MyMz
Anzeige

Bildung

Ein Blick hinter Montessoris Türen

Im März lädt das neue Kinderhaus in Essing zum Tag der Offenen Tür. Andrea Rappl berichtet über Umbau und Einsatz der Eltern.
Von Petra Kolbinger

  • Von einander lernen heißt die Devise in der altersoffenen Gruppe. Foto: Kolbinger
  • Geschäftsführerin Andrea Rappl mit Bildern von den Arbeitseinsätzen. Foto: Kolbinger

Essing.Draußen herrscht tristes Grau; drin vermitteln freundliche Farben und viel Licht Wohlfühlatmosphäre. Seit September stehen dem Verein „Ganzheitliches Leben und Lernen, e.V.“ unter dem Dach des vor knapp einem Jahr von der Gemeinde Essing erworbenen Schulhauses in der Schulstraße 4 im Kinderhaus 27 Krippen- und Kindergartenplätze in gemischt altersoffener Gruppe zur Verfügung.

Das Einzugsgebiet erstreckt sich über den ganzen Landkreis, ist die Montessori-Schule in Essing doch die einzige kreisweit. Ab Saal können auch die Kindergarten- und Krippenkinder den Schulbus nutzen; eine Begleitperson ist an Bord und der Bus hält vor der Türe der Essinger Schule. Zwischenstopps, so ist beim Pressegespräch am Dienstag zu erfahren, können nach Bedarf organisiert werden. Das „Kinderhaus“ ist vom Landratsamt als Kinderkrippe und Kindergarten in privater Trägerschaft genehmigt und wird derzeit von acht Kindergarten- und zwei Krippenkindern besucht. Die Öffnungszeiten reichen von 7.30 bis 16 Uhr und Mittagskinder werden mit einem warmen Mittagessen in Bio-Qualität verpflegt.

Inmitten zahlloser Bälle

Das Konzept der altersoffenen Gruppe entspreche Maria Montessoris pädagogischem Motto, das da heißt: „Hilf mir, es selbst zu tun“ und das in großen Lettern an der Wand der Aula prangt. Ben ist mit gerade einmal dreizehn Monaten das Nesthäkchen und hat sich schon ein bisschen verausgabt; mit ein bisschen Schlagseite sitzt er inmitten zahlloser bunter Bälle und entspannt sich im Beisein seiner Mama ein wenig. Die ist während der Eingewöhnungsphase ihres kleinen Steppke mit in der Krippe und „schleicht sich schrittweise aus“, um Ben den Übergang zu erleichtern. Große Probleme scheint Ben mit der Eingewöhnung nicht zu haben, denn schon krabbelt er wieder über den Rand der Ballkiste und schaut, was im angrenzenden Gruppenraum gespielt wird.

Die glänzenden Glaslinsen, mit denen die großen Kindergartenkinder spielerisch den Zahlenraum erobern, haben es ihm angetan und er wird nicht ausgegrenzt: „Wir nutzen das Interesse des Kindes, um ihm passende Lernangebote zu machen. Wir wollen ihm nicht sämtliche Risiken aus dem Weg räumen – es wird allerdings genau drauf geachtet, dass das Spiel für das Kind sicher ist. In Bens Fall bedeutet das: die Erzieherin, Michaela Krüger, Praktikantin Claudia Plank und natürlich Bens Mama passen auf, dass er keinen der Glasnuggets in den Mund steckt und möglicherweise verschluckt.

Auch die größeren Kinder helfen dem Kleinen. „Es kann auch mal passieren, dass ein Teller zerbricht“, gibt Andrea Rappl, die Geschäftsführerin des Vereins „Ganzheitliches Leben und Lernen e.V.“ ein Beispiel. „Wir verwenden Porzellanteller, kein Plastik, und erziehen die Kinder zu einem achtsamen Umgang mit den Dingen.“ Und: Montessori bedeute mitnichten Freiheit ohne Regeln, sondern gerade die Verantwortlichkeit sei Basis für echte Freiheit. Montessori-Pädagogik, so erklärt man, setzt darauf, die in den Kindern angelegten Fähigkeiten zu sehen und in ihrer Entwicklung zu stärken. Dafür sei eine anregende Umgebung wichtig. Eine solche haben hier die Mitglieder der Schulfamilie, gemeinsam mit dem Architekten Gerhard Finger und mit Handwerksfirmen aus der Region während der Sommerferien 2014 für die Kleinsten geschaffen.

Viel Eigenleistung

Sie haben beherzt zu Hammer und Schaufel und zu Pinsel und Farbe gegriffen und den rund 150 000 Euro schweren Umbau quasi in Rekordzeit gestemmt. Durch Eigenleistung konnten mindestens 25 000 Euro eingespart werden, bilanzierte Andrea Rappl, als Projektkoordinatorin der Baumaßnahme. „Das Baustellenabschlussfest am 29. September 2014 war eine Punktlandung“, lachte Phoebe Ploedt, die pädagogische Leiterin der Essinger Einrichtung. „Die Letzten haben hinten noch fertig geweißt, als vorne die Ersten schon anfingen, zu feiern“. Schöner Nebeneffekt des Gemeinschaftsprojektes: „Das Zusammengehörigkeitsgefühl wurde enorm gestärkt“, stellt Rappl fest und gesteht, dass mit dem Umbau des Eingangsbereichs zum Kinderhaus längst nicht Schluss sei: „Wir planen für die nächste Zeit die energetische Sanierung des kompletten Schulhauses“.

Von Essing als Schul- und KiTa-Standort zeigten Rappl und Ploedt sich absolut überzeugt: „Neben den neu gestalteten Räumen im Schulhaus mit integriertem Kinderhaus, lädt die Natur hier zu tollen Ausflügen ein; eine Möglichkeit, von der wir rege Gebrauch machen!“

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht