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Musik

Für Filmbosse und Youtube-„Stars“

Für viele ist er Gianna Nanninis Drummer. Aber auch im Studio produziert Stephan Ebn Spannendes – den „Männerhort-Soundtrack“
Von Beate Weigert

  • Stephan Ebn bei der Soundtrack-Produktion von „Männerhort“ an den Drums. Foto: Weigert
  • Stephan Ebn sitzt mittlerweile oft auch im Abensberger Tonstudio. Foto: Weigert
  • Hans Maahn in Action Foto: Weigert
  • Youtube-Phänomen Anna-Maria Hefele an der Nyckelharpa Foto: Ebn
  • Drei, zwei, eins: Achtung, Aufnahme läuft! Stephan Ebn (re.) und Giacomo Castellano (li.) bei den Aufnahmen für die internationale Version des Soundtracks der Filmkomödie „Männerhort“. Foto: Weigert
  • Das Bild zeigt den Drummer in Action mit „Middle of the Road“ auf Schalke Foto: Ebn
  • Maria Reiser Foto: Christian Zehenmeier
  • Die Schauspieler Detlev Buck, Christoph Maria Herbst und Elyas M’Barek sind die Hauptdarsteller von „Männerhort“ Foto: dpa

Abensberg.„Sie ist ein Alien oder sie hat einen aufgegessen und der steckt nun in ihr drin und versucht zuhause anzurufen“, so kommentieren die einen ihr Video auf „Youtube“. Die anderen sind verzaubert von den ungewöhnlichen Klängen der Oberton-Sängerin Anna-Maria Hefele. Innerhalb weniger Wochen hat die sich zum Youtube-Phänomen entwickelt. Mit mehr als sieben Millionen Klicks. Am Montagabend war sie bei Stefan Raab zu Gast, seit Mittwoch steht sie im Keller eines Abensberger Wohnhauses. Bei Stephan Ebn singt sie bis Freitag ihre erste EP ein. Noch vor Weihnachten soll sie erscheinen.

Manchen mag die Zusammenarbeit erstaunen. Denn die meisten kennen den 36-Jährigen als Drummer. Der mit namhaften Bands in großen Stadien im In- und Ausland auftritt. In der Arena auf Schalke, in der Berliner Wuhlheide und den Pendants in Spanien, Italien oder Rumänien. Für viele Abensberger ist Ebn der, der mit Gianna Nannini auf Tour ist. In der Tat spielte Ebn von 2006 bis 2010 mehr als 150 Konzerte in ganz Europa mit der italienischen Rock-Röhre. Bis zur Geburt von deren Tochter Penelope.

Seit kurzem hat Ebn zusammen mit seiner Frau und Musiker-Kollegin Maria Reiser-Ebn selbst eine Tochter. Er verlagerte einen Großteil seiner internationalen Arbeit zurück an die Abens. Immer öfter arbeitet er auch als Produzent.

In 18 Jahren 100 Tonträger

Ein solcher ist heutzutage jeder, der einen Computer und ein Mikrofon besitzt, sagt Ebn. Entscheidend sei aber, was mit der hergestellten Musik passiert. Der Abensberger produziert nicht ins Blaue hinein. „Ich will erstmal wissen, was ist die Zielgruppe und wo ist der Markt.“ Natürlich in Absprache mit dem jeweiligen Künstler, Management und Label. Wenn man wisse, was man tue, sei es gar nicht so schwer, im „Haifischbecken“ der Branche Geld zu verdienen. Auch wenn die Arbeit schon mal lukrativer war. Denn streng genommen ist die Musikbranche heutzutage ja pleite.

Eine völlige, neue Seite Stephan Ebns ist das Produzent-Sein aber nicht. Als Studiomusiker hat er in den vergangenen 18 Jahren mehr als 100 Tonträger eingetrommelt und früh gemerkt, dass ihm nicht alles gefällt, was andere arrangierten. Seit fast 15 Jahren sitzt Ebn immer wieder nicht nur vor, sondern auch hinter der Scheibe im Studio. Tauscht Sticks mit Mischpult, Abhörmonitoren und PC. Entweder bei sich zuhause oder wie mit der schottischen Band „Middle of the Road“ oder Jon Fratelli („The Fratellis“) in London oder Glasgow, mit der Bassistin der Rockband „Boston“ in Nashville oder mit Gianna Nannini in London oder Mailand.

Für sich selbst unterscheidet der Abensberger nicht: Oh, jetzt bin ich Schlagzeuger, jetzt bin ich Produzent. Speziell wenn sich beides innerhalb von Minuten oder wenigen Stunden ablöst. So wie in der vergangenen Woche. Als er mit Giacomo Castellano (Anm. d. Red: dem Gitarristen vieler italienischer Musikgrößen, wie Elisa oder Adreano Cellentano) und Hans Maahn (Anm. d. Red.: dem Bassisten von Joachim Witt, Fehlfarben, Marianne Rosenberg, Tommy Engel, Annette und Inga Humpe), den Kollegen seiner Studio- und Liveband „Starbust“, im Abensberger Studio stand.

Immerhin gebe es in der Filmbranche im Gegensatz zum Pop-Business wenigstens ein richtiges Budget für Musik.

Zum im Mai eingespielten Soundtrack der Kinokomödie „Männerhort“ mit Elyas M’Barek, Christoph Maria Herbst und Detlev Buck in den Hauptrollen mussten vier Songs für deren internationale Version, die ab 2015 bei den großen Airlines oder auf DVD zu sehen ist, neu eingespielt und produziert werden. Sein Geld verdient Ebn als „Musiker“, sagt er. Mal ist das Verhältnis Drummer/Producer 50:50, mal 80:20, selten 20:80. Lieber unterteilt er seine Arbeit in Live und Studio. Da ist das Verhältnis auch oft 50:50, hin und wieder aber auch 20:80. Wenn wenn er auf Tour ist dann natürlich 100:0. Obwohl so könne man das auch nicht sagen, denn heutzutage kann man ja sogar im Hotel noch an Produktionen feilen.

Vampirrock trifft Blaskapelle

Wenn er im Kalender 2014 zurückblättert, stehen sehr vielfältige Projekte darin. Ebn produzierte etwa zwei Kindermusik-CDs von Rodscha aus Kambodscha und Tom Palme. Im Sommer trommelte er für den Film-Soundtrack von „Vampirschwestern 2“, die sein Starbust-Kollege Helmut Zerlett (Anm. d. Red.: bekannt als Bandleader aus der Harald-Schmidt-Show) mitkomponiert hatte und nahm die Drums in seinem Studio auf.

Parallel arbeitet er mit seiner Frau Maria an deren Album, das im Januar 2015 erscheinen wird. Für den Titel „Mein Land“ arrangierten sie eine große Blaskapelle dazu. Das Video wurde im Sommer im Allgäu gedreht. Auf der CD soll die Nummer einen Bonus-Track ergeben. Schon jetzt findet sich das Video dazu im Netz.

Kandidatin von „Voice of Germany“

Auch Hanna Iser, einer „Voice of Germany-Kandidatin“ 2013 aus Nürnberg gehörte zu den Gästen im Abensberger Tonstudio. Mit einem Kollegen produzierte Ebn die erste EP des Projekts „Izi“. Nun steht gerade Anna-Maria Hefele vor seinen Ebns Mikros.

Ob Rock, Bairisches oder Oberton-Musik ist für Stephan Ebn sekundär. Ihn interessiert fast jede Art von Musik und er traut sich an fast jede ran, sagt er. Wichtig ist, dass es Sinn und Spaß macht.

Klar, der Oberton-Gesang von Anna-Maria Hefele ist auch für ihn sehr speziell, aber gerade deshalb eine spannende Herausforderung. Die Stimmkünstlerin mit abgeschlossenem Musik-Studium ist aber keine Eso-Type, die ihre Erfahrungen aus einem Freizeit-Kurs bezieht. Hefele habe die Obertöne so gut unter Kontrolle, dass „wir unter anderem versuchen, etwas ganz Neues zu kreieren“. Virtuoser Gesang und Groove sollen sich gegenseitig sinnvoll ergänzen.

Gegroovt hat es auch in der Vorwoche mit Castellano und Maahn. Wenn auch auf ganz andere Art. Die Musik zur Filmkomödie „Männerhort“ ist sehr rockig. „Schon mal einen Film ohne Musik gesehen“, fragt Ebn. Erst durch sie kommen Emotionen und Handlung gut rüber. Komponiert hat sie Ebns langjähriger Freund Christoph Zirngibl aus der Nachbargemeinde Neustadt. Schon für „Neues vom Wixxer“ mit Bastian Pastewka und anderen Projekten haben sie zusammengearbeitet.

„Ready?“, fragt Ebn übers Mikrofon seinen Freund und Kollegen Giacomo Castellano. Der spielt eine Gitarren-Sequenz ein weiteres Mal ein. Ebn und Maahn hören genau zu.

Die Zusammenarbeit ist relaxt. Ihr Knowhow ist auf demselben Level. Alles Profi-Musiker. Den Perfektionisten unter ihnen gibt es nicht. Meist seien sie sich einig über alle Details und dann heißt es „gut is’“.

Die Arbeit mit Gianna Nannini, die alle drei von Starbust live und im Studio kennen, sei da anders. „Gianna ist ein Punk“, sagt Stephan Ebn und grinst. Emotionaler, anders halt.

Ein „nine-to-five“-Job ist die Arbeit im Studio dennoch nicht. Denn die Musik ist ihre Passion. Zehn Stunden stehen sie in der Regel am Tag im Abensberger Keller. Natürlich mit Pausen, die braucht es. Vor allem wenn ein Italiener dabei ist, feixt Ebn. Doch der ist zufrieden mit den „famous beers“ und auch eine ordentliche Pizza hat er bekommen. Hans Maahn lobt die Hilfsbereitschaft der Abensberger. Erst am Morgen hatte er einen Platten am Auto. Die Tanke ums Eck half ganz unkompliziert.

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