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Bilanz

Die Kinder lernen mit viel Spaß

Die Schule Offenstetten ist Modellschule für digitalen Unterricht. Rektorin Liane Köppl zieht eine positive Zwischenbilanz.

Im Musikunterricht die passenden Töne herauszusuchen ist eine ganz praktische Anwendung der technischen Geräte. Foto: Wolfgang Abeltshauser
Im Musikunterricht die passenden Töne herauszusuchen ist eine ganz praktische Anwendung der technischen Geräte. Foto: Wolfgang Abeltshauser

Abensberg.Liane Köppl ist sich sicher: Früher gab es diese drei Kulturtechniken: Lesen, Schreiben, Rechnen. Mittlerweile ist nach den Worten der Leiterin der Offenstettener Grundschule eine Vierte dazugekommen: der Umgang mit den sozialen Medien. Deshalb hatte sich ihre Einrichtung für die Teilnahme am Schulversuch „Digitale Schule 2020“ beworben. In ihren Augen sind Schulen hier gefordert. Auch Schreiben lerne man ja dort. Offenstetten ist seit Herbst 2017 als eine von nur acht bayerischen Schulen mit dabei. Die Halbzeitbilanz der Schulleiterin hört sich sehr positiv an.

Keine reinen Geräte-Stunden

So nehmen die Kinder in Köppls Augen mit viel Motivation am Unterricht teil. Auch von den Eltern habe sie nur Positives gehört. Der größte Unterschied zum klassischen Lernen aus früheren Zeiten ist, dass es für jedes Kind des Ganztagsbereichs ein Tablet gibt, das der junge Mensch für Hausaufgaben auch daheim benutzen dürfe. Es gebe aber keinen ganzen Unterrichtsstunden nur mit den Geräten. Es sei nicht so wie früher im Computerraum. „Die Geräte werden eben einmal fünf Minuten in die Hand genommen, wenn es passt“, beschreibt es Köppl. Es gebe grundsätzlich Vorgaben aus dem Ministerium, wie die digitalen Inhalte in die verschiedenen Schulfächer eingebaut werden können. Gerüchten, es gebe gar keine Hefte mehr an der Schule, schiebt sie einen großen Riegel vor.

Kreativität wird gefördert

Eingesetzt werden die Tablets in vielen Fächern – gerade auch dort, wo Kreativität gefragt ist. So dürfen die Schüler im Musikunterricht beispielsweise selbstständig Klänge aussuchen, die in ihren Augen zu bestimmten Stimmungen passen. Mit einem Tablet mit Musikspeicher und einem Kopfhöhrer ist das kein Problem. Zu sehen ist: Da ist nicht jeder für sich selbst zu Gange. Sie helfen sich gegenseitig – Die Aufgabe wird zur Gemeinschaftsarbeit.

Das war die erste Säule der sogenannten digitalen Schule. Die zweite ist die Medienerziehung. „Auch Grundschulkindern kann man schon beibringen, was es mit dem Urheberrecht auf sich hat“, nennt Köppl da ein konkretes Beispiel. Die Dritt- und Viertklässler beschäftigen sich mit diesem Thema. Es werde auch auf Aktuelles reagiert. So gab es im Umfeld der Schule einen Fall von Kettenbriefen, die über das Internet weitergegeben wurden. In solchen Situationen werden die Kinder dann auf die Gefahren hingewiesen. Für Köppl ist die Sache klar: Man könne nicht warten, bis die Kinder weiterführende Schulen erreichen, bevor die Lehrer diese Themen im Unterricht behandeln. Denn die Grundschulkinder würden schon jetzt mit den sozialen Medien umgehen.

Eltern sind gefordert

Unabhängig von Aktivitäten in den Schulen sieht Medienexperte Bruno Lux bei diesen Dingen die Eltern in der Pflicht: Die sollten wissen, in welchen Netzwerken sich ihre Kinder bewegen und wo hier mögliche Gefahren – gerade bei Grundschulkindern – lauern. Die Sache mit den Kettenbriefen sei ein Grund, warum man den ehemaligen Leiter der Schulberatung in Niederbayern zu einem Vortrag, der Mittwoch stattfindet, eingeladen habe.

Motivation der Kinder kennen

„Den Eltern sollten die beiden Hauptmotive ihrer Kinder klar sein, die für die Attraktivität sozialer Netzwerke verantwortlich sind – Selbstdarstellung und Vernetzung“, sagt der Fachmann im Gespräch mit unserem Medienhaus. Bei seinem Vortrag werde er einen Überblick über aktuelle Entwicklungen geben, die spaßig, harmlos, kreativ, aber auch bescheuert, provozierend oder sogar gefährlich sein können.

Mobbing kann jeden treffen, warnt Bruno Lux::

Interview

Erste Schritte gemeinsam

Bruno Lux gilt als Experte für soziale Medien. Im Gespräch mit unserem Medienhaus gibt er konkrete Tipps für Eltern.

Die Eltern sollten an vier Orientierungspunkten die Tätigkeit ihrer Kinder im Netz beurteilen können und dies mit ihren Kindern besprechen: Umgang mit den eigenen Daten, mögliche Persönlichkeitsrechtsverletzung, Urheberrechtsverletzung und mögliche Selbstschädigung Gemeint seien hier: Abzocke, gesundheitliche Schädigung, Mobbing, Suchtgefahr, Suizid. Schließlich sollten die Eltern wissen, wie sie sich bei Problemen verhalten sollten und an welche Ansprechpartner sie sich wenden können. „Eltern sollten auch die straf- bzw. zivilrechtlichen Risiken kennen.“

Weitere Informationen für Eltern

  • Vortrag:

    Ein kompetenter und bewusster Umgang mit Medien wird in Zeiten zunehmender Digitalisierung immer wichtiger. Deshalb veranstaltet die Grundschule Offenstetten Mittwoch um 19.30 Uhr einen Vortrag zum Thema „Kinder und Jugendliche in digitalen Lebenswelten – Was Eltern wissen sollten“. Referent ist Bruno Lux, ehemaliger Leiter der Staatlichen Schulberatungsstelle. Er wird diese Themen aufgreifen: Elternsorgen und aktuelle Trends in sozialen Netzwerken, digitale Medien, Beispiele beliebter Spiele, Jugendliche in digitalen Netzwerken: Selbstdarstellung und Vernetzung, Cybermobbing.

  • Beispiele:

    Geeignete soziale Medien für Grundschulkinder sind in den Augen von Lux: sheeplive.eu, seitenstark.de, cyberzwerge.de, blinde-kuh.de, wasistwas.de, geo.de/geolino, fragfinn.de. Für Eltern von Grundschulkindern: kika.de (KiKA für Erwachsene, App-Tipps für Kinder, Datenbank für Kinder-Apps), klick-tipps.net, surfen-ohne-risiko.net, schau-hin.info. Unbedingt sollten Eltern die Seite klicksafe.de kennen und immer wieder aufrufen zu allen relevanten Themen der Mediennutzung. So sagt es der Experte rund um die sozialen Medien im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Was den Unterricht an der Grundschule betrifft, bekommen die Kleinen auch schon erste Schritte in Sachen Informatik und Programmieren beigebracht. Die Kinder lernen, wie ein Computer technisch funktioniert. Das zeigt vielleicht am besten, was sich im Schulunterricht verändert – im Vergleich zur Situation vor 30 bis 40 Jahren. Der Autor dieser Zeilen besuchte die Oberstufe eines Gymnasiums, als er erstmals im Unterricht mit solchen Dingen konfrontiert wurde. Und das geschah auch nur in einem Wahlfach – und nicht im Pflichtunterricht. Aber da sitzen die Kleinen nicht etwa die ganze Zeit über vor dem Bildschirm. Die Schülerinnen und Schüler bekommen laut Köppl beispielsweise beigebracht, was ein Algorithmus ist. Und wo man den auch im normalen Leben finden kann. Der Schulversuch dauert noch bis 2020.

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