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Der Wald ließ die Kinder wachsen

Im Herbst startete der Waldkindergarten bei Kelheim mit fünf Kindern. Für das nächste Jahr gibt es schon eine Warteliste.
Von Renate Beck

Seit knapp einem Jahr gibt des den Waldkindergarten im „IhrKel“-Wald. seitdem haben die Kinder viel erlebt und gelernt. Auch Fußballspielen. Foto: Renate Beck
Seit knapp einem Jahr gibt des den Waldkindergarten im „IhrKel“-Wald. seitdem haben die Kinder viel erlebt und gelernt. Auch Fußballspielen. Foto: Renate Beck

Ihrlerstein.Sie sind gewachsen – nicht nur an Größe, sondern auch an Erfahrungen. Bei Herbststürmen, schneebedeckten Fichten, ersten Frühlingsboten und sommerlicher Hitze erlebten die Kleinen die vier Jahreszeiten. Stellvertretend für die anderen Kindergärten des Landkreises begleitete sie die Mittelbayerische durch ihr erstes Kindergartenjahr im Frauenforst.

Im zarten Alter von drei Jahren formten sie Matschknödel, zählten Muggelsteine und kletterten auf Bäume. Moritz Lehmann feierte inzwischen seinen vierten Geburtstag. Bis zum Frühjahr besuchte er einen Regelkindergarten. „Wir haben gewechselt, weil es für ihn genau das Passende hier ist“, erzählt seine Mama, die ihn am Sammelpunkt mit Wartehäuschen in den Kindergartentag verabschiedet. Er sei seitdem viel ausgeglichener geworden. Obwohl er den ganzen Vormittag im Wald verbringt, bewegt er sich auch nachmittags noch gerne in der Natur.

Moritz Lehmann drückt seine Mama, bevor er mit den Kindergartenfreunden und Erzieherinnen in den Abenteuerspielplatz Wald marschiert. Foto: Renate Beck
Moritz Lehmann drückt seine Mama, bevor er mit den Kindergartenfreunden und Erzieherinnen in den Abenteuerspielplatz Wald marschiert. Foto: Renate Beck

Im September 2018 eröffnete der neue Waldkindergarten beim Frauenhäusl. Er ist ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde Ihrlerstein und der Stadt Kelheim auf einem Grundstück im „IhrKel“-Wald, das die Bayerischen Staatsforsten kostenlos zur Verfügung stellt Träger dieser Einrichtung ist das Bayerische Rote Kreuz (BRK). Eltern von fünf Kindern nutzten die Gelegenheit, ihren Nachwuchs ohne „Überdosis Spielzeug“ mitten im Wald für den Kindergarten-Besuch anzumelden. Im Frühjahr kamen weitere Kinder dazu. Für das kommende Kindergartenjahr gibt es bereits eine Warteliste.

Ein großer Spielplatz ohne Dach und Wände

Ein bisschen kühl ist es am Morgen unseres Besuches. Auf dem gemeinsamen Weg Richtung Schutzhütte spitzt die Sonne durch das Blätterdach. Bunte Girlanden schweben von Baum zu Baum. Eine Hängematte hängt zwischen zwei Bäumen. Blitzschnell wickeln sich zwei Jungs darin ein. „Wir sind die Raupen des Eichenprozessionsspinners“ ruft einer der Beiden den Anwesenden zu. Sie kennen die von ihm ausgehende Gefahr; „Aber wir haben so einen noch nicht gesehen. Nur am Handy“, bekennt Maximilian und fordert seinen Partner zu schnellerem „Wackeln“ auf.

Hier lesen Sie ein Interview mit Susanne Mic vom Waldkindergarten:

Interview

Die Angst vor der Natur ist groß

Vieles, was mit Wald und Wildnis zu tun hat, stecken Erwachsene heute oft in die Gefahrenecke, sagt Susanne Mic. Zu Unrecht.

Sisa zeigt stolz zwei Kieselsteine und versichert: „Das sind Drachenzähne“. Sie reibt die beiden aneinander, hebt sie hoch Richtung Erwachsenennase und bittet: „Rich mal dran. Es riecht nach Schwefel.“

Erzieherin Susanne Mic sitzt mit einem Kind auf der Veranda der Schutzhütte. Vor ihnen liegt eines ihrer ständigen Begleiter durch das Kindergartenjahr: ein Bestimmungsbuch mit Bilder und Beschreibungen von Flora und Fauna. „Da - den haben wir hier entdeckt“ ruft der neugierige Knirps und zeigt auf ein Bild mit einem roten Käfer. „Das ist der gemeine Rothalsbock. Der kommt in Fichtenwälder vor“ erklärt die langjährige Naturpädagogin und Erzieherin.

Hier lesen Sie, wie es den Waldkindern im Winter erging.

Für sie ist es beruflich das erste, aber auch das letzte Jahr im IhrKel-Wald. Die 58-Jährige wechselt in einen Waldorfkindergarten. „Der Abschied fällt mir schwer, aber das neue Angebot war zu verlockend. Hinter dem Waldkindergarten stehe ich aber nach wie vor. Nachfolge kommt.“

„Wichtig ist für uns beide die Bindung zum Kind“

Monika Heckmeier-Walk, Kindergartenleiterin

Kindergartenleiterin Monika Heckmeier-Walk bleibt. Sie ist angekommen in Kelheim. Beruflich und privat. „Bis 18. August habe ich in Pfaffenhofen gearbeitet und bin dann nach Kelheim gezogen. Ich war gespannt auf das Konzept“ erinnert sie sich. Ohne vorgefertigtes Programm zu starten war für sie ein großer Reiz.

„Die Aufbauarbeit war sehr spannend.“ Sie schätzt den Austausch mit der Kollegin. „Wichtig ist für uns beide die Bindung zum Kind.“ Sicherheit zu geben, Grenzen und Orientierung zu setzen - „das ist wichtig für ein Kind auf dem größten Spielplatz ohne Dach und Wände“. Durch ihre eigenen vier Kinder weiß sie, wie wichtig auch die Vorbereitung für die Schule und die Selbstständigkeit ist.

Hier sehen Sie ein Video zum Thema:

Das erste Jahr im Kelheimer Waldkindergarten geht

Natur im Kindergarten als Schwerpunkt

„Auch ein Miteinander ist wichtig. So wächst man – auch zusammen.“ Dabei denkt sie auch an andere Kindergärten. Den vergangenen Besuch in der Kita Maria Himmelfahrt haben sie und die Kindern in guter Erinnerung. „Von diesem Miteinander können alle profitieren. Jeder hat seine Schwerpunkte.

Auch hämmern und sägen will gelernt sein. Foto: Renate Beck
Auch hämmern und sägen will gelernt sein. Foto: Renate Beck

Wir haben den mit der Natur im Kindergarten.“ Die gegenseitigen Besuche scheinen den Kindern Spaß zu machen. Ob es ihnen, den Kindern, in ihrem Wald gefällt? Ein lautes „Ja“ lässt keine Zweifel offen. Aus der Werkstatt hört man ein Hämmern. Maximilian fertigt ein Schild und eine Pistole an. Sein Freund versucht sich an der Säge.

Hier lesen Sie, wie der Frühling Einzug im Waldkindergarten hielt.

Für eine große Überraschung sorgte kürzlich ein lautes Quaken am Libellenweiher. Im Frühjahr versuchten die Kinder dort mit fachkundiger Hilfe Froschlaich aus dem sinkenden Wasserstand zu retten. Später waren die glibberigen Ballen aber nicht mehr zu finden. „Wir dachten, die Enten haben ihn gefressen“, erzählt die Kindergartenleiterin. Während sie kürzlich an diesem Weiher ihre Brotzeit auspackten, machte es plötzlich ganz laut „quack, quack...“. So wie die Kinder werden wohl auch die jungen Frösche im IhrKel-Wald weiterhin viel erleben.

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