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Trend

Ausbildungslager für Meerjungfrauen

In Kelheims Keldorado treten junge Damen mit bunter Flosse und Schuppenkostüm zum Training an – einmalig in der Region.
Von Beate Weigert

  • Selina und Selina zeigen ihre bunten Schwanzflossen. Für die Meerjungfrauen-Azubine links ist diese nichts komplett Neues. „Ich bin vorher schon mit Monoflosse geschwommen“, sagt die 14-Jährige. Foto: Pieknik
  • Der Meerjungfrauen-Coach Andi Kirner (re.) erklärt seinen Elevinnen, worauf es bei der nächsten Übung ankommt. Schaulustige am Beckenrand gibt’s immer. Der Kurs ist über die Landkreisgrenzen hinaus bislang der einzige im Umkreis. Foto: Pieknik
  • Zum Einschwimmen pflügten die Meerjungfrauen per Schwimmbrett durchs Wasser. Foto: Pieknik

Kelheim.Ob er sich vorstellen könne, Meerjungfrauen das Schwimmen beizubringen? So oder so ähnlich formulierte wohl Keldorado-Chef Thomas Hopfinger seine neueste Kursidee fürs Kelheimer Freizeitbad. Der angedachte Coach, männlich, 24 Jahre alt und sonst fürs Vermitteln von Brustschwimmen oder Kraulen zuständig, dürfte vermutlich erst ein wenig ungläubig geguckt haben. Inzwischen ist der erste Kurs schon vorüber. Der nächste startet am Freitag, weitere dürften folgen. Denn viele junge Damen wollen derzeit lernen, sich mit dem Kostüm mit Schwanzflosse grazil fortzubewegen. Dass das gar nicht so easy ist, zeigte ein MZ-Besuch bei einer Schwimmstunde.

Sitzt auch alles da, wo es hingehört?

Mit Hilfe der Mama robbt sich die zierliche Rebekka aus der hintersten Bahn im Schwimmerbecken auf den Beckenrand. Ihr lila-pink-farbener Unterleib samt Schwanzflosse ist verrutscht. Rebekka probt mit sechs anderen Mädchen im Alter zwischen acht und 14 Jahren das Meerjungfrauen-Dasein. Doch das hat einige Tücken.

Zierlichen Nixen wie Rebekka ist das im Internet für einen stattlichen Preis bestellte Outfit zu groß und zu weit. Rebekka rollt den mit Schuppen bedruckten Stoffschlauch von der Hüfte bis zum Knöcheln ab, stellt die Füße wieder auf die Flosse im Innern und zieht den Stoff wie eine Strumpfhose wieder hoch bis zur Taille.

Mermaids im Kelheimer Keldorado

Die Heldin der Mädchen heißt längst nicht mehr Arielle. Inzwischen gibt es neue TV-Serien wie „HO – Plötzlich Meerjungfrau“ oder „Mako – einfach Meerjungfrau“. Dort mutieren ganz normale junge Frauen und auch Männer bei Wasserkontakt zu Meerjungfrauen bzw. -männern. Was bei ihnen super leicht aussieht, zehrt bei den „Azubis“ an den Kräften.

Denn hat sich die Flosse erst einmal mit Wasser vollgesaugt, hat sie doch Gewicht unter Wasser. Und die Technik hat es auch in sich. Für den Delfin-Schwimmstil, den Andi Kirner und Co-Trainerin Katrin Rappl den Mädchen beibringen, braucht es Muckis, vor allem am Bauch.

Schatztruhen und robbende Würmer

Um die typische wellenartige Bewegung hinzubekommen, stellt sich Katrin Rappl vor, „dass ich erst über ein Hindernis oben drüber und dann unten durch muss“. So hat sie es den Mädchen erklärt. Dass das Übung braucht, sieht die 34-Jährige beim Blick auf die für den Kurs reservierte Schwimmbahn. „Eine Meerjungfrau robbt nicht wie ein Wurm durchs Wasser, sie muss auch den Po hochbekommen.“

Flossen zum Ausleihen

  • Der Trend

    „Mermaid“-Schwimmen kommt aus den USA. In Ostbayern ist er noch nicht verbreitet. In Oberbayern schmückt sich eine Schwimmschule mit dem Titel „Bayerische Meerjungfrauen-Schwimmschule“.

  • Kostüme:

    Das Keldorado hat einige Kostüme in verschiedenen Größen angeschafft. Sie können in den Kursen gegen eine Gebühr ausgeliehen werden.

  • Infos:

    Der aktuelle Kurs, der am Freitag startet, ist bereits belegt. Infos zu weiteren Terminen etc. gibt es unter Tel. (0 94 41) 22 67 bzw. per E-Mail unter info@keldorado-kelheim.de (re)

Aber bierernstes, reines Schwimmtraining sind die „Mermaid-Kurse“ dann auch wieder nicht. Es gehe um Spaß, nicht den perfekten Schwimmstil. Deshalb holten die beiden Selinas, Diana, Magedalena und die anderen auch Schatzkisten vom Beckenboden hoch, tauchten durch Ringe und Slalomstangen hindurch. Zur Not ladylike mit Nase zuhalten. Den Mädchen, die die Kostüme meist zu Weihnachten geschenkt bekommen haben, gefallen die regenbogenfarbenen oder türkisen Flossen mit „Unterleib“ optisch, aber auch das Gefühl beim Schwimmen sei schön, sagt etwa die elfjährige Magdalena. Auch wenn sie zugibt, dass sie sich die „Schlängelbewegung“ einfacher vorgestellt hat. Ihre Mama hat auch mal zwei Bahnen getestet. „Unglaublich anstrengend“, so das Erwachsenen-Fazit.

Der Kurs bietet Magdalena und auch den Älteren wie Selina die Gelegenheit, die Kostüme im Schwimmbad zu tragen. Denn eigentlich sind Flossen – egal welcher Art tabu, nicht nur im Keldorado. Außerdem sei es eine schöne Abwechslung zum Schulschwimmen. Dort geht es meist ums Bahnenschwimmen auf Zeit. Im „Mermaid“-Kurs dürfen die Mädchen sprichwörtlich vom Alltag abtauchen. Sich eine Stunde lang zumindest ein wenig als graziles Fabelwesen fühlen.

Diana, die kleine Meerjungfrau: Die Kleinste und Jüngste im Bunde hat die Kurse im Kelheimer Keldorado angestoßen. Die Achtjährige liebt ihr regenbogenfarbenes Schwimmkostüm.
Diana, die kleine Meerjungfrau: Die Kleinste und Jüngste im Bunde hat die Kurse im Kelheimer Keldorado angestoßen. Die Achtjährige liebt ihr regenbogenfarbenes Schwimmkostüm. Foto: Pieknik

Ins Rollen gebracht hat den einzigen Kurs dieser Art weit und breit die Kleinste und Jüngste im Becken. Die achtjährige Diana aus Köfering im Landkreis Regensburg. Ihre Mama Susanne Koller hatte in einigen Bädern u.a. in Regensburg angefragt, ob ein „Mermaid“-Schwimmkurs, angeboten werde. Überall bekam sie ein Nein zu hören. Nur Keldorado-Chef Thomas Hopfinger ließ sich spontan begeistern. Die ersten Elevinnen dankten es ihm. Der Großteil kam bis aus Großmehring oder dem Raum Regensburg.

Die Trainer lassen sich von Stunde zu Stunde etwas Neues einfallen. Aktuell sei das Angebot der Renner, sagen Andi Kirner und Katrin Rappl. Wie lange der Trend anhalte, müsse man sehen. Für die Rettungsschwimmerin und zweifache Mama ist die Stunde mit den Meerjungfrauen eine schöne Abwechslung. So sieht es auch Andi Kirner. Und: Das klassische Schwimmtraining hat er ja auch immer noch.

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