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MZ-Gespräch

„Arbeit soll bereichern statt verändern“

Vor drei Jahren sind Laura Altinger und Maximilian Seibt als Azubis ins Berufsleben gestartet. Eine Bilanz, ein Ausblick.
Von Martina Hutzler

Laura Altinger und Maximilian Seibt heute: Die beruflichen Weichen sind erst mal gestellt!
Laura Altinger und Maximilian Seibt heute: Die beruflichen Weichen sind erst mal gestellt!Foto: Heiner Stöcker

Kelheim.Unseren Leserinnen und Leser sind sie wohlbekannt: Laura Altinger und Maximilian Seibt sind vor drei Jahren ins Berufsleben gestartet und haben seither in der MZ immer wieder über ihre Azubi-Erfahrungen berichtet: Laura (19) hat Bürokauffrau bei der Kelheimer Firma Seitz gelernt; Maximilian (20) hatte erst eine Elektroniker-Lehre begonnen, schwenkte dann auf Einzelhandelskaufmann um und startet gerade ins dritte Lehrjahr beim Mobilfunk-Anbieter O2. Im MZ-Redaktionsgespräch ziehen die beiden Bilanz und blicken auf ihre „Zukunft der Arbeit“.

Wie lief der Endspurt bei Dir, Laura?

Laura: Ich hab’ am 24. Juni meine letzte Prüfung gehabt, mündlich: Wir mussten Fragen zu einem bestimmten Thema beantworten und allgemeine zur Ausbildung. Vorher war die praktische Prüfung – am Computer schreiben und so.

Und das Ergebnis…?

Laura: Eine Drei…

Zufrieden?

Laura: Nein. Vor allem, weil ich gleich in zwei Fächern so knapp am Zweier vorbei war…

Wie läuft die Ausbildung Bei Dir, Max?

Max: Am 28. April hatte ich meine Zwischenprüfung, in drei Bereichen aus meiner Ausbildung – drei Mal die Note zwei! . Das Ergebnis zählt dann zu 25 Prozent für den Abschluss in einem Jahr.

Wie waren Eure Erwartungen an die Ausbildung, wie sind Eure Erwartungen ans weitere Berufsleben?

Max: Ich hatte gehofft, dass mir die Arbeit jetzt, in meiner zweiten Ausbildung, besser liegt – das hat sich erfüllt. Ich habe die große Erwartung, dass mir die Arbeit auch langfristig Spaß macht und ich mich ins Team einfüge. Unser Team ist wirklich super, wir unternehmen auch außerhalb der Arbeit mal was. Das ist ja auch gut für den Arbeitgeber.

Inwiefern?

Max: Wenn’s im Team nicht stimmt, zieht einen das runter. Und dann verkauft man einfach anders. Bei uns sagen oft sogar die Kunden, dass wir ein freundliches Team sind. Wichtig ist aber auch, wie sich der Chef zu einem verhält. Das klappt bei uns auch gut.

Laura: Ich wollte ja schon immer ins Büro, aber auch Kontakt zu Kunden haben. Das hat mit meiner Ausbildung gut gepasst. Ich hab’ telefonisch mit Kunden zu tun und bin samstags auch ab und zu im Laden. Die Arbeit gefällt mir super.

Hat sich innerhalb der Ausbildung etwas verändert?

Laura: Ja: Im zweiten Lehrjahr ist mir ein eigener Aufgabenbereich übertragen worden. Das war mir schon wichtig: Verantwortung zu übernehmen. Aber es hat auch von Anfang ganz klar geheißen: Du musst ordentlich arbeiten! Im dritten Lehrjahr ist noch ein Bereich dazugekommen; der geht mehr in Richtung Abrechnung – das ist fast noch wichtiger…

Was hattet Ihr Euch noch zu Schulzeiten anders vorgestellt im Berufsleben?

Laura: Na ja, im Beruf ist es schon ab und zu ganz schön stressig. Das hätte man sich als Schüler nicht gedacht…

Max: Mich hat’s gewundert, mit welchen Kunden man so alles zu tun hat…

Laura: Stimmt: Da gib’s die Viel- und die Wenig-Redner, ganz nette und auch mal ziemlich böse Kunden!

Max: Ich hatte mir vorher die Kunden so vorgestellt wie die Leute aus meinem Freundeskreis. In der Lehre hab’ ich gemerkt, wie viele unterschiedliche Leute es gibt. Manche sind super nett, selbst wenn man nur eine kleine Auskunft gibt. Andere kommen irgendwie schon unzufrieden, werden immer lauter und haben überhaupt kein Verständnis.

Wie reagiert man auf die?

Max: Im schlimmsten Fall muss man wirklich sagen, ,das Gespräch ist an der Stelle beendet – brüllen Sie jemand anderen an.’ Aber meine Kollegen sagen eh’, dass ich einer der Geduldigsten bin.

Wie habt Ihr persönlich die Umstellung von Schule auf Berufsleben empfunden?

Laura: Die ersten Wochen waren der Horror! Bis um fünf abends arbeiten, ist man als Schüler einfach nicht gewohnt.

Max: Am schlimmsten war es anfangs, am Samstag zu arbeiten: Das mit dem Freundeskreis zu synchronisieren, war ziemlich anstrengend.

Und die Erfahrung, einen Chef zu haben?

Laura: Das Verhältnis ist nicht so viel anders als zum Lehrer: Man macht, was er sagt oder bespricht es mit ihm.

Max: Ich finde, man sollte sich gegenüber dem Chef nicht verstellen, sondern so sein, wie man ist. So hat man den Job ja bekommen! Überhaupt finde ich: Der Job sollte einen Menschen nicht groß verändern, sondern ihn nur bereichern.

„Ich finde, man sollte sich gegenüber dem Chef nicht verstellen, sondern so sein, wie man ist. So hat man den Job ja bekommen!“
„Ich finde, man sollte sich gegenüber dem Chef nicht verstellen, sondern so sein, wie man ist. So hat man den Job ja bekommen!“

Wie sind Eure Erfahrungen mit der dualen Ausbildung Betrieb - Schule?

Laura: Ich finde, die Berufsschule sollte sich aufs Berufs-Fachliche beschränken und das vertiefen: wie man E-Mails schreibt, zum Beispiel. Fächer wie Sozialkunde oder Religion müssten in der Berufsschule nicht mehr sein.

Max: Wir haben in Sozialkunde zum Beispiel ziemlich viel zum Ausbildungsvertrag durchgenommen – da haben sich viele Themen aus der Schule wiederholt. Einige Fächer sind sicher nötig in der Berufsschule, weil man da ja auch die Mittlere Reife nachholen kann. Aber einiges hatte man zum Teil schon in der Grundschule!

Laura: Einiges aus dem Unterricht war ganz interessant, zum Beispiel Personalwesen: Was gehört in eine Personalakte, was in eine Stellenausschreibung? Mir hat das geholfen, weil ich zur Zeit auch noch die „zweite Hand“ von der Assistentin der Geschäftsleitung bin.

Ui, gratuliere!

Max: Bei uns war in den Hauptfächern auch viel Interessantes dabei: Umgang mit Kunden zum Beispiel, oder wie man den Laden gestaltet und wie man eine Inventur durchführt.

Welche beruflichen Pläne habt Ihr jetzt?

Laura: Ich bin von meinem Betrieb jetzt für ein Jahr übernommen worden, mit Perspektive auf einen unbefristeten Vertrag. Der Bereich Gesundheitswesen, in dem ich arbeite, gefällt mir super.

Hast Du überlegt, nochmal Schule dranzuhängen, zum Beispiel fürs Fachabitur?

Laura: Nein, möcht’ ich nimmer – mir reicht es momentan mit dem Lernen! Jetzt will ich erst mal arbeiten. Aber ich überlege, ob ich nebenher eine Weiterbildung zum Betriebswirt mache.

Wie sehen Deine Pläne aus, Max?

Wenn meine Abschlussnote gut genug ist, will ich auf alle Fälle das eine Jahr im Betrieb bleiben, das einem mit dem entsprechenden Notenschnitt garantiert ist. Ich kann mir auch gut vorstellen, noch ein paar Jahre länger dortzubleiben. Auch, um Geld anzusparen und zu schauen, welche Möglichkeiten es gibt zur Weiterbildung. Das wird von meinem Arbeitgeber gefördert. Irgendwann werd’ ich den Betrieb wechseln und mir mal eine andere Firma anschauen. Ich weiß zum Beispiel nicht, ob ich immer im Einzelhandel bleiben werde.

Ist die Rückkehr an die Schule eine Option?

Berufsbezogene Weiterbildung ja – aber Schule? Nein, eher nicht. In der Zeit, in der ich eine Stelle gesucht hab’, hab ich mitbekommen, dass bei Bewerbungen nicht nur wichtig ist, ob man Abi oder Mittlere Reife hat. Sondern schon auch, wie man persönlich rüberkommt.

Wie gut habt Ihr Euch von der Schule aufs Bewerben vorbereitet gefühlt?

Laura: Die Bewerbungsvorbereitung war wirklich top!

Max: Auch die Praktika waren gut. Und definitiv notwendig: Viele kennen anfangs nur die Standardberufe. Dass es noch viele andere Berufsgruppen gibt und wie sich die verzweigen, hat man erst in der Schule mitbekommen.

Woran sollte man sich bei der Berufswahl orientieren?

Laura: An den eigenen Interessen! Es bringt ja nichts, wenn man an einer Arbeit keinen Spaß hat und man soll sie dann drei Jahre lernen.

Max: Das hab’ ich am eigenen Leib verspürt! Meine erste Ausbildung war nicht das, was ich mir vorgestellt habe.

Findest Du es im Nachhinein sinnvoll, dass Du sie abgebrochen hast?

Max: Ja: Es ist definitiv sinnvoller, das man in der Ausbildung wechselt, als dass man irgendwann danach, mit 25 oder so, nochmal von vorn anfängt.

Wie hben damals Deine Eltern reagiert?

Max: Eine Zeitlang hab’ ich mich nicht getraut, das zu sagen. Aber ich hab’ einfach gemerkt, das mich diese Arbeit kaputt machen würde. Meine Eltern haben mich unterstützt, aber gefordert, dass ich mir aktiv was Anderes suche. Da war das „Berufsvorbereitende Jahr“ eine gute Chance, mit vielen Praktika. Durchaus ein gutes Angebot von Vater Staat…

Laura und Max im MZ-Gespräch
Laura und Max im MZ-Gespräch Foto: Heiner Stöcker

Was erleichtert den Start ins Berufsleben?

Laura: Für mich war bisher wichtig und ist es heute noch, dass ich mit einer Frage jederzeit zu Kollegen kommen kann.

Max: Stimmt. Ich fand anfangs auch vieles schwierig, zum Beispiel wie man mit Kunden umgeht oder wie die internen Abläufe so sind. Aber mein Chef und meine Kollegen haben immer gesagt: Komm und frag zwei Mal, frag drei Mal – dann mach’ es, und mach’ es richtig! Das war echt gut.

Stichwort „lebenslanges Lernen“: Was erwartet Ihr dazu für Eure berufliche Zukunft?

Laura: Man lernt wirklich nie aus. Wir bekommen zum Beispiel monatlich neue Verträge von den Krankenkassen, wo sich wieder was ändert. Aber unsere Chefs unterstützen uns auch in Sachen Weiterbildung.

Max: Standardwissen sollte man haben – darin sehe ich den Sinn der Ausbildung: dass man die basics erlangt, auf die man aufbauen kann. Es stimmt schon: Man lernt nie aus!

Ausbildung heute: Lehrlinge erzählen

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