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Historisch

Mit Kanal wurde „Jahrtausendtraum“ wahr

Vor 170 Jahren wurde der König-Ludwig-Kanal eröffnet. Eine Meisterleistung. Inzwischen ist er eine Touristen-Attraktion.
Von Franz Guttenberger

Die Schleuse 24 mit dem Schleusenwärterhaus gehört mit zu den besterhaltenen auf der Strecke. Das Haus wird heute vom Fischereiverein betreut.
Die Schleuse 24 mit dem Schleusenwärterhaus gehört mit zu den besterhaltenen auf der Strecke. Das Haus wird heute vom Fischereiverein betreut. Foto: Guttenberger

Essing. Am 15. August 1846 hatte König Ludwig I. die Wasserstraße zwischen Bamberg und Kelheim eröffnet. Die Stadt Berching erinnerte bereits vor 20 Jahren im Rahmen von Festwochen an diese verkehrstechnische Meisterleistung vor 170 Jahren.

Damals hat es in der Vorstadt ein historisches Bürgerfest der Superlative gegeben. Die Stadt und der Fremdenverkehrsverein hatten zusammen mit den Gastronomen, Vereinen und Bürgern das Jubiläum begangen. Viele nahmen ihre historischen Kostüme von der 1100-Jahr-Feier aus den Schränken und wirkten mit. Am Kanal wurde Treideln angeboten.

Mit dem König-Ludwig-Kanal war ein Jahrtausendtraum wahrgeworden, den bereits Karl der Große geträumt und dann König Ludwig I. verwirklicht hatte. Dank der modernen Technik wurde er vollendet: Am 25. September 1992 wurde der Main-Donau-Kanal in Berching eröffnet, der die Nordsee und das Schwarze Meer in einer Länge von 35.000 Kilometern verbindet.

Schon Karl der Große träumte davon

Der europäische Wasserweg war bereits Karl dem Großen im 8.Jahrhundert wünschenswert erschienen. Er hatte daher vor rund 1200 Jahren im Jahr 793 zwischen der Altmühl und der Schwäbischen Rezat – nahe dem heutigen Treuchtlingen im südlichen Franken – einen Kanal graben lassen. Die Überreste dieser „Fossa Carolina“ – Dämme und ein kurzes Stück des breiten Verbindungsgrabens – sind noch heute beim Dorf Graben zu sehen.

Diese großartige Ingenieurleistung des frühen Mittelalters gelangte allerdings nicht zum Ziel: Während der Bauzeit verhinderten langanhaltende Regenfälle und ungünstige geologische Bedingungen die Fertigstellung des Werkes. Es ist jedoch ziemlich sicher, dass zumindest kurzfristig eine Verbindung der Flusssysteme im Bereich der europäischen Talwasserscheide bestand.

Der König-Ludwig-Kanal ist mittlerweile eine Touristenattraktion. Wie hier bei Essing nutzen Fischer und – zumindest als optische Kulisse – Radfahrer das Altwasser.
Der König-Ludwig-Kanal ist mittlerweile eine Touristenattraktion. Wie hier bei Essing nutzen Fischer und – zumindest als optische Kulisse – Radfahrer das Altwasser. Foto: Wachter

Erst viele Jahrhunderte später, nämlich 1656, schlug ein gewisser Friedrich Wassenberg aus Emmerich am Niederrhein den Nürnberger Kaufleuten und dem Bischof von Eichstätt erneut einen Kanalbau vor. So kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg hatte jedoch niemand Geld für so ein kostspieliges Unternehmen mit letztlich ungewissem Ausgang.

Nachdem im 18. Jahrhundert in Frankreich, England und in den Niederlanden große Kanäle gebaut worden waren, kam auch eine Wasserstraßenverbindung zwischen dem Main und der Donau wieder zur Sprache. König Ludwig von Bayern entschied sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sowohl für die Kanalverbindung wie auch für den Bau von Eisenbahnstrecken.

Gut zu wissen

  • Verpflegung:

    Überall entlang des alten Kanals gab es Kanalwirtschaften, in denen die Pferde während der Nacht eingestellt wurden. In Berching war es das Gasthaus Zimmermann, gleich vor dem Neumarkter Tor in der Vorstadt. Das Schiff kündigte mit einem Trompetensignal seine Ankunft beim Schleusenwärter an. War das Schiff in die Schleuse eingefahren, wurden mit Stangen die Schleusentore geschlossen. Das Einfahren war Maßarbeit, denn die Kähne hatten seitlich und in der Länge nur wenig Spielraum.

  • Main-Donau-Kanal:

    Der „Neue“ Kanal wurde zwischen 1960 und 1992 gebaut. Mit ihm entstand eine durchgehende Schifffahrtsstraße zwischen der Nordsee bei Rotterdam und dem Schwarzen Meer bei Constanta (Rumänien).

  • Fakten:

    Der Europakanal besitzt in Bayern eine Länge von etwa 171 Kilometern, die den Main bei Bamberg mit der Donau bei Kelheim verbindet.

Viele Männer landeten im Lazarett

Der nach ihm benannte Ludwig-Donau-Main-Kanal verfügte mit fast 16 Metern Breite und 1,5 Metern Tiefe über größere Dimensionen als andere damalige künstliche Wasserstraßen. Von 1839 bis 1842 waren zwischen 100 und 250 Arbeiter – darunter italienische Gastarbeiter – auf der Kanalbaustelle in Berching eingesetzt.

Die Italiener galten im Altertum als Fachleute im Straßen- oder Wasserleitungsbau. Sie mussten mit den bescheidenen Mitteln jener Zeit versorgt, verpflegt und untergebracht werden. Aufgrund der schweren körperlichen Belastungen wurden immer wieder Arbeiter krank. Um die Finanzen der städtischen Lazarettstiftung im Rahmen zu halten, verlangte deshalb der Magistrat einen Kreuzer pro Patient. Doch das war viel Geld zur damaligen Zeit, weshalb man sich mit der Kanalbausektion auf einen halben Kreuzer für Betreuung und Verpflegung einigte.

Sieben Tage war man auf der Kanalstrecke zwischen Dietfurt und Bamberg unterwegs. In erster Linie wurden Getreide und Holz transportiert. An Land führte der sogenannte Schiffsreiter das Zugpferd auf den schmalen Treidelwegen neben dem Wasser.

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