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Zeitgeist

Die Männer sind auf der Suche

Die katholischen Männervereine Bayerns trafen sich in Bad Abbach. Sie kämpfen mit dem hohen Altersdurchschnitt.
Von Gabi Hueber-Lutz

Dr. Günther Denzler (vorne) ist der Vorsitzende des Landesverbands katholischer Männergemeinschaften in Bayern Foto: lhl
Dr. Günther Denzler (vorne) ist der Vorsitzende des Landesverbands katholischer Männergemeinschaften in Bayern Foto: lhl

Bad Abbach. Am Wochenende traf sich die Versammlung des Landesverbands Katholischer Männergemeinschaften in Bayern im niederbayerischen Bad Abbach. Ein Kirchenzug führte die 82 Delegierte aus den Bistümern Regensburg, Eichstätt und Augsburg und den Erzbistümern München und Freising, sowie Bamberg in die Kirche zur Heiligen Familie. Dort feierten sie mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer Gottesdienst.

Der Bischof nutzte die Gelegenheit, um den Delegierten ein „herzliches Dankeschön“ auszusprechen. Sei es „für ihre Bildungsarbeit, für die Förderung des Zusammenhalts oder für die gelebte Praxis des Glaubens“. Viele Delegierte sind in ihren Pfarreien ehrenamtlich engagiert. Die Kirche habe mit mangelnder Akzeptanz und Glaubensverlust zu kämpfen, sagte der Bischof in seiner Predigt. Die steigenden Austrittszahlen seien ein erschreckendes Beispiel dafür. Er forderte die Männer auf, mit einem flammenden Glaubenszeugnis andere anzustecken. Dr. Günther Denzler ist der Landesvorsitzender der Katholischen Männergemeinschaften. Im Gespräch mit unserer Zeitung beleuchtete er die Entwicklung und die gegenwärtige Situation der Männergemeinschaften in der katholischen Kirche.

Sie sind in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden und waren eine Reaktion auf den Versuch des säkularen Staates, alles Religiöse zu verbannen. 1903 gründete sich der Landesverband. Hundert Vereine mit über 20 000 Mitgliedern gab es nach dem Ersten Weltkrieg. Die Männervereine seien damals sehr einflussreich gewesen, berichtet Dr. Denzler. Das änderte sich im Lauf der Zeit, denn unter den Nationalsozialisten waren die Vereinigungen verboten.

Reaktivierung war schwierig

Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte man sie reaktivieren. Zu diesem Zeitpunkt begann aber die Bewegung der Frauenemanzipation. Männervereine erreichten nie mehr den Einfluss, den sie vorher hatten, stellte Dr. Denzler fest. Das zeige sich auch im alltäglichen Leben der Kirche. Männer stünden zwar als Priester an der Spitze der Pfarrei. „Das religiöse Leben in den Ortschaften wird aber überwiegend von Frauen gestaltet“, beschreibt der Vorsitzende die gegenwärtige Situation. Auch habe sich die Rolle des Mannes generell grundlegend geändert. Außerdem stünden Männer transzendentalen Bezügen eher hilflos gegenüber und redeten nicht so gern über ihr Innenleben. Deshalb müsse man gemeinsam nach neuen Glaubensformen suchen, die für Männer ansprechend sind. „Wir versuchen, mit der Kirche gemeinsam die Männer anzusprechen.“

Die Männergemeinschaften

  • Zahlen

    Der Landesverband der katholischen Männergemeinschaften in Bayern hat aktuell 5300 Mitglieder. Insgesamt 18 Männervereine gibt es in der Diözese Regensburg. In anderen Diözesen wie Würzburg und Passau gibt es keine mehr.

  • Bad Abbach

    Der Männerverein hat gegenwärtig 66 Mitglieder, wie sein Vorsitzender, Theodor Braun, sagte. Braun ist auch im Landesverband der Männergemeinschaften. (lhl)

Dabei begegnet man offensichtlich einem Phänomen. Der sogenannte „neue Mann“ suche zwar stärker als der traditionell agierende Mann nach dem Sinn des Lebens, so Dr. Denzler. Gleichzeitig sei er aber auch derjenige, der am öftesten aus der Kirche austrete. Die Suche nach neuen Wegen gemeinsam mit der Kirche gestalte sich deshalb ausgesprochen schwierig. Große Sorge bereite den Verantwortlichen auch der Altersdurchschnitt, wie er in Männervereinen zu finden ist. „Wir sind eindeutig überaltert“, bemerkte Dr. Denzler.

Ein Blick in die Zukunft ließ ihn an die Frauenseelsorge denken. Wer die Männerseelsorge ermutige, sei die Frauenseelsorge. Der Gedanke gehe dahin, die Frauen- und die Männerseelsorge in Verbindung zu bringen. Denn auch die Frauen würden merken, dass es leicht einseitig wird, wenn das Gegenüber fehlt.

Regensburg Hochburg

Neben der Diözese Bamberg ist Regensburg die zweite Hochburg der Männervereine in Bayern. Beim Gottesdienst anlässlich der Versammlung durfte Bischof Voderholzer ausnahmsweise einmal mehr Männer als Frauen in der Kirche begrüßen.

Den Gottesdienst feierte er in Konzelebration mit Landespräses Monsignore Wolfgang Witzgall, Domvikar Monsignore Harald Scharf, der in der Diözese für die Männerseelsorge zuständig ist, sowie Ortspfarrer Anton Dinzinger. Als Diakon fungierte der Lengfelder Walter Bachhuber, Leiter der Arbeitsstelle Männerseelsorge im Bistum Regensburg.

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