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Tradition

Zum Jubiläum wird ein Fenster gestiftet

Seit 140 Jahren gibt es den Arbeiter-Kranken-Unterstützungsverein. Doch es wird immer schwieriger, neue Helfer zu finden.
Von Philipp Seitz

  • Der Abensberger Arbeiter-Kranken-Unterstützungsverein stiftete ein Fenster.Foto: Dennstedt
  • Seit 40 Jahren steht Alois Fischer an der Spitze des Arbeiter-Kranken-Unterstützungsverein in Abensberg. Foto: Seitz

Abensberg.Mit einem Lächeln im Gesicht blättert Alois Fischer durch die vielen Fotoalben, die vor ihm auf dem heimischen Küchentisch liegen. Die Schnappschüsse zeigen Menschen in Tracht, beim Vereinsausflug oder geselligen Beisammensein. Zu jedem Bild können Fischer und seine Frau Resi eine kleine Geschichte erzählen. Über 40 Jahre Vereinsgeschichte sind in den Alben festgehalten. Genauso lange führt Fischer als erster Vorsitzender den Arbeiter-Kranken-Unterstützungsverein (AKUV) in Abensberg – und Fischer ist aus dem Vereinsleben nicht mehr wegzudenken.

In diesem Jahr kann der AKUV auf sein 140-jähriges Bestehen zurückblicken. Am 14. Dezember 1874 gründeten mehrere Bürger den Verein, der sich in besonderer Weise um die Angehörigen von verstorbenen Mitgliedern, aber auch um kranke und zeitweise arbeitsunfähige Vereinsmitglieder sorgen sollte. Aber auch die gesellige Unterhaltung wurde bei der Gründung zum Ziel des Abensberger Vereins erklärt.

Diese Rolle erfüllten die engagierten und hilfsbereiten Vereinsmitglieder jederzeit gerne. „Es hat in Abensberg kein Fest gegeben, bei dem wir nicht dabei waren“, sagt Fischer schmunzelnd. Unter seiner Vereinsführung wurden zahlreiche Ausflüge unternommen, Feste gefeiert und gemeinsame Stunden miteinander verbracht. Selbst den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel hatten Mitglieder schon einmal bei einem Fest bedient. „Das war für den Verein und die jungen Mädchen, die damals an unserem Verkauf standen, schon ein besonderes Erlebnis“, erinnert sich der Vorsitzende.

Die Biertische reichten nie aus

Ein Höhepunkt im Vereinsjahr seien stets die Vatertagsfeiern gewesen, sagt Fischer und deutet auf die leicht vergilbten Aufnahmen im Fotoalbum. „Ich habe immer über 100 Garnituren aufgestellt – und das hat bei weitem nicht gereicht.“ Viele Jahre lang lud der AKUV zu Heimatabenden und die damals bestehende, vereinseigene Musikgruppe spielte ordentlich auf.

Heute ist das nicht mehr so. Doch ihre Traditionstermine halten die AKUV-Mitglieder noch immer aufrecht: Beim Gillamoosauszug oder Bürgerfest darf der Verein nicht fehlen. Zu erkennen ist der Arbeiter-Kranken-Unterstützungsverein an seiner feschen Tracht, die aufwendig entwickelt wurde. Von Tracht darf aber nicht gesprochen werden, klärt der Vorsitzende auf: „Das ist das Abensberger Gewand, wie wir dazu immer sagen.“ Ein Denkmalpfleger hatte den AKUV beraten und das Gewand entworfen. In Blau und Rot gekleidet sind die Mitglieder dabei immer ein wahrer Blickfang.

Beliebt ist zudem die Adventsfeier, zu der der AKUV immer alle Mitglieder im Alter über 63 Jahren einlädt. „Das war das Rentenalter, und wir halten daran fest“, erklärt Vorsitzender Fischer. Für alle Mitglieder werden im Vorfeld kleine Geschenkpakete vorbereitet, die dann verteilt werden. „Das ist immer jede Menge Arbeit“, sagt Fischers Frau Resi. Sie gehört ebenfalls der Vorstandschaft des Vereins an – und unterstützt ihren Mann mit aller Kraft. Die 54-jährige Tochter Resi März wurde von den Eltern ebenfalls ins Vereinsgeschehen eingebunden – und fungiert aktuell als zweite Vorsitzende. Arbeit steht in dem knapp 450 Mitglieder zählenden AKUV immer an. „Es ist ein relativ alter Verein, viele Mitglieder sind um die 65 Jahre alt“, berichtet Fischer.

Am Wochenende ist es exakt 140 Jahre her, dass der AKUV gegründet wurde. Und diesen Termin hat der Verein zum Anlass genommen, ein Fenster im Kreuzgang zu stiften. Das wird pünktlich zur Feier am Sonntagnachmittag fertig. Dies sei ein bleibender Wert, sind Alois und Resi Fischer überzeugt. Mit Mitgliedern, die beim Verein immer helfend mit anpacken, wird die Einweihung des Fensters anschließend gefeiert. „Es ist auch ein Andenken an den Verein, um diesen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“, betont Resi. Das sieht auch ihr Gatte so.

Ihm bereitet die Zukunft des Vereins zunehmend Sorgen: Immer weniger Mitglieder erklärten sich bereit, in der Vorstandschaft Verantwortung zu übernehmen. Mit seinen 78 Jahren sei er nicht mehr der Jüngste. „Wir bekommen die Leute und Helfer immer schwerer zusammen“, sagt Fischer. Sollte sich keine neue Vorstandschaft mehr finden, müsste der Verein aufgelöst werden.

Ein Plan steckt in der Schublade

Auch für diesen Fall hat Fischer, der für sein Engagement mit der Ehrennadel des Bayerischen Ministerpräsidenten ausgezeichnet ist, einen Plan in der Schublade: „Sollte es den Verein einmal nicht mehr geben, dann soll das Vermögen in eine Stiftung übergehen.“ Diese könnte dann etwa die Adventsfeier der Senioren mitfinanzieren. Doch darüber möchte sich der rüstige Senior momentan noch keine Gedanken machen. Nun steht erst einmal die kleine Jubiläumsfeier am Sonntag um 16 Uhr an. Mit einem Rückblick auf 140 Jahre Geschichte, symbolisiert auch in dem Fenster, das der Abensberger Künstler Johannes Rohen unentgeltlich entworfen hat.

Das gestiftete Fenster

  • Die Darstellung:

    Aufgrund von Missernten in den Jahren 1762 und 1763 und einer Viehseuche im Jahr 1764 gründeten Bauern aus Abensberg und dem Umland am 28. Februar 1765 als christliche Vereinigung die Bauernbruderschaft. Patrone sind die Bauernheiligen Isidor und Wendelin.

  • Nach der Säkularisation

    im Jahr 1803, mit zunehmender Industrialisierung, entstanden im Lauf des 19. Jahrhunderts vermehrt Selbsthilfeorganisationen der Arbeiterschaft.

  • In Abensberg

    wurde am 14. Dezember 1874 der Arbeiter-Kranken-Unterstützungsverein Abensberg e.V. gegründet.

  • Der Entwurf

    stammt von Johannes Rohen. (mz/dt)

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