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Krankheit

Gemeinsam: Das macht sie stärker

In Abensberg gibt es seit 20 Jahren eine Selbsthilfegruppe Fibromyalgie. Der Austausch mit Betroffenen hilft den Kranken.
Von Wolfgang Abeltshauser

 Starke Schmerzen, wenig Schlaf: Fibromyalgie ist eine tückische Krankheit - und ein Allheilmittel gibt es nicht. Foto: Christin Klose/dpa
 Starke Schmerzen, wenig Schlaf: Fibromyalgie ist eine tückische Krankheit - und ein Allheilmittel gibt es nicht. Foto: Christin Klose/dpa

Abensberg.Wie lange sie die Krankheit hat, weiß Ursula Ecker nicht. „Die Ärzte haben nie etwas gefunden“, berichtet sie im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Erst über Umwege wurde ihr klar: Sie hat Fibromyalgie. Das ist jetzt mehr als 20 Jahr her. Damals war die Krankheit noch relativ unbekannt. Selbst heute wisse nicht jeder Arzt Bescheid. Ihr war seinerzeit schnell klar: „Alleine schaffe ich das nicht.“ Also gründete sie gemeinsam mit einer Mitgetroffenen eine Selbsthilfegruppe. Seither gibt es monatliche Treffen. Die Mitglieder kommen aus ganz Niederbayern.

Der Schmerz ist immer da

Fibromyalgie ist eine schwere, chronische Erkrankung. Dabei kommt es zu starken Schmerzen in der Muskulatur und an den Sehnenansätzen. „Die Schmerzen sind immer da. Man muss lernen, damit zu leben“, sagt die 75-jährige Abensbergerin. Bis heute kennt die Wissenschaft die genaue Ursache nicht. Die Krankheit ist zwar nicht lebensbedrohend. Auch ein Leben im Rollstuhl muss niemand befürchten. Aber: Eine Heilung gibt es nicht.

Ursula Ecker will sich von der Krankheit nicht unterkriegen lassen: Foto: Abeltshauser
Ursula Ecker will sich von der Krankheit nicht unterkriegen lassen: Foto: Abeltshauser

Als es Ecker vor über 20 Jahren immer schlechter ging, willigte sie schließlich ein, auf Kur zu gehen. Sie fuhr nach Bad Säckingen. Dort erhielt sie endlich ihre Diagnose, hörte das erste Mal etwas von Fibromyalgie. Sie nahm mit nach Abensberg, dass es in Baden Württemberg Selbsthilfegruppen gibt.

Mit fünf Betroffenen fing es an

In Abensberg fand die mittlerweile 75-Jährige in Christa Hainz eine Mitbetroffene. Gemeinsam gingen sie auf die Suche nach weiteren Leidensgenossen. Fünf Personen waren es schließlich, die am 23. Juni 1999 beim ersten Treffen zusammenkamen.

Für Betroffene sei es nicht immer einfach, Verständnis für ihre Situation zu erhalten – selbst in der eigenen Familie nicht. Und so war und ist es für Ecker vor allem wichtig, in der Selbsthilfegruppe auf Menschen zu treffen, die ihre Probleme kennen und Nöte nachvollziehen können. Allein schon mit Menschen Zeit zu verbringen, die einen verstehen, mache die eigene Situation leichter.

Leidensweg

Renates Kampf gegen Fibromyalgie

Höllische Schmerzen begleiten Renate Schöttner aus Kelheim seit 20 Jahren. Bis ihre Pein einen Namen hatte, dauerte es lange.

Deshalb gehören regelmäßige Ausflüge mit zum Programm. Für solche Ausflüge gebe es auch Zuschüsse – etwa von der Krankenkasse. Dass das Leben mit Fibromyalgie nicht einfach ist, zeigt sich auch im Gespräch von Ecker mit dem MZ-Reporter. Denn der Schmerz sei immer da und zu spüren. Jetzt im Besprechungsraum der Mittelbayerischen mache ihr der Rücken zu schaffen. Grundsätzlich helfe ihr, aktiv zu bleiben. So geht sie regelmäßig zum Walken, schiebt ehrenamtliche Schichten als Aufsicht im Museum.

Das ist die Krankheit Fibromyalgie:

Das steckt hinter der Krankheit Fibromyalgie

Zu Beginn haben die Begründer der Selbsthilfegruppe noch auf sich aufmerksam gemacht – etwa mit Aushängen bei Ärzten. Mittlerweile erhalten Betroffene dort ohnehin den Hinweis, dass es in Abensberg eine solche Organisation gibt. So sagt es Ecker. Allein die Strecken, die manche Mitglieder der Gruppe mit dem Auto auf sich nehmen, um an den Treffen in Abensberg teilzunehmen, zeigt, wie wichtig der Austausch mit Betroffenen ist. Ein Mitglied kommt aus Vilsbiburg. Im Raum Landshut gebe es schlichtweg keine Selbsthilfegruppe. Auch aus der Region Straubing fährt eine Frau regelmäßig an die Abens.

Gegenseitiger Austausch

Es bleibt nicht aus: Bei den Treffen wird auch über die Krankheit an sich gesprochen. Ecker versucht, den Mitglieder immer neue Informationen weiterzugeben. Früher war sie dafür Mitglied in der deutschen Fibromyalgie Vereinigung. Mittlerweile helfe auch ein Blick ins Internet, um sich zu informieren. Grundsätzlich tausche man sich aus. Etwa wenn jemand auf einen guten Arzt gestoßen ist, gibt er den Tipp weiter.

Kontakt zu finden ist nicht schwer

  • Treffen:

    Die Selbsthilfegruppe trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat im Caritas-Sozialzentrum in der Max-Bronold-Straße in Abensberg. Beginn ist immer um 16 Uhr. Neulinge sind dabei jederzeit willkommen.

  • Kontakt:

    Wer mehr über die Treffen wissen will: Informationen gibt es bei Ursula Ecker – der Sprecherin der Gruppe – unter Telefon/Fax (0 94 43) 37 03. (wo)

Wie gesagt, nach wie vor ist unklar, was die Krankheit auslöst. Auffällig ist, dass zu 90 Prozent Frauen daran leiden. Was Ecker doch ein wenig ins Grübeln bringt. Frauen seien ja oft sehr eingespannt. Was stimmt. Nicht selten muss die Familie organisiert werden – und dazu das Berufsleben im Griff bleiben. Die Abensbergerin würde es nicht wundern, wenn sich eines Tages herausstellen sollte, dass Belastung im Leben ein Grund für Fibromyalgie ist.

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