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Stadtführung

Zeitreise und ein echter Gestrandeter

Ein Waschweib und ein Revoluzzer lassen Abensberg um 1900 lebendig werden. Am Bahnhof platzt ein Unbekannter in die Szenerie.
Von Karin Einsle

  • Eindrucksvoll schildert „das Waschweib“ alias Agnes Englert ihr Leben. Fotos: Einsle
  • Geduldig beantwortete Tobias Hammerl alle Fragen – auch die der jüngsten Teilnehmerin Kira (10).
  • Revoluzzer und Arbeiter Thomas Hauber spricht von seinem Erwerbsleben
  • Bahnhofsvorsteher (Helmut Achtner) berichtet von der neuen Bahnlinie.

Abensberg.Passend zur Jahreszeit unter dem Überbegriff „Novembernebel“ entführt Dr. Tobias Hammerl, Leiter des Stadtmuseums Abensberg, derzeit interessierte Bürger zurück in die Gründerzeit. Bei der historischen Zeitreise wird er unterstützt von Anna Maria Tuscher-Sauer und vier Schauspielern des Theatrum Urbis.

Ein klein wenig trübte die Veranstaltung am vergangenen Samstag das Regenwetter. Doch alle Teilnehmer waren mit warmen Jacken und Regenschirmen ausgestattet, so dass auch die Laternen geschützt waren. Mit dabei das Ehepaar Kristin und Michael Jechtl, die beiden wohnen seit einem Jahr in Abensberg, „wir wollen einfach ein wenig Geschichte über unseren neuen Wohnort erfahren“, sagte Kristin.

Auf einmal brauchte man eine Uhr

Im Museum selbst bereiten sich die vier Darsteller: Margit Marges als Aumer Bräuin, Thomas Hauber als einfacher Arbeiter, Helmut Achtner als Bahnhofsvorsteher und die Waschfrau Agnes Englert auf ihren Auftritt später in der Altstadt vor: Englert meinte zu ihrer Figur, die aus der Zeit der Jahrhundertwende stammt: „Es war eine Zeit des Umbruchs, somit gibt es Parallelen zur heutigen Zeit. Die Welt wurde kleiner, das Leben hektischer. Es gab Neuerungen wie das Telefon, die Eisenbahn. Plötzlich brauchte man eine Uhr, um den Zug zu erwischen. Die Postkutschen zuvor warteten auf ihre Mitfahrer. Alles wurde schnelllebiger, so wie jetzt auch!“

Los ging die Reise durch Abensberg beim Herzogskasten. Hammerl führte die kleine Gruppe zuerst zur Barbarakirche. Auch damals gab es einen Priestermangel, die Schule löste sich von den Pfarreien. Kinder von Katholiken und Protestanten wurden in einer Schule beschult. Dreiundzwanzig Jahre war der rührige Pfarrer Georg Ott Priester in Abensberg, er schrieb theologische Bücher und verwandte die Einnahmen für caritative Zwecke – so auch für das Abensberger Krankenhaus.

Willkommen in der Griebsnau

Unterwegs zur ehemaligen Stark-Bank begegnete der Gruppe die Aumer Bräuin, die ihre Gaststätte nicht nur zwecks der Speisen, sondern auch für die gute Unterkunft lobte. Nach vielem Wissenswerten über die Nicolaus-Stark-Bank aber auch den Problemen der Bauern mit Pfandbriefen ging es weiter zur Abensberger „Au“ oder auch „Griebsnau“ genannt.

Nördlich der Stadtmauer gelegen war dies „das neue Viertel“ in der Gründerzeit. Damals hatte die Siedlung alles, was man braucht, einen Kramer, Schreiner, Schuster „in die Stadt ging man nur, wenn man zum Amt musste oder in die Kirche“, so Hammerl. Freilich wurde auch die Bahnhofsstraße mit Gebäuden bestückt. Hier kamen das Notariat, Vermessungsamt und das Postamt hin.

Am Bahnhof selber wurde die Gruppe von einem rührigen Bahnhofsvorsteher aufgeklärt, wann der nächste Zug fährt, witzig – ein tatsächlicher Fahrgast – der die Stationen verwechselt hatte und nun in Abensberg gestrandet war, hätte fast Helmut Achtner und auch Dr. Hammerl aus dem Konzept gebracht.

Unterwegs erklärte der Museumsleiter allerhand Gebäude. Erstaunlich dabei, dass sich auch nach mehr als 100 Jahren viele Einrichtungen noch in den Orginal-Häusern finden.

Sehr bewegend war der Auftritt des jungen Arbeiters, alias Thomas Hauber, der eindrucksvoll das Leben der „einfachen Leute“ schilderte und auch was er dagegen unternehmen wird.

An der Abens angekommen, nahe des Rößlerstegs, erfuhr man viel vom Namengeber. Ein Stück weiter „bei der Bloach“ tauchte die Waschfrau (Agnes Englert) aus der Dunkelheit auf, die ihr Leid klagte mit „der vielen Wäsch’“, aber auch mit dem schweren Leben zu der Zeit – vor allem mit einem Revoluzzer als Ehemann an der Seite.

Zurück am Herzogskasten kamen alle vier Darsteller nochmals für ein kurzes Intermezzo zusammen. Dr. Tobias Hammerl zu den historischen Stadtführungen: „Wir lassen uns immer etwas Neues einfallen, einfach Jahreszahlen runterrattern und nüchtern berichten, ist nicht mein Ding!“

Weitere historische Stadtführungen sind am 12., 13., 19. und 20. November jeweils um 19 Uhr.

Mehr Infos online unter www.stadtmuseum-abensberg.de

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