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Studie

Ein Plädoyer für bessere Ausbildung

Was ist ein guter, was ein schlechter Lehrer? Johannes Brunner aus Hausen schrieb am Buch von Professor Stephan Ellinger mit.
VON EDITH VETTER, MZ

Der Referendar in Spe und Co-Autor Johannes Brunner mit dem Werk „Alp-Traumlehrer“.
Der Referendar in Spe und Co-Autor Johannes Brunner mit dem Werk „Alp-Traumlehrer“. Foto: Vetter

Hausen.„Erinnern Sie sich an einen besonders guten oder einen besonders schlechten Lehrer? Erzählen Sie uns bitte von Ihren Erinnerungen!“ Dieses Hausaufgaben-Thema von Professor Dr. Stephan Ellinger vom „Lehrstuhl für Pädagogik bei Lernbeeinträchtigungen“ an der Julius-Maximilian-Universität Würzburg war der Grundstock für das Buch: „AlpTraumlehrer“ – von flüchtigen Fledermäusen und multikulturellen Frohnaturen“, das seit Januar auf dem Markt ist und bereits in der zweiten Auflage erscheint. Der Referendar für Sonderschulen und Mitautor des Buches, Johannes Brunner aus Hausen, sammelte vier Monate lang von mehr als 460 Lehramtsstudierenden deren erlebte Geschichten als Schüler für das 200 Seiten umfassende Werk.

Wer ist ein guter und wer ist ein schlechter Lehrer? Diese Frage wurde zu unterschiedlichen Zeiten sehr unterschiedlich beantwortet. Noch nicht lange her, da machten Rohrstock und sein Gebrauch einen Lehrer zu einem guten Lehrer.

Anregender Diskussionsbeitrag

Die gesammelten Schüler-Erfahrungen, Anregungen für Theorie und Praxis, seien für ihn eine gute Mischung und ein interessanter Beitrag zur Diskussion über Bildung, Schule und Lehrer, erklärte der engagierte Pädagoge, der während seiner Studienzeit als studentische Hilfskraft für Professor Ellinger arbeitete. Solche Erzählungen sind in mancherlei Hinsicht aussagekräftiger, als es Ausschnitte aus dem besten Lehrbuch sein könnten. Die gedruckten Narrative (Erzählungen) stellen in diesem Sinn lebendige Illustrationen dessen dar, was von Schülern wahrgenommen – oder genauer: empfunden – werde, erklärte Brunner. Viele Erzählungen seien ermutigend, hoffnungsvoll und ideenreich. Einige allerdings auch schockierend bis alarmierend, so dass die einen oder anderen Studierenden darum gebeten hätten, ihre Aufsätze nicht zu drucken. Der 26-jährige Brunner wollte eigentlich kein Lehrer, also Pauker mit Notendruck im herkömmlichen Sinne werden. Er wollte Pädagoge werden. Ein für ihn sehr wesentlicher Unterschied, wie er erklärte. Deshalb habe er sich für das Lehramt für Sonderschule in der Fachrichtung Pädagogik bei Lernbeeinträchtigungen entschieden, sagte der Jugendleiter und erfolgreiche bayerische Sommerbiathlet. Die Sonderpädagogen seien so etwas wie die Feuerwehren. Sie würden oft in die Schulen gerufen, um beratend mitzuwirken.

Das Studium ist zu wenig praxisnah

„Mit unserer Lektüre wollen wir generell die Lehrerausbildung reflektieren.“ Denn seiner Meinung nach sei das Lehramtsstudium zu wenig praxisnah ausgebildet. So müssten beispielsweise Studierende des Lehramtes für Gymnasien während ihrer neunsemestrigen universitären Ausbildung lediglich drei schulische Praktika ableisten. Damit hätten die Studierenden viel zu wenig echte Interaktion mit Schülern, obwohl diese für die Herausbildung der lehramtsrelevanten „Soft Skills“ von immenser Bedeutung wäre, so Brunner. Es überrascht dann nicht mehr, wenn eine große Anzahl angehender Lehrer in den ersten Wochen des Referendariats die Feststellung macht, nicht für den Lehrerberuf geeignet zu sein. Noch schlimmer sei es, wenn sie große Schwierigkeiten im Umgang mit Kindern haben und diese nicht einmal mögen. In einer seiner Praktika erinnerte sich Brunner an eine verzweifelte Junglehrerin, die mit den hochpubertären Hauptschülern größte Verständigungsprobleme hatte.

Sich den Schülern annähern

Er hingegen versuchte mit den Schülern in „ihrer“ Sprache zu kommunizieren, was letztendlich auch Erfolg hatte. Mit dem Ruf nach mehr Praxis solle jedoch nicht die Wichtigkeit pädagogischer Theoriebildung angezweifelt werden. Die Vermittlung sei wichtig, um Prozesse des Lehrens und Lernens verstehen zu können. Diese Theorien würden an den Universitäten so realitätsfern vermittelt, dass sie von den Studierenden als praktisch irrelevant abgetan würden. Praktika bieten die Möglichkeit, Arbeitsbündnisse zwischen Studierenden, Forschenden und Praktikern zu schließen, ist sich der angehende Sonderpädagoge sicher. Während des Studiums besuchen die angehenden Lehrer unzählige Seminare und Vorlesungen. Viele Themenbereiche, zu denen sich Studierende mehr Inputs wünschen würden, blieben auf der Strecke. Der eingeschlagene Kurs von PISA und IGLU zu einer besseren Schule dürfe nicht an einer optimierten Ausbildung derer vorübergehen, die in den Klassen die geforderten Kompetenzen vermitteln sollen. Bevor man ans Ziel dieses Weges komme, müssten noch einige Ausbildungslücken geschlossen werden. Denn weitere Problemfelder und Herausforderungen sind Inklusion oder der Umgang mit Schülern mit Migrationshintergrund. Die Autoren schließen mit dem Plädoyer für praxisnähere Vermittlung von Theorien. „Alle Lehramtsstudenten müssen die Möglichkeit haben, gute Pädagogen zu werden.“ Dass die Autoren mit ihrem Buch den „Finger in die Wunde“ gelegt haben, beweist die Resonanz. Denn die ersten 100 Exemplare sind bereits vergriffen. Johannes Brunner wünscht sich, dass sich auch die Politiker für dieses Buch interessieren würde.

Das Fazit der Studie und mehr

  • Fazit der Erinnerungsstudie:

    Unter der Beschreibung mancher „Traumlehrer“ finden sich die gleichen Handlungsweisen, wie sie in den Darstellungen anderer Studierender zur Beschreibung ihrer „Alptraumlehrer“ Pate standen, heißt es in der Studie. Banal formuliert: Die herkunftsspezifische Prägung stellt eine stabile Matrix für die Beurteilung der Lehrkräfte dar. Als positive Tendenz wird beschrieben, dass Examenskandidaten nach vier Jahren Lehramtsstudium den „guten Lehrer“ anders definieren als befragte Studienanfänger. Emotionale Empfindlichkeiten sind so oder so nicht objektivierbar und ein „Richtig“ oder „Falsch“ lässt sich nicht recht postulieren, so Professor Eller.

  • Autor:

    Johannes Brunner wuchs in Hausen auf. Er besuchte nach der Grundschule das Donau-Gymnasium in Kelheim. Er studierte von Oktober 2009 bis September 2014 an der Universität Würzburg und arbeitete in dieser Zeit als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Pädagogik bei Lernbeeinträchtigungen mit. Er absolvierte im Herbst 2014 das erste Staatsexamen. Zum neuen Schuljahr im September 2015 tritt er sein Referendariat an. Das Buch ist im Gemma-Verlag erschienen. Preis: 12,99 Euro. (eav)

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