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Crash

Schiffshavarien geben noch Rätsel auf

Das Riedenburger Hindernis war bekannt, wurde über Radar angezeigt. Die Reederei hat indessen eine Unfallserie hinter sich.
von Benjamin Neumaier und Beate Weigert

  • Noch am späten Sonntag Nachmittag wurde die „Viking Tor“ freigeschleppt. Sie muss nach Linz in die Werft. Foto: Feuerwehr Abensberg
  • Durch die Kollision mit dem Gerüst an der St. Anna-Brücke wurde das Sonnendeck der „Viking Bragi“ quasi abrasiert. Foto: Weigert
  • Das Sonnendeck der „Dragi“ wurde quasi abrasiert. Foto: Weigert

Bad Abbach.Zwei Schiffsunfälle innerhalb von gut 24 Stunden, innerhalb eines Landkreises, von derselben Reederei und dazu noch mit ähnlichem Verlauf. Das gibt es wohl sehr selten. So ist es aber am Wochenende passiert. Die „Viking Bragi“ rammte in der Nacht zum Samstag ein ins Wasser ragendes Baugerüst an der St. Anna-Brücke in Riedenburg, die „Viking Tor“ geriet auf der Donau außer Kontrolle und prallte querliegend gegen die Eisenbahnbrücke in Poikam (wir berichteten).

Personen wurden dabei keine verletzt, der Sachschaden ist jedoch beträchtlich, geht wohl in die Millionen. Genaue Schäden müssen nun Experten sowohl an den Brücken, als auch an den Schiffen nachprüfen. Noch am Sonntag war die in Riedenburg havarierte „Viking Bragi“ von einem Gutachter unter die Lupe genommen worden. Demolierte Positionslampen wurden neu angebracht, Radar und anderes technisches Gerät überprüft. Am Ende wurde das Fluss-Kreuzfahrtschiff für fahrtüchtig befunden. Unter Tags darf das Kabinenschiff fahren. Es ist inzwischen auf dem Weg nach Linz in die Werft. Zunächst musste die 135 Meter lange „Bragi“ rückwärts den Main-Donau-Kanal bis zur Kelheimer Hafeneinfahrt „zu Tal“ fahren. Dort konnte gewendet werden, heißt es am Montag vom zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Nürnberg (WSV).

Auch die „Viking Tor“ ist wieder fahrtüchtig – zumindest vorübergehend. Sie wurde im Laufe des Sonntagnachmittags durch ein Schubschiff geborgen. Nach künstlichem Anstauen des Wassers konnte das querliegende Schiff im zweiten Anlauf in die Fahrrinne gezogen und dann mit eigener Maschinenkraft stillgelegt werden. Anschließend erfolgte die Entladung des Gepäcks der Reisenden und eine vorläufige Begutachtung. Festgestellt wurde dabei ein beschädigtes Innenschott. Das Schiff wurde nach Regensburg verlegt, wo die entsprechende Reparatur durchgeführt wird. Danach erfolgt eine routinemäßige Leerfahrt bis Linz und das Schiff wird einer Landrevision unterzogen. „Es geht darum, mögliche Schäden am Schiffsrumpf zu untersuchen“, sagte Hans Kerber vom WSV.

Das Video der Feuerwehr Abensberg zeigt die „Tor“ in ihrer misslichen Lage aus der Luft

Die FF Abensberg klärt aus der Luft auf.mp4

Beide Schiffe müssen in die Werft

Über die Schadenshöhe können derzeit noch keine genauen Angaben gemacht werden, sagte Thomas Bogler, Vice-President bei Viking River Cruises: „Beide Schiffe, die Tor und die Bragi, müssen nach Linz in die Werft, dort werden sie inspiziert. Bei der Tor ist es eine Maßnahme, um sicherzugehen, dass keine Schäden übersehen wurden. Ich gehe aber davon aus, dass sie termingerecht ihre nächste Reise nach Budapest antreten kann.“ Anders ist die Lage bei der „Bragi“. Das Sonnendeck ist stark beschädigt, Bogler geht von einer etwa 14-tägigen Reparatur aus. „Für die aktuellen Passagiere der Bragi ist schon ein Ersatzschiff eingesetzt“, sagte er.

Neu sind derlei Nachrichten für die schweizer Reederei nicht: Googlet man Viking Cruises, scheinen mehrere Unfallmeldungen auf. „Viking Sun baut schon wieder einen Unfall: Festgefahren in Straßburg“, „Erneut Viking-Unfall: diesmal Viking Bragi am Rhein“ oder „Erneut Flussschiff-Unfall: Unglücksserie bei Viking“ ist auf diversen Internetseiten zu lesen. Besonders 2013 war das Unternehmen in den Medien präsent: „Anfang September musste die Viking Aegir auf dem Main einem Frachtschiff ausweichen und geriet dabei in die Uferböschung, Sachschaden 50 000 Euro, ein Passagier wurde verletzt. Gleich in drei Unfälle war im September die Viking Forseti verwickelt, bei einem davon wurde bei Forchheim eine Oberleitung beschädigt, Schaden hier insgesamt 80 000 Euro sowie eine mehrstündige Sperrung einer Autobahn“, schrieb Franz Neumeier auf www.cruisetricks.de (2.10.2013).

Das Video von Reporter Heiner Stöcker zeigt die Bergung der „Tor“. Kreisbrandrat Nikolaus Höfler zieht sein Fazit.

Retter bergen Passagierschiff bei Bad Abbach.mp4

Daten-Blog des Schiffs auslesen

Auf www.schiffe-und-kreuzfahrten.de war am 12. November 2013 zu lesen: „Viking River Cruises ist aktuell absoluter Spitzenreiter im Unfälle bauen auf dem Fluss, dies ist bereits der sechste Unfall innerhalb von wenigen Monaten. Zuletzt hat genau die hiesige Viking Sun einen Ponton gerammt, die Schäden sieht man noch heute am Bug.“ Thomas Bogler wiegelt ab: „Wir bauen nicht mehr Unfälle – die auch von anderen Wasserfahrzeugen ausgehen – als andere Schifffahrtsunternehmen auch. Außerdem zählt unsere Flotte 63 Schiffe –angesichts dessen ist unsere Unfallstatistik keineswegs dramatisch hoch und es ist schon gar keine Serie. Unsere Mitarbeiter werden jährlich in Sicherheitstrainings geschult.“

Güterschiff „gestrandet“

  • Auch in Saal

    war einem Schiffskapitän am Wochenende das Glück nicht hold.

  • Am frühen Samstagmorgen

    wollte der 53-jährige Schiffsführer eines ungarischen Frachtschiffs vom Hafen Kelheim in Richtung RMD-Kanal ausfahren. Durch die starke Strömung drehte sich das Schiff zu Tal und kam am rechten Ufer zu liegen. Durch einen ausgebrachten Anker und eine Heckleine konnte die Besatzung das Schiff, das nicht mehr aus eigener Kraft vom Ufer wegkam, sichern. Ob oder in welcher Höhe an dem Güterschiff ein Sachschaden entstanden ist, lässt sich derzeit noch nicht sagen, teilt die Polizei mit.

Zu den aktuellen Unfallhergängen wollte sich Bogler indes noch nicht äußern: „Wir werden das Daten-Blog der Führerkabinen auswerten und Gespräche mit den Verantwortlichen führen – in zwei bis drei Tagen wissen wir mehr.“ Das Wetter – es war neblig – habe aber zumindest im Fall der gerammten St. Anna-Brücke eine Rolle gespielt. Dass dort in Form eines Gerüsts ein Hindernis die Fahrrinne verengt, sei bekannt gewesen, sagte Marko Ruszczynski vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt, „zumindest wurde es von uns kommuniziert.“ Außerdem war die verengte Fahrrinne durch Radarreflektoren auf Bojen markiert. Das Signal wird in den Führerstand weitergegeben. Ob dieser Fakt auf menschliches Versagen hindeute, wollten weder Ruszczynski noch Bogler kommentieren.

Ob dem so ist, wird sich wohl ebenso in der Unfallaufarbeitung zeigen, wie die Schäden, die die Brücken genommen haben. An der Eisenbahnbrücke in Poikam ist nach ersten Erkenntnissen kein Schaden entstanden, anders bei der St. Anna-Brücke, sagt Ruszczynski: „Ein Gutachter, Ingenieur und Statiker prüfen das zerstörte Gerüst. Es wird ein Rückbaukonzept erstellt werden.“ Das Gerüst sei aber wohl so stabil, dass es nicht von alleine in den Kanal krachen werde. „Allerdings ist die Brücke für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt. Die Brückenlager sind zwar funktionstüchtig, der Überbau der Brücke aber noch nicht einsehbar – Schäden sind daher nicht auszuschließen.“

Wie das Schiff „Tor“ in seine missliche Lage kam, lesen Sie hier

Und wie die Bergung lief lesen Sie hier

Mehr Bilder vom Einsatz der Rettungskräfte bei Poikam sehen Sie hier:

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