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Schulkinowoche

Toleranz hat ganz viel mit Lernen zu tun

Am Montag wurde „Grenzgänger“gezeigt. Regisseurin Barbara Weber „kitzelte“ die Schüler mit ihrem provozierenden Film.
Von Walter Dennstedt

  • Vollverschleiert waren auch die jungen Darstellerinnen im Film „Grenzgänger“. Was das mit ihnen machte und wie die anderen darauf reagierten, das war Thema im Film. Für einen der Darsteller, einen jungen Türken, normal, für die anderen befremdlich. Foto: Boris Roessler/dpa
  • Gerda Kroiß hieß die Schülerinnen und Schüler willkommen. Foto: Dennstedt
  • Bei dem schönen Wetter konnte man auch vorm Kino arbeiten. Foto: Dennstedt
  • In Kleingruppen wurden Kernaussagen des Films beleuchtet. Foto: Dennstedt
  • Julia (15): Ich nehme aus dem Film mit, dass es wichtig ist, andere so zu akzeptieren wie sie sind. Der Film war für mich so wie erwartet mit den Jugendlichen, die dort gezeigt werden. Mir hat als bester Darsteller Immanuel gefallen, weil der immer seine Meinung vertreten hat.
  • Hannes (15): Der Film hat meine Erwartungen erfüllt. Für mich war Kilian der Beste. Ich hab mir gedacht, so wie er, hätte ich in der jeweiligen Situation auch gehandelt. Die Lehre für mich: Ich hatte ein paar Vorurteile, aber man muss jedem seine Meinung lassen, auch wenn‘s schwerfällt.
  • Johannes (15): Meine Einstellung hat sich nicht geändert: Ich finde es nicht so schlimm, dass so viel Ausländer bei uns sind, aber die sollten schon arbeiten und nicht bloß rumsitzen. Im Film hat mir am besten Immanuel gefallen, der Streifen war so, wie ich das erwartet habe.
  • Fabienne (15): Ich fand den Film interessant aufgestellt. Mein Liebling war Sarah, die hat immer gesagt, was sie denkt. Was ich mitnehme? Nun, es wird viel über Toleranz geredet, das find’ ich gut und wichtig. Aber wenn es laufend in Schule und Nachrichten kommt, dann ist’s manchmal zuviel.

Abensberg.Popcorn und Cola um 10 Uhr als Frühstück – geht! Schwerer wird es dann so kurz vor 12 Uhr, nachdem der Film „Grenzgänger“ von Barbara Weber gezeigt wurde, herauszuarbeiten, was die „Schauspieler“ auszeichnet, wie sie sich verhalten und – bestenfalls –welche Lehre oder Lehren man aus dem Film mitnimmt. Das war das Szenario zum Auftakt der Schulkinowoche in Bayern im Roxy-Kino in Abensberg.

Auch das Kelheimer Lichtspielhaus ist mit dabei, in Abensberg indes war Landrat Martin Neumeyer zumindest zum Auftakt mit dabei und referierte über Toleranz. Ein Glücksfall für die im Durchschnitt 15 Jahre alten Schülerinnen und Schüler, denn wer, außer Neumeyer, der vor knapp acht Jahren zum ersten Integrationsbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung ernannt worden war, wüsste besser, was Toleranz bedeutet?

Freilich, hier Ratschläge zu geben, das ist schwer. Sich gegenseitig zuhören, versuchen offen zu sein, den anderen ausreden lassen und auch eine unbequeme Aussage anzuhören, das, so sagte Neumeyer, sei schon mal die halbe Miete. Überhaupt, Integration sei so ein sperriger Begriff, dass er, Neumeyer, bei einer Veranstaltung in Oberbayern auch schon mal als „Intrigenbeauftragter“ begrüßt worden sei. Der Witz gerierte nur wenige Lacher, vielleicht war es einfacher, mit dem lateinischen Wort „tolerare“, dulden, hinnehmen zu argumentieren. Und die Aussage zu treffen, dass es keine Toleranz der Intoleranz gegen dürfe. Dabei machte Neumeyer deutlich, dass Toleranz nicht bedeute, alles (unwidersprochen) hinzunehmen. Da würde man zum Ja-Sager und verliere. Vielmehr müsse man in Achtung dem anderen zuhören. Und dabei, so sagte der Landrat, der seinen Posten als Integrationsbeauftragter vor einem knappen Monat aufgeben musste, lerne man das gesamte Leben lang Toleranz gegenüber Andersdenkenden, Andersgläubigen oder Menschen mit Handicap. Eine handfeste Lehre hatte er denn doch noch mitgebracht: Es helfe, zumindest zu versuchen, den Standpunkt des anderen einzunehmen.

Der Film „Grenzgänger“ war der Auftakt der ARD-Themenwoche „Toleranz“ im Jahr 2014. Elf Jugendliche wurden spielerisch in Situationen versetzt, wo sie ihre Toleranz zeigen konnten oder mussten. Der eine knappe Dreiviertelstunde dauernde Streifen dokumentierte die Jugendlichen und ihre Erfahrungen mit Andersdenkenden, zeigte in Szenen auf, was passiert, wenn Männer Frauenkleider tragen und umgekehrt, wie Frauen sich fühlen, wenn sie Burka oder Vollverschleierung tragen. und hat eine Schlüsselszene, nämlich einen an eine Plakatwand mit Klischees über Türken angebunden jungen Türken und die Reaktion von Passanten darauf – von Zustimmung und Herzlichkeit bis hin zu offener Fremdenfeindlichkeit.

Ein Interview mit der Regisseurin lesen SiZuhören ist das Wichtigste!e hier.

Das alles erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler konzentriert im Anschluss. Regisseurin Weber und ihre Kollegin Anne Thoma vom bayerischen Rundfunk, ließen bei der anschließenden Diskussion des Films einzelne Szenen nochmals auf der Leinwand zeigen um herauszuarbeiten, warum jemand jemanden sympathisch oder das Gegenteil davon findet, um herauszuarbeiten, was zum Beispiel den einen Protagonisten gut „rüberkommen“ lässt.

Für die Schülerinnen und Schüler, die wirklich mucksmäuschenstill den Film sahen, war der Vormittag sichtlich eine willkommene Abwechslung. Freilich, eine Lehrerin mutmaßte, dass es einen wenn auch kleineren Anteil ihrer Schülerinnen und Schüler gebe, die Kino eben dem Pauken von Mathe vorzögen, die Majorität aber beteiligte sich nicht nur fleißig an der Sammlung der Wertungen über den Film und die dortigen Hauptdarsteller, sondern diskutierte auch im Anschluss noch darüber. Und so mancher Schüler und so manche Schülerin waren „angepikst“ worden: Sie dachten nach, sahen Beispiele, die sie so auch kennen, aus der Schule, dem Elternhaus. Und nahmen nach eigenem Bekunden durchaus was mit. Gerda und Jakob Kroiß hatten als Kinobesitzer alle Hände voll zu tun und waren nach dem ersten Tag geschafft, zufrieden.

Das sagten Schüler dazu:

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www.youtube.com/watch?v=4I-wuVP38XQ

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