale in München. Den Kundenstamm zu erweitern ist laut Ellert eines der Hauptziele für 2016 für die Werkstatt für Barrierefreiheit. Außerdem wollen die Macher weiter Mitglieder gewinnen. Wobei aus den fünf Gründern längst so viele geworden sind, dass es einen Aufsichtsrat für die Genossenschaft braucht. Wo es geht, sollen Fördergelder generiert werden. Für die weitere Zukunft sehen die Initiatoren auch das Thema „Barrierefreier Tourismus“ als Betätigungsfeld.

Abensbergs Bürgermeister Dr. Uwe Brandl betonte, dass Sozialgenossenschaften noch etwas Besonderes sind. Laut Zorzi gibt es in Bayern derzeit sieben. Sie sind in seinen Augen gerade für den ländlichen Raum eine gute Sache, um Projekte anzustoßen. Genossenschaften sind in seinen Augen immer dann sinnvoll, wenn ein Vorhaben durch eine Einzelperson finanziell nicht gestemmt werden kann. Grundsätzlich helfe ein „Netz der Solidarität“. Es brauche engagierte Bürger. Anders als ein Verein dürfe eine Genossenschaft wirtschaftliche Ziele verfolgen. Sozialgenossenschaften seien vor allem hilfreich, wenn es darum gehe, die Infrastruktur zu erhalten oder Dienstleistungen anzubieten.

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