MyMz
Anzeige

Kunst

Osterrieder – Kaiser des Krippenbaus

Zum 150. Geburtstag zeigt das Stadtmuseum in einer Ausstellung Leben und Wirken des Künstlers, der in Abensberg geboren wurde.
Von Walter Dennstedt

Ein Geschenk gab es für Staatskanzleichef Dr. Marcel Huber (Mitte) – ein Guss nach dem Modell Osterrieders. Den überreichte Museumsleiter Tobias Hammerl (3. v. li.) und Krippenvereinsvorsitzender Martin Neumeyer (2. v. re.) im Beisein von Gertraud Schretzlmeier (li.), Peter Hübl (2. v. li.) und Bürgermeister Dr. Uwe Brandl (re.).
Ein Geschenk gab es für Staatskanzleichef Dr. Marcel Huber (Mitte) – ein Guss nach dem Modell Osterrieders. Den überreichte Museumsleiter Tobias Hammerl (3. v. li.) und Krippenvereinsvorsitzender Martin Neumeyer (2. v. re.) im Beisein von Gertraud Schretzlmeier (li.), Peter Hübl (2. v. li.) und Bürgermeister Dr. Uwe Brandl (re.). Fotos: Dennstedt

Abensberg.Dr. Maximilian Seefelder hatte es am Dienstagabend beim Festakt zum 150. Geburtstag von Sebastian Osterrieder nicht leicht: Zum einen, so lobte er anerkennend, habe Tobias Hammerl, der Leiter des Städtischen Museums Abensberg, mit der Ausstellung über Osterrieder die Messlatte hoch gelegt. Zum anderen war da der Schirmherr, Dr. Marcel Huber, seines Zeichens Staatskanzleichef und damit nach eigenem Bekunden „für alles zuständig“. Und Dr. Huber ist ein passionierte Krippenbauer.

Unglaubliche Karriere

Freilich, das Fachsimpeln über die Techniken, die Osterrieder anwendete und damit den Krippenbau in Deutschland revolutionierte, das ließen die Herren denn doch, wenngleich Dr. Seefelder das gesamte Wirken Osterrieders, seine Vita und sein Schaffen beleuchtete. Und zur Conclusio kam, dass Osterrieder der „Kaiser des Krippenbaus“ in Deutschland war.

Freilich, das relativiert, schmälerte aber dabei nicht Tobias Hammerl. Der „Krippenwastl“, so hat er herausgefunden, der als der „Wiederentdecker der Weihnachtskrippe“ gilt, sich vom einfachen Bäckersohn zum bekannten Bildhauer mauserte, der wusste auch Netzwerke zu knüpfen, wie man neudeutsch so schön sagt. Die Karriere war deshalb rasant: Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1888 von der Bürde des Bäckerhandwerks befreit, konnte der „Krippenwastl“ schon 1892 an der Akademie der Bildenden Künste eine Stelle antreten, und 1897 stand ihm gar Papst Leo XIII. in Rom Modell für eine Kolossal-Statue.

Osterrieder hatte immer Förderer, anfangs den Pfarrer, den Lehrer und einen Bildhauer, später einflussreiche Kreise des Bildungsbürgertums, des Adels und des Klerus an seiner Seite. Dabei, so sagte Schirmherr Dr. Marcel Huber, sei die Idee der Krippe im Moment hoch aktuell. Denn das, was sich im Nahen Osten abspiele, sei nichts anders als die Wiederholung der Geschichte: Menschen müssen vor Schächern flüchten. Und er bat, dies zu berücksichtigen, wenn an Stammtischen Parolen ausgegeben werden, dass die Bundesrepublik Wirtschaftsflüchtlingen die Tore öffne.

In diesem Sinne dachte Osterrieder wohl auch. Denn er wählte wohl bewusst den Weg gegen die damalige künstlerische Avantgarde, die mit dem Stichwort „der Blaue Reiter“ am besten zu umschreiben ist. Während Wassily Kandinsky und Franz Marc in München und Pablo Picasso in Barcelona die Moderne einläuteten, blieb Osterrieder dem Realismus verhaftet. Das führt Dr. Seefelder auf die Einflüsse damaliger Kunstrichtungen zurück. Das war zum einen die Strömung der Nazarener, die Kunst im Sinne des Christentums schaffen wollte, zum anderen der Orientalismus, der Motive aus dem Nahen und Fernen Osten seiner Kunst zugrunde legte.

Monumentalplastiken und mehr

Osterrieder indes perfektionierte die traditionelle künstlerischen Ausdrucksweise. Und das sicherte ihm den Lebensunterhalt, denn zahlreiche Aufträge des konservativen Bürgertums und des Klerus machten ihn schon bald zum begehrten Künstler.

Monumentalplastiken von Osterrieder in Rom oder Altötting oder in Siegenburg in der dortigen Kirche, dem „Dom der Hallertau“, waren ebenso begehrt, wie seine Weihnachtskrippen . Und Ostereider wusste sich zu verkaufen. So überreichte er dem damaligen Kaiser Wilhelm II. eine Krippe, stellte von diesen Prototypen dann Serien von Krippen her, natürlich mit dem Verweis, dass selbst der Kaiser eine derartige Krippe besitzt.

Dabei hat Osterrieder handwerklich äußerst raffiniert gearbeitet. Er erfand neue Techniken zum Gießen und Kaschieren und führte die szenische Darstellung der zugrundeliegenden neapolitanische und sizilianische Krippen gekonnt weiter. Im Jahr 1910 studierte er Land und Leute im Heiligen Land. Ziel war, eine möglichst naturalistische Darstellung der Krippenfiguren zu erreichen. Die Reise ermöglichte ihm Prinzregent Luitpold.

Das Werk Ostereiders ist umfangreich. Über 100 verschiedene Figuren hat er entworfen und gefertigt, Krippen von ihm stehen im Dom in Linz, in Luxemburg, Freising, Cleveland in Ohio und dem Petersdom in Rom. Auch die Figuren an der Fassade der Basilika St. Anna und der Bruder-Konrad-Brunnen in Altötting stammen von ihm, ebenso das Hoch- und Deutschmeisterdenkmal in Siegenburg. „Einerseits war er hoch innovativ und baute etwa gezielt elektrisches Licht in seine Darstellungen, andererseits folgte er als Künstler naturalistischen Vorbildern“, berichtete Hammerl.

Der Abensberger Krippenbauverein, so sagte dessen Vorsitzender, Landtagsabgeordneter Martin Neumeyer, der gleichzeitig der Kulturreferent der Stadt ist, hat sich zur Aufgabe gesetzt, das Werk Ostereiders zu erhalten und zu würdigen. Er hat auch den Festakt organisiert, wobei Neumeyer insbesondere das Wirken seiner Stellvertreterin, dritter Bürgermeisterin Gertraud Schretzlmeier lobte, die hinter den Kulissen rackere. Eine Festschrift hat der weitere „Motor“ des Vereins, Peter Hübl, erstellt. Sie schildert auf 26 Seiten Leben und Wirken Osterrieders.

Bisher unbekannte Werke

Im Stadtmuseum sind auch kürzlich erst wieder entdeckte Werke des Künstlers zu sehen. Die „Kaiserkrippe“, die ganzjährig im Museum ausgestellt ist, und die vor kurzem wiederentdeckten Figuren der Krippe der Kirche St. Pankratius in Gütersloh. Die sind über 60 Zentimeter groß. Zudem sind Teile des letzten Denkmals von Osterrieder zu sehen, das er kurz vor seinem Tod im Jahr 1932 fertigte. Erstmals öffentlich zu sehen sind Zeichnungen aus Osterrieders Nachlass. Sie zeigen, wie akribisch der Meister arbeitete und auch, wie Hammerl herausgefunden hat, dass er fotografierte.

Von Osterrieder selber gibt es kaum Fotos: Deshalb ziert die Festschrift das bekannte Porträt des Mannes mit Hut, in Farbschattierungen à la Andy Warhol, eine kleine Reminiszenz an die Moderne in der Ausstellung über den Traditionalisten.

Mit dabei waren auch Nachfahren Osterrieders. Dr. Hermann Vogel hat das wissenschaftliche Standardwerk über Leben und Werk Osterrieders geschrieben. Er ist mit Apothekerin Renate Vogel, geb. Kaess, verheiratet. Sie ist die Enkelin Osterrieders .

Ausstellung im Herzogskasten

  • Öffnungszeiten:

    Ab 12. November bis zum Montag, 2. Februar, im Stadtmuseum, Herzogskasten. Montags geschlossen, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

  • Exponate:

    Krippen, Figuren, Grabplatten, Teile eines Denkmals, das 1979 in Laber in der Oberpfalz der Spitzhacke zum Opfer fiel.

  • Eintritt:

    Kinder bis fünf Jahre frei, ab sechs Jahren 1,50 Euro; Studenten, Behinderte, Rentner, Sozialhilfeempfänger, vergleichbare Personengruppen zwei Euro; Erwachsene drei Euro, Familien fünf Euro;

  • Festschrift:

    Ausstellungsbegleitend erhältlich, informiert über Leben und Wirken des Künstlers aus Abensberg (dt)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht