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Havarie

Dramatische Stunden für die Retter

Am 19. Juni verunglückt das Kreuzfahrtschiff „Tor“ auf der Donau bei Bad Abbach. Gott sei Dank wird niemand verletzt.
Von Gabi Hueber-Lutz

Mit der Drehleiter wurden die Touristen geborgen.
Mit der Drehleiter wurden die Touristen geborgen. Foto: Archiv Hueber-Lutz

Bad Abbach.Flusskreuzfahrten boomen. Immer wieder ist aber auch von Unfällen mit diesen schwimmenden Hotels zu hören. Sonntag, 19. Juni: Mehrmals hintereinander heulen in den frühen Morgenstunden Sirenen. Eine große Anzahl an Einsatzkräften wird alarmiert, denn an der Eisenbahnbrücke in Poikam ist ein Kreuzfahrtschiff verunglückt. Es ist die „Tor“ der schweizerischen Reederei Viking. 186 Passagiere und 51 Crewmitglieder sind an Bord. Die Donau ist relativ hoch zu dieser Zeit. Unter Umständen ist das der Grund, warum das Schiff außer Kontrolle geriet, die Durchfahrt durch die Eisenbahnbrücke bei Poikam nicht gelang, der Schiffskörper sich querlegte und gegen die Eisenbahnbrücke prallte. Nur knapp 200 Meter weiter donauabwärts beginnt der Kanal und ein Wehr führt über den Fluss.

Die amerikanischen und kanadischen Passagiere werden auf ihrer Fahrt Richtung Regensburg an diesem Sonntagmorgen sehr unsanft geweckt. Doch sie haben Glück im Unglück. Sie sind nicht in akuter Gefahr. Das gut hundert Meter lange Kreuzfahrtschiff ist nicht manövrierfähig, aber stabil, und die Evakuierung der Menschen kann in aller Ruhe vonstattengehen. Auch wenn die Fenster des untersten Decks zum Teil unter Wasser liegen, halten sie dem Druck der Fluten doch Stand.

Boote sind rund um die Unfallstelle im Einsatz, um eventuelles Treibgut abzufangen, das Schäden am Schiff anrichten und damit die Menschen in Gefahr bringen könnte. Mehrere Feuerwehren sind an der Unfallstelle, Rettungskräfte, das THW, die Wasserwacht. Die Zusammenarbeit funktioniert reibungslos. Auch der Rettungshubschrauber Edelweiß 5 wird gerufen. Kreisbrandrat Nikolaus Höfler ist ebenso anwesend wie der Leiter der Polizeiinspektion Kelheim, Erich Banczyk. Der Landrat Dr. Hubert Faltermeier ist zur Unfallstelle geeilt, Bad Abbachs Bürgermeister Ludwig Wachs und sein Kelheimer Kollege Horst Hartmann. Die Rettungskräfte sind beidseits der Donau positioniert und arbeiten an einem Plan zur Bergung von Passagieren und Schiff.

Ein Teil der Touristen wird auf dem Wasserweg evakuiert, ein anderer Teil über ein Einsatzfahrzeug mit Drehleiter und Rettungskorb. Sie werden mit Feuerwehrfahrzeugen nach Kelheim in das dortige Feuerwehrhaus gebracht und versorgt. Die Passagiere nehmen die Evakuierung offensichtlich gelassen hin. Nur ganz wenige schleppen ihre Koffer mit, die meisten haben nur eine Tasche dabei und lassen ihr Gepäck auf dem Schiff.

Experten der Reederei, der Wasserschutzpolizei und des Wasserwirtschaftsamts zerbrechen sich derweilen die Köpfe, wie die Bergung des Schiffs zu bewerkstelligen sei. Nach Bekanntwerden des Unglücks kommen viele Menschen nach Poikam, um sich vom Donauufer oder der Brücke über das Wehr den gestrandeten Riesen aus nächster Nähe anzusehen.

Eine Zeit lang ist das möglich. Am Nachmittag wird jedoch rund um die Unfallstelle abgesperrt, denn die Bergung des Schiffs beginnt. Alle Ballasttanks des Kolosses werden entleert und das Wasser mit Hilfe des Wehrs künstlich angestaut, so dass die „Tor“ Auftrieb erhält. Im zweiten Anlauf gelingt das Vorhaben. Ein Schlepper bringt die „Tor“ zurück in die Fahrrinne. Von dort aus kann sie sich mit eigener kraft bewegen. Gegen 16 Uhr liegt sie schließlich vor Anker.

Die Passagiere können ihre Urlaubsreise aber nicht mit der „Tor“ fortsetzen. Ein Innenschott ist beschädigt und das Schiff muss gründlich untersucht werden. Für die zahlreichen Urlauber geht es – zunächst – auf dem Landweg weiter.

Havarien auf Donau und Kanal

  • Donau bei Poikam:

    Sie wurde schwimmenden Riesen nicht zum ersten Mal zum Verhängnis. Im September 2000 hing zum Beispiel ein Lastkahn an der Eisenbahnbrücke fest. Im Juli 2014 wurden Donau und Eisenbahnbrücke gesperrt, weil ein Schubverband nahe der Schleuse aufgelaufen war. Und im Juni dieses Jahres strandete die Viking „Tor“ an der Eisenbahnbrücke.

  • Viking:

    Zum Teil erhebliche Unfälle ereigneten sich in letzter Zeit mit Viking Schiffen. Einen Tag vor der Havarie der „Tor“ rammte die „Bragi“ bei Riedenburg im Nebel die Sankt-Anna-Brücke, die zu dieser Zeit wegen Bauarbeiten eingerüstet war. Verletzt wurde damals, ebenso wie bei dem Unfall bei Poikam, niemand. Anders bei einem Unfall der „Freya“ bei Erlangen im September des Jahres 2016. Zwei Besatzungsmitglieder kamen ums Leben, als das Fahrerhaus des Kreuzfahrtschiffes eine Brücke rammte. (lhl)

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