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Basteln

Einzelstücke aus der Weiberwerkstatt

In der Weiberwerkstatt werden nachhaltige Ideen umgesetzt. Die kreativen Bastlerinnen verbindet oft langjährige Freundschaft.
Von Renate Beck

  • Mit Nähmaschine, Bügeleisen, Bohrer und Hammer hauchen die kreativen Damen ausrangierten Materialien neues Leben ein. Fotos: Renate Beck

Saal.„Weiber“? Sagt man das heute noch? Eher nicht. Trotzdem nennt sich die aus knapp 30 Damen bestehende Bastelgruppe ganz selbstbewusst die „Weiberwerkstatt“. Deren Organisatorin Simone Pirthauer leitete vor mehreren Jahren bereits die Saaler Krabbelgruppe. Gemeinsam mit ihren kleinen Kindern zeigten sie sich schon damals kreativ. Aus der traurigen Feststellung „Jetzt können wir nicht mehr miteinander basteln“ heraus entwickelte sich vor sieben Jahren die Idee zu weiteren Treffen ohne Kinder.

Upcycling statt Mülltonne

„Der Name Weiberwerkstatt kam gleich bei allen sehr gut an“ erinnert sich die Organisatorin. Über die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) konnte die Gruppe die Räumlichkeiten der Saaler Schule nutzen. Dort treffen sie sich nun in zwei Gruppen aufgeteilt einmal pro Monat. Die Weiberwerkstatt entwickelte sich zu einer zusammengewachsenen Gruppe mit einer Warteliste für interessierte neue Mitglieder. Die verschiedenen Ideen zu den abendlichen Treffen kommen nicht nur von Simone Pirthauer, sondern mittlerweile auch von den langjährigen Teilnehmerinnen. Der Umgang mit Bohrmaschine, Akkuschrauber und Hammer ist ihnen genauso vertraut wie der mit Nähmaschine, Flachzange und Pinsel.

Moderne „Weiber„

Da sie moderne Weiber sind, drehen sich ihre Inspirationen derzeit rund um das Thema Nachhaltigkeit. Mit ihren Werken wollen sie der Umweltverschmutzung Paroli bieten. Aus Recyclinggarn häkelten und strickten sie bereits Taschen für den Einkauf und die Aufbewahrung. Eine ausgediente Jeans wegwerfen? Nein, das kommt für sie nicht in Frage. Kombiniert mit weiteren Stoffresten verwandelt sie sich zu einer Stofftasche, die sonst keiner besitzt. In ihren Gärten hängen an Bäumen und Sträuchern verteilt ausgemusterte Kaffeetassen, die mit selbst gemachtem Vogelfutter gefüllt sind. Kerzenreste wandern nicht in den Müll. Sie werden im Wasserbad eingeschmolzen und mit Kerzendocht oder Baumwollgarn neu gegossen. Als neue Gefäße nutzen sie auch hier Omas alte Tasse oder ein hübsches, leergefuttertes Marmeladenglas. Von einer Bekannten erhielt Simone Pirthauer eine Sammlung leerer Kaffeekapseln. Deren Verwendung mag umstritten sein; da sie aber nun mal angefallen sind, formte sie die kleinen bunten Behälter zu kleinen Engeln mit Drahtkörpern: Holzköpfe drauf, weiße Filzflügel angeklebt, goldene Kugeln als Hand und Fuß dran und fertig war die weihnachtliche Dekoration fürs Wohnzimmer.

Bienenwachstücher fertigen

  • Schmelzen:

    Eine Bienenwachsplatte (zum Beispiel vom Imker) in Stücken mit einem Teelöffel Kokosöl im Wasserbad schmelzen. Gut verrühren. Oliven- und Leinöl ist nicht geeignet, da es schnell ranzig wird. Als Gefäß hat sich eine alte Blechdose bewährt.
    Unter der heißen Bügeleisensohle wird nun das Wachs in den Stoff eingebügelt. Es wird dabei flüssig und verteilt sich im Gewebe. Papier abziehen – fertig. Auch ältere Wachstücher können auf diese Art wieder aufgearbeitet werden. Haltbar sind sie bis zu etwa einem Jahr.

  • Auftragen:

    Den auf die gewünschte Größe zugeschnittenen Baumwollstoff (zum Beispiel alte Kleidung) auf Backpapier oder Ähnliches legen und mit dem zerlassenen Bienenwachs einpinseln. Anschließend mit einem weiterem Backpapier belegen.
    Alternativ zu Plastik- und Alufolie können Schüsseln abgedeckt und die Brotzeit darin eingewickelt werden. Die eigene Handwärme formt die Wachstücher je nach Bedarf. Essensreste können mit warmen Wasser abgewaschen werden. Für Fleisch ist es nicht geeignet.

Ausgerüstet mit leeren Glasbehältern kauft die Mitterfeckingerin gerne in einem verpackungsfreien Laden ein. „Sollte trotzdem mal ein Tetrapack in meinen Haushalt gelangen, dann schneide ich ihn auf und fülle Erde und Samen zum Keimen ein“. Alternative Putzmittel stellt Silvia Kolb her. Die oftmals stark ätzenden Chemikalien „stören mich schon lange“. WC-Reiniger, Scheuermilch und Anti-Mückenspray wird sie zu einem späteren Zeitpunkt ihren Mitstreiterinnen vorstellen und gemeinsam mit ihnen anfertigen. Kritisch sehen die Mitglieder der Weiberwerkstatt auch den Plastikmüll. Die Pausenbrote ihrer Kinder und auch die Speisereste im Kühlschrank sollen künftig nicht mehr in Plastik- oder Alufolie verpackt werden, sondern in wiederverwendbaren Bienenwachstüchern. Die gibt es zwar auch zu kaufen, weil die Weiberwerkstatt aber gerne zusammen bastelt, trafen sie sich kürzlich in der Küche der Saaler Grund- und Mittelschule. Die Mittelbayerische hat ihnen dabei über die Schulter geschaut.

Verpackungsalternative fertigen

27 Herstellerinnen verteilten sich auf die Kochkojen in der Saaler Schulküche, um die antibakterielle, abwaschbare Verpackungsalternative zu fertigen. Heidi Schwörer kennt diese geschmeidigen Tücher bereits. Sie hat sich davon auch einen Brotbeutel genäht. „Sogar Brezen – ohne Salz – bleiben darin frisch“ betont die Mutter aus Buchhofen. „Meine darin eingewickelten Champignons waren sogar vier Tage später noch einwandfrei für den Pizzabelag.“

Basteln mit viel Spaß

Innerhalb kurzer Zeit duftete das im Wasserbad schmelzende Bienenwachs und Kokosöl. Fertig zurechtgeschnittene Stoffteile lagen auf einem Bogen Backpapier bereit, um zügig mit dem flüssigen Wachs eingepinselt zu werden. Ein weiterer Bogen Backpapier wurde darüber gestreift und die aufgebrachte Wachsschicht mit dem heißen Bügeleisen tief in den Stoff eingebügelt.

„Und, klappt’s?“, fragte Simone Pirthauer als Ideengeberin dieses Werkes in die Runde. „Du musst das noch besser einstreichen. Dann verteilt es sich besser“, riet eine andere Bastlerin. In einem Eck der Küche konnte man einige Flaschen Sekt entdecken. „Marion hat heute Geburtstag“ klärte eine der Damen lächelnd auf. „So eine Party hat nicht jeder“ schwärmte das Geburtstagskind. Gemeinsam basteln und quatschen die lustigen Weiber der Weiberwerkstatt nicht nur – gemeinsam feiern sie an diesem Abend auch Marions runden Geburtstag.

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