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Optimisten

Sonnige Aussichten auf der Brand

Familie Linhard-Hierlmeier hat gut lachen. Bei ihr heizt die Sonne. Überschüssiges Warmwasser könnte sogar einen Pool heizen.
Von Beate Weigert

  • Herbst, Frühjahr und Winter zählen im Sonnenhaus. Tochter Rosina (Mitte) hat sogar ein Modell davon gebastelt. Am 25. Februar 2015 heizte Familie Linhard-Hierlmeier das letzte Mal, dann wieder Mitte November und Ende Februar dürfte die nächste Heizperiode wieder vorbei sein. Fotos: Weigert
  • Das nach Süden ausgerichtete Sonnenhaus steht im Westen Ihrlersteins.
  • Der mittlerweile unsichtbare Herzfleck des Sonnenhauses, der rote Stahltank, geht über zwei Geschosse. Foto: Hierlmeier

Ihrlerstein.Mit einem Lächeln auf den Lippen schauen sie zu den Nachbarn hinüber, wenn dort der Öllaster vorfährt oder die Kamine zu rauchen beginnen. Vom Esstisch aus fällt der zweite Blick auf den Ofen im eigenen Wohn-Ess-Zimmer. Doch der wird gar nicht so oft angeschürt. Im Herbst erst sehr spät und im neuen Jahr verglühen die Holzscheite darin nicht lange. Für Familie Linhard-Hierlmeier ist das eine schöne Bestätigung für ihr Sonnenhaus. „Du weißt, du brauchst das nicht mehr“, sagen sie.

Schwiegermutters Riecher

Ihr Sonnenhaus macht sich vor allem im Winter bemerkbar und nicht im Sommer, wie Unbedarfte vielleicht glauben könnten. Die Fünf, die hier wohnen, müssen es wissen. Sie haben mehr als drei Jahre Erfahrung in den sonnigen vier Wänden am Rögnerhof im Westen der Brand. Robert Hierlmeier, Christine Linhard und ihre Kinder Rosina (12), Helena (9) und Vincent (5). Dass sie 2009 mit der Entscheidung für diese Art von Haus alles richtig gemacht haben, ist Papa Robert erst vor kurzem aufgefallen, als ihn ein Bekannter fragte, was er denn anders machen würde. „Da ist mir nicht viel eingefallen“, sagt der 43-Jährige.

Die Schwiegermutter hatte früher als sie gewusst, dass ein Sonnenhaus ihr Ding ist. Schon vor zehn Jahren hatte sie den beiden Biologen einen Prospekt unter die Nase gehalten. Als das Paar dann tatsächlich ans Hausbauen dachte, war sehr schnell klar, dass es ein Sonnenhaus werden sollte. Ursprünglich hatten sie zwar auch mit der Optik eines Jurahauses geliebäugelt. Doch die wäre nicht mit der nötigen Dachschräge fürs Sonnenhaus zusammengegangen. Da die Heiztechnik oberste Priorität hatte, war das Jurahaus schnell vom Tisch.

Zukunftspläne

  • Heizperiode im Hause Linhard-Hierlmeier:

    November bis Ende Februar; von Anfang März bis Ende Oktober kommt die Familie ohne Heizen aus.

  • Ideen:

    In den kommenden Jahren will Robert Hierlmeier noch überlegen, was er im Sommer mit der überschüssigen Wärme anstellen kann. So wäre locker ein Warmwasser-Anschluss im Garten drin. Denn das Wasser ist ja da und es kostet keinen Cent zusätzlich. So ließe sich schnell ein Planschbecken füllen oder schon Ende Februar ein Pool.

  • Auch Obst trocknen oder Saft abfüllen

    , könnten sie mit der vorhandenen Wärme. Aktuell ist das aber noch Zukunftsmusik. Genauso ließe sich auch der Boden eines Gewächshauses wärmen. Selbst gezogenes Gemüse und Salat käme so früher auf den Tisch.

  • Sonnengruß:

    2016 wird der Hof vor dem Haus noch gepflastert. Feststeht, dass vor den Eingang eine Sonne ins Pflaster kommt quasi als Willkommensgruß. Sitzbank davor, fertig. (re)

Idealerweise werden die Sonnenkollektoren in 70 Grad steilem Winkel oben auf montiert. Der passte aber nicht in die Umgebung. Also rückten sie so weit ab, dass die Verluste gerade vertretbar waren. Und „a bissl modern“ durfte ihr neues Zuhause auch daherkommen. Außerdem fiel die Wahl auf ein Holzständerhaus. Das Material sollte nach außen sichtbar bleiben. Auch wenn Schwager Franz feixte, dass das wie ein Holzschuppen aussehen würde.

Bevor sie bauten, fuhren Christine Linhard und Robert Hierlmeier nach Waldkirchen bei Passau und nach Straubing, um sich Beispiele anzuschauen. Im November 2011 zog die Familie dann ins erste Sonnenhaus im Landkreis Kelheim. Mittlerweile steht das nächste Sonnenhaus da drüben, sagt Hierlmeier und zeigt aus dem Fenster auf den gegenüberliegenden Hang seiner Heimatgemeinde.

Dass bei einem Sonnenhaus auch viel schieflaufen kann, hörte das Paar beim ersten Kontakt mit einem Bauherrn. Doch sie landeten „gleich beim richtigen Installateur und beim richtigen Holzhaus-Bauer“. Denn schnell hatten sie bei der Leidensgeschichte herausgehört, dass die Probleme nicht in der Technik gründeten, sondern es an den Firmen lag.

Willkommen im Sonnenhaus! 2016 kommt noch eine Sonne ins Pflaster vor der Haustür.
Willkommen im Sonnenhaus! 2016 kommt noch eine Sonne ins Pflaster vor der Haustür. Foto: Weigert

Und woran merkt man nun, dass man im Sonnenhaus lebt? „Im Sommer kann man sich am Wasserhahn die Finger verbrennen, wenn man nicht aufpasst“, sagt Rosina. Das könne man aber einstellen, wirft Papa Robert ein. Er selbst merkt es im Sommer manchmal, wenn er beim Gang vom Erdgeschoss in den Keller die Hand an die Wand legt. Da gibt es ein paar sehr warme Flecken am Herzfleck des Hauses. Wärmelecks in der Isolierung. Das sei aber kein grundlegendes Problem.

Man sieht es doch auch von außen, wenn man aufs Dach blickt, glaubt die Reporterin. Was sieht man denn da?, hakt Hierlmeier nach. Beim Sonnenhaus sind die Warmwasser-Kollektoren groß und die Photovoltaik-Kollektoren klein. Auf den meisten Dächern dürfte das Verhältnis genau anders herum sein. Den Unterschied erkennen aber die wenigsten, sagt Hierlmeier. Die Reporterin auch nicht.

Die Photovoltaik hat streng genommen gar nichts mit dem Sonnenhaus zu tun. Dieses basiert auf einem großen Wassertank. Der sogenannte Pufferspeicher ist der oben erwähnte Herzfleck. Seit das Haus fertiggestellt ist, ist er unsichtbar. Er findet sich hinter der Wand, um den die Treppe vom Keller ins Erdgeschoss führt. Er hat ein Volumen von 5000 Litern und geht über die beiden Stockwerke.

Als der knallrote Stahltank einschwebte, war das ein Ereignis für die ganze Nachbarschaft.
Als der knallrote Stahltank einschwebte, war das ein Ereignis für die ganze Nachbarschaft. Foto: Hierlmeier

Knallroter Tank war die Sensation

Für sie und die Nachbarn war es eine kleine Sensation als damals der knallrote Stahltank einschwebte. Was das Richtfest bei einem herkömmlichen Hausbau ist, war bei Familie Linhard-Hierlmeier der Tag des Tankeinbaus. Sonnenhaus bedeutet übrigens, dass mindestens 50 Prozent der Energie vor allem der Heizenergie über die Sonne erzeugt werden. Im Fachjargon heißt das: Der solare Deckungsgrad muss über 50 Prozent liegen, erklärt Robert Hierlmeier.

Wenn seine Mutter zu Besuch kommt, hört er regelmäßig ein erstauntes „Bei dir wird es einfach nicht kalt“. Die Mama wohnt selbst in einem nur wenig isolierten Haus und ist anderes gewöhnt. Sobald auch im Winter die Sonne herauskommt, wird es am Rögnerhof relativ schnell warm. Die dreifach isolierten Fenster tun ihr Übriges.

Bislang sind die Winter harmlos gewesen, sagt Hierlmeier. Und wenn es einmal kühler wird, legen sie ein paar Scheite in den Ofen. Pro kalter Saison brauchte es drei bis fünf Ster Holz. Das ist alles. Vor der ersten Heizperiode orderte Hierlmeier sieben Ster, in der Annahme er würde mindestens sechs verheizen. Nun reichte die erste Order bis ins dritte Jahre.

Schlimmstenfalls ein Schwimmbad

„Wer ein wenig in die Zukunft schaut, wird sich für die Technik entscheiden“, sagt Hierlmeier. Wer nur die erste Investition im Blick hat nicht. Ihre war natürlich höher, aber „das holen wir wieder herein“. Die große Energie-Autarkheit lässt die Familie optimistisch in die Zukunft blicken. „Wenn man sonst die Welt realistisch betrachtet, wird einem in vielem ganz schnell ganz anders“, so Hierlmeier.

Schön unspektakulär, findet Christine Linhard ihr Haus mit vergleichsweise wenig Technik. Herauskommt aber eine sehr niedrige Stromrechnung. Zu fünft verbrauchen sie gerade an die 2000 kW/Stunden. Für Heizung und Strom komplett.

Das Schlimmste, das ihnen im Winter passieren könnte? Dauernebel. Aber selbst die Vorstellung löst kein Grauen aus. „Wir sehen das ganz gelassen, wir sind darauf eingerichtet.“ Das Schlimmste, das einem Sonnenhausbesitzer theoretisch passieren könnte? Wenn der Tank ein Leck kriegt. Bedenkenträgern, die diese Frage an ihn richten, entgegnet Hierlmeier dann immer: „Dann haben wir ein Schwimmbad im Keller.“ Davon geht er aber nicht aus. Er findet: „Die Technik ist ausgereift.“ Und seine Frau freut’s, dass es im Keller nicht mehr nach Heizöl stinkt.

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