MyMz
Anzeige

Tagebuch

Königsdisziplin – eine glorreiche Idee

Am Gillamoos durchmachen und den Montag früh abbrechen – spitze! Das denken wohl zumindest einige Auswärtige und nennen das Ganze Königsdisziplin.
Von Benjamin Neumaier

Gillamoos-Grantler Benjamin Neumaier schimpft über die Königsdisziplin.
Gillamoos-Grantler Benjamin Neumaier schimpft über die Königsdisziplin. Foto: Stöcker

Abensberg.Mit zugeschwollenen Augen schaut er, dessen Namen ich bereits wieder verdrängt habe, mich am Montagmorgen an. „Königsdisziplin“, ist das einzige, das er mir lallend und mit einem angedeuteten feisten Grinsen noch entgegenschmettern kann, während er sich bemüht, die Haut von einer seiner vier Weißwürste auf dem Teller abzuziehen. Sein rosa Polohemd hat schon bessere Zeiten gesehen, seine Sneaker starren vor Dreck, und der Zwickel seiner Lederhose hängt knapp über der Kniekehle. So sieht also einer aus, der sich an der Königsdisziplin versucht hat – wahrlich majestätisch wankt er schließlich davon. „Muaß zum Krebs“, ist das letzte, was ich von ihm höre, bevor er um die Ecke biegt.

Königsdisziplin – ich kann es nicht mehr hören. So aber nennen es einige auswärtige Gillamoosbesucher – denn diesen Terminus würde ein Abensberger nicht in den Mund nehmen – wenn sie geplantermaßen von Sonntag auf Montag am Gillamoos durchmachen, sich dann am Politischen Frühschoppen – völlig verschwitzt und vor Dreck starrend – noch zwei, drei Stunden in ein Zelt setzen, dann um 11 Uhr vormittags den Gillamoos für beendet erklären – und sich von ihrem Schatzi abholen lassen.

Eine selten dämliche Aktion. Das hört sich komisch an, weil vieles, was am Gillamoos passiert, Außenstehenden dämlich erscheinen mag, doch diese sogenannte Königsdisziplin, setzt dem Ganzen die Krone auf. Geplantermaßen durchzumachen ist beinahe genauso schlimm wie Vorglühen am Gillamoos. Aber: Diese besonderen Exemplare der Gillamoosterroristen sind mitunter ja sogar noch stolz auf ihre Leistung.

Wie auch er, dessen Namen ich bereits wieder verdrängt habe – denn ihn treffe ich zufällig auf dem Weg in die MZ-Redaktion: Am Gillamooseingang, immer noch dreckig und den erhobenen Daumen Richtung Straße reckend, stürzt er auf mich zu: „Mei Mausi is ned kemma“, lallt er. „Aber des macht nix, i kimm scho irgendwie hoam – muaß ja heid no in D’Nachtschicht. War wieder a geiler Gillamoos!“

Sicher, richtig geil. Geiler wäre es allerdings gewesen, wenn du auch den Montag noch in vollen Zügen auskosten hättest können, denke ich mir. Aber ihm das zu erklären, wäre vergebene Liebesmüh – deshalb belasse ich es bei einem – „Alles klar. Servus“ – und ziehe meiner Wege.

Vielleicht mag der eine oder andere jetzt denken „Wos der Neumaier schreibt, is doch a Witz. Außerdem hod der selber am Gillamoos schon vui Schmarrn g’macht, der soll amoi sei Gosch’n halten“ – und ich würde demjenigen in weiten Teilen zustimmen. Aber diese Königsdisziplin – auch wenn sie, Gott sei’s gedankt, nur selten praktiziert wird – ist schlichtweg ein Witz: Denn am Gillamoos gibt es, wenn dann, nur eine Königsdisziplin – fünf Tage, 50 Maß. Und mehr muss ich dazu wohl nicht mehr sagen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht