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Trinkwasser

Aus dem kostbaren wird ein teures Nass

Immer mehr Aufwand treiben Versorger auch in Kelheim, um gutes Trinkwasser zu liefern. Auch quantitative Probleme lauern.
Von Martina Hutzler

Die Pumpstation Parleithen des Wasserzweckverbands Jachenhausen: Der Aufwand, den Wasserversorger betreiben müssen, steigt stetig.
Die Pumpstation Parleithen des Wasserzweckverbands Jachenhausen: Der Aufwand, den Wasserversorger betreiben müssen, steigt stetig. Foto: Hutzler

Kelheim.Kostbar war es schon immer, aber jetzt droht Trinkwasser immer teurer zu werden. Denn immer aufwendiger müssen die meisten Wasserversorger – auch im Landkreis Kelheim – Rohwasser aus Quellen und Brunnen in genussfähiges Trinkwasser wandeln. Vor allem Nitrat überschreitet im Rohwasser den gesetzlichen Grenzwert teils schon; verstärkt bahnen sich Pflanzenschutzmittel (PSM) den Weg ins Grundwasser, vereinzelt auch schon Arzneimittel-Rückstände. Sieben Wasserversorgungsanlagen im Landkreis Kelheim haben Probleme mit zu viel Nitrat und/oder PSM im Rohwasser; in den vergangenen Jahren wurden sechs hoch belastete Wasserfassungen stillgelegt. Wer seine Brunnen nicht in große, unbelastete Waldgebiete wie den Dürnbucher Forst verlegen kann, muss in teure Aufbereitungstechnologien investieren.

Ein 770 Meter hoher Wasserturm

Auf all dies weist die „Wasserversorgungsbilanz (WVB) Niederbayern“ hin, eine Ko-Produktion der Wasserwirtschaftsämter Landshut und Deggendorf, dem Landesamt für Umwelt und der Regierung von Niederbayern. Die WVB besagt aber immerhin auch, dass zumindest die Menge an Grundwasser noch reicht, um daraus unseren Trinkwasserbedarf zu decken. Und der ist stattlich: Knapp 7,7 Millionen Kubikmeter Grundwasser haben die 15 im beziehungsweise für den Kreis Kelheim tätigen Wasserversorger im Jahr 2014 aus dem Untergrund geholt. Wollte man dafür auf einem Fußballfeld einen Behälter bauen, müsste er 770 Meter hoch werden!

Eine Frage der Definition

  • Grundwasser

    Niederschlagswasser sickert in den Boden und das darunterliegende Gestein ein. Sobald es die darin vorhandenen Hohlräume zusammenhängend füllt, spricht man von Grundwasser.

  • Trinkwasser

    Mit Ausnahme der Talsperre Frauenau (Oberflächenwasser) wird Niederbayerns Trinkwasser aus Grundwasser gewonnen. Dazu wird aus Brunnen und Quellen Rohwasser gewonnen. Je nach dessen Beschaffenheit wird es aufbereitet, um die Qualitätsvorgaben der Trinkwasser-Verordnung zu erfüllen.

  • Versorgungsstruktur

    Lieferanten unseres Trinkwassers sind Kommunen, Wasserzweckverbände und Stadtwerke, allgemein als Wasserversorgungsunternehmen bezeichnet. Im Kreis Kelheim gibt es 15 WVUs, die selbst Grundwasser fördern und aufbereiten.

  • Begriffe

    Gewonnen wird das Rohwasser an Wasserfassungen, also Brunnen und Quellen. Ein oder mehrere Brunnen/Quellen, die ein zusammenhängenden Grundwasservorkommen nutzen, bilden die Wassergewinnungsanlage. Als Wasserversorgungsanlage bezeichnet man ein komplettes System aus Förderung, Speicherung, Transport und Verteilung von Wasser. Große WVUs haben oft mehrere solcher selbständiger Systeme. (hu)

Keine allzu großen Grundwasser-Sorgen bereitet nach derzeitigem Wissen der Klimawandel, jedenfalls nicht unterm Strich: Bis Ende des Jahrhunderts soll sich im Durchschnitt wenig an den jährlichen Niederschlägen ändern. Wohl aber an deren Verteilung! Extreme Starkregen und Schneefälle werden immer häufiger, schätzen die Experten; im Gegenzug erwarten sie vor allem im Sommer mehr Trockentage und mehr Trockenperioden, die länger als eine Woche dauern. Zumindest in diesen Phasen könnten manche Grundwasserstände und Quellschüttungen bedenklich absinken. Generell soll die Grundwasser-Neubildung in Niederbayern, einem Klimaforschungsprojekt zufolge, leicht zurückgehen in den nächsten Jahrzehnten.

Wassermassen bei Starkregen, aber auch immer mehr längere Trockenperioden: Klimawandel und Wetterextreme könnten zumindest saisonal zu Versorgungsproblemen führen.
Wassermassen bei Starkregen, aber auch immer mehr längere Trockenperioden: Klimawandel und Wetterextreme könnten zumindest saisonal zu Versorgungsproblemen führen. Foto: dpa

Dazu kommt, dass Trockenperioden den Wasserbedarf zumindest saisonal nach oben treiben, auch wenn die WVB auf absehbare Zeit von einem „annähernd gleichbleibenden Jahreswasserbedarf“ im Kreis Kelheim ausgeht. Aber im heiß-trockenen Jahr 2015 haben zum Beispiel die Stadtwerke Kelheim rund 132 000 Kubikmeter mehr Trinkwasser an ihre Kunden ausgeliefert als 2014; und dieser Anstieg ist überproportional auf private und gewerbliche Kleinabnehmer zurückzuführen!

Durstige Industrie und Landwirtschaft

Trockene Jahre wecken auch bei Landwirten die Begehrlichkeiten, die Bewässerung auszubauen, bestätigt Josef Goldbrunner, Fachmann für Trinkwasser am Wasserwirtschaftsamt Landshut. Derzeit, so schätzt er, fließt mindestens eine halbe Million Kubikmeter Wasser zu den Feldfrüchten: vor allem in die Hopfengärten der Hallertau, aber auch auf Kartoffel-, Beeren-, Spargel- und Baumkulturen im Bereich von Mainburg über Abensberg bis Bad Abbach.

Allerdings zapfen die Bauern keine tiefen, sondern allenfalls oberflächennahe Grundwasservorkommen an, die sich relativ schnell erholen. Ähnlich relativiert sich die stolze Menge von geschätzt 43 Millionen Kubikmetern Brauchwasser, das sich Niederbayerns Industrie abzapft; rund 20 Millionen davon im wirtschaftsstarken Landkreis Kelheim. „Der Wasserbedarf durch die Industrie wird heute – mit Ausnahme der Lebensmittel verarbeitenden Betriebe – in der Regel aus oberflächennahem Grundwasservorkommen gedeckt“, heißt es dazu in der Wasserversorgungsbilanz; nennenswerte Konkurrenz zwischen Industrie und öffentlicher Wasserversorgung gebe es daher seit etwa zwei Jahrzehnten nicht mehr.

Der Veldener Hydrogeologe Dr. Karl-Heinz Prösl berät und begleitet auch im Kreis Kelheim viele Wasserversorger.
Der Veldener Hydrogeologe Dr. Karl-Heinz Prösl berät und begleitet auch im Kreis Kelheim viele Wasserversorger. Foto: Hutzler

Sorge bereitet dem Hydrogeologen Dr. Karl-Heinz Prösl, der viele bayerische Wasserversorger berät, eher eine Folge der immer intensiveren Landnutzung: Von schnürlgraden Entwässerungsgräben angefangen bis zu begradigten Bächen und Flüssen wird Niederschlagswasser immer schneller abtransportiert.

„Wir müssen dafür sorgen, dass das Wasser, das runterkommt, in der Fläche bleibt!“

Dr. Karl-Heinz Prösl, Hydrogeologe

Mit zweierlei Folgen, warnt Prösl: Oberirdisch führen solche Wasser-Autobahnen – „und nicht in erster Linie der Klimawandel!“ – zu Hochwasser und Überflutungen. Untertags fehlt der langsam versickernde Nachschub für die Grundwasservorräte. Der Fachmann mahnt daher zur Umkehr: „Wir dürfen das Wasser, das runterkommt, nicht mehr wegschicken. Wir müssen dafür sorgen, dass es in der Fläche bleibt!“

Eine Woche rund ums Wasser

Menge und Qualität, Entstehung, Gewinnung und Verarbeitung, Genuss und Gefahr, Versorgung und Entsorgung: In einer MZ-Themenwoche beleuchten wir diese Woche, wie es bestellt ist um unser Grund- und Trinkwasser und die Fließgewässer im Landkreis.

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