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Im grünen Reich der Hopfenbauern

Die Hallertau ist die größte Hopfenanbauregion der Welt. Die Pflanzer werden weniger – ihre Liebe zum Hopfen aber nicht.
Von Katia Meyer-Tien, MZ

Anfang August verbringt Wolfgang Metzger jede freie Minute in seinen Feldern und kontrolliert seine Pflanzen auf Schädlinge und Mehltau.
Anfang August verbringt Wolfgang Metzger jede freie Minute in seinen Feldern und kontrolliert seine Pflanzen auf Schädlinge und Mehltau. Foto: kmt

Biburg.Der Hopfen will seinen Herrn jeden Tag sehen, sagen sie in der Hallertau, aber wer sich mit Wolfgang Metzger unterhält, der hat schnell den Verdacht, dass die Sehnsucht umgekehrt mindestens genauso groß ist. Gelassen erzählt der Hopfenpflanzer von seinem Handwerk, das vor ihm schon sein Vater und vor dem schon dessen Vater gelebt haben, aber immer wieder schimmert Freude durch seine ruhigen Worte. „Der Hopfen“, sagt er, „ist einfach immer interessant“.

Und schön ist er, momentan ganz besonders. Sieben Meter hoch recken sich die Ranken an den straff gespannten Drähten in den Himmel, in langen Reihen rund um das gemütliche Haus der Familie Metzger in Biburg im Landkreis Kelheim und weit darum herum. An einigen Pflanzen hängen schon grüne Dolden, anderen blühen noch: Jetzt, Anfang August, ist eine sensible Zeit für die Hopfenpflanzer. Wenn es jetzt hagelt oder stürmt, sich Parasiten einnisten oder Mehltau bildet, kann in kürzester Zeit alles vorbei sein. Jede freie Minute verbringt Metzger jetzt in seinen Feldern und kontrolliert Blätter und Blüten, damit er im Fall der Fälle schnell reagieren kann. Sommerurlaub? Unmöglich.

70 Hektar bewirtschaftet Metzger momentan, 4000 Pflanzen pro Hektar, er ist einer der größten Produzenten in der Region. Was auch daran liegt, dass immer weniger Hopfenpflanzer gibt. In den 1950er Jahren, erzählt Metzger, gab es in der Gemeinde noch mehr als 100 Hopfenpflanzer. Heute seien es noch acht. Allein im vergangenen Jahr haben in der Hallertau 16 Betriebe aufgegeben. Gleichzeitig steigt die Anbaufläche, bundesweit im vergangenen Jahr um vier Prozent auf 18 600 Hektar: Der Anbau lohnt sich heute nur noch mit großem Gerät auf großer Fläche. So ist es einsam geworden auf den Feldern. Wo er früher immer mal jemanden auf einen Ratsch traf, ist Wolfgang Metzger heute allein, nur er und der Hopfen.

Hightech zum Pflücken

Als er 2008 den Hof von seinem Vater übernahm, musste auch er entscheiden, wie die Zukunft des Betriebes aussehen sollte. Ganz früher hatten sie einen Hektar Hopfen, 20 Schweine und acht Kühe. In den 70er Jahren kamen die Kühe weg und die Familie errichtete eine neue Mastanlage für 300 Schweine, die Hopfenfläche wuchs auf zehn Hektar, 1990 kamen noch einmal 15 Hektar dazu. Damals schien das als das maximal mögliche, doch die Technologie entwickelte sich rasant, die Maschinen zum Pflücken und Trocknen des Hopfens wurden immer besser, und 2008 beschloss Metzger, die Schweinezucht ganz aufzugeben und sich nur noch dem Hopfen zu widmen. Seither ist es der Hopfen allein, der seinen Jahresrhythmus bestimmt. Das Drahtspannen im Januar und Februar, das Anpflanzen und Andrahten im März: Bei jeder Pflanze suchen sie die drei kräftigsten Triebe aus, die dann um den Draht gewickelt werden. Das Bangen um das Wetter, der Hopfen mag mitteleuropäisch nass-warmes Wetter, lange Hitzeperioden wie im Sommer 2015 bekommen ihm nicht. Die Ernte im August, bei der Tage über Gewinn oder Verlust entscheiden können, denn wenn die Dolden zu früh geerntet werden, haben sie ihr Aroma noch nicht entwickelt, stehen sie zu lange, schlägt das Aroma um. In Knoblauch oder Zwiebelgeruch, zum Beispiel. Dann beginnt wieder das Roden und Ausbessern.

Und die Verhandlungen mit den Handelshäusern. Binnen Tagen muss Metzger sich da festlegen, welchen Vertrag für welche Hopfensorte und welche Liefermenge zu welchem Preis er unterschreiben will. Das ist besonders spannend bei den neuen Hopfensorten, die Metzger momentan auf etwa sieben Hektar ausprobiert. Entscheidet er sich da für eine Sorte, die nach der Vertragslaufzeit von fünf oder sieben Jahren nicht mehr nachgefragt wird, muss er die ganze Fläche wieder roden, statt die Pflanzen wie sonst etwa 15 Jahre stehen zu lassen. „Pokerspiel“, sagt Metzger. Und lächelt wieder.

Lange Hitzeperioden bekommen dem Hopfen nicht: Wolfgang Metzger begutachtet die grünen Dolden.
Lange Hitzeperioden bekommen dem Hopfen nicht: Wolfgang Metzger begutachtet die grünen Dolden. Foto: kmt

Neue Hopfensorten für US-Markt

Die neuen Hopfensorten – momentan steht auf Metzgers Feld unter anderem der „Mandarina Bavaria“ - liefern die Handelshäuser hauptsächlich in die USA, wo der Craft-Beer-Markt boomt. In Deutschland ist der Markt für solche Flavour-Hopfen noch klein, aber die Heimat ist für deutsche Hopfenpflanzer ohnehin kein allzu bedeutender Markt: 70 Prozent der Ernte gehen in den Export, damit deckt Deutschland rund ein Drittel des weltweiten Hopfenbedarfs.

Bauern rechnen mit guter Ernte

Und trotz der stärker werdenden internationalen Konkurrenz läuft das Geschäft gut, die Preise sind zuletzt wieder gestiegen, und für dieses Jahr rechnet der Verband der Deutschen Hopfenpflanzer mit einer durchschnittlich guten Ernte von 36.000 Tonnen in ganz Deutschland. Kein Wunder, dass Wolfgang Metzger, auf die Frage, wie es ihm beim Anblick seiner Hopfenfelder geht, nur wieder leise lächelt. „Gut“, sagt er dann.

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