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Autozulieferer vor schweren Zeiten

Ein Studie sieht 15 Prozent der Arbeitsplätze auf der Kippe – im Landkreis Kelheim regieren die Unternehmen unterschiedlich.
von Benjamin Neumaier

 Automobilzulieferer Johnson Controls in Neustadt denkt laut Werksleiter Lorenz Hinterreiter von Auftrag zu Auftrag.
Automobilzulieferer Johnson Controls in Neustadt denkt laut Werksleiter Lorenz Hinterreiter von Auftrag zu Auftrag. Foto: Archiv

Kelheim.Deutsche Autokonzerne verlangen ihren Zulieferern immer mehr ab und treiben die Unternehmen zum Stellenabbau. Laut der Unternehmensberatung Boston Consulting stehen in der Bundesrepublik den kommenden fünf Jahren 15 Prozent der Zulieferindustrie auf der Kippe –insgesamt wären das rund 35 000 Jobs, berichtet das Handelsblatt in Berufung auf die Studie. Die Belastung gehe auf eine Mischung aus Sparpaketen, Internationalisierung, Abwälzung von Entwicklungskosten oder hohen Tarifabschlüssen zurück. „Der Druck hat in Summe eine neue Qualität“, sagte Manfred Beck, Autozuliefer-Experte bei Boston Consulting.

Viele Firmen halten sich bedeckt

Diesen Druck bekommt womöglich auch der Landkreis Kelheim zu spüren – mit den Autozulieferern Magna in Elsendorf, Peguform/SMP in Neustadt und Schierling, Mahle-Behr in Neustadt, Kroschu in Abensberg und Johnson Controls in Neustadt oder auch Continental in Regensburg hängen viele Arbeitsplätze im Kreis an der Automobilindustrie.

Die meisten Firmen halten sich diesbezüglich bedeckt, den Pessimismus der Unternehmensberater teilt aber Lorenz Hinterreiter, Werksleiter bei Johnson Controls: „Ich sehe die Zukunft nicht unbedingt optimistisch – 15 Prozent weniger Arbeitsplätze in fünf Jahren, da gehe ich d’accord. Der Konkurrenzkampf ist stärker denn je, besonders durch Abwanderung der Automobilindustrie in den Osten Europas. Den Herstellern ist egal, wo sie produzieren. Es geht sogar soweit, dass in Verhandlungen verlangt wird, Zulieferern hierzulande nur Aufträge zu erteilen, wenn die Gehälter entsprechend den Fertigungsländern im Osten angepasst werden – eine brutale Methode.“

Die Euphorie des Herstellungs- und Zulieferstandorts Deutschland sei vorbei, auch wenn die Märkte boomen. „Global gesehen, gibt es für die Autoindustrie genügend Geschäft“, sagt Hinterreiter. „Aber in Westeuropa stagniert der Markt, der Kuchen für die Zulieferer wird nicht mehr größer.“ Fabriken würden aber mittlerweile dorthin verlagert, „wo der Markt ist. Für die USA wird in den USA gebaut, für China in China.“

Landkreis hat Standortvorteil

Doch genau deshalb habe der Landkreis Kelheim einen Standortvorteil –BMW und Audi sind quasi um die Ecke in Regensburg, Münchsmünster und Ingolstadt angesiedelt. „Das ist ein Vorteil, aber keine Sicherheit“, sagt Hinterreiter. Denn die vormals verlangte Sequenzfertigung, dass Zulieferteile eine Stunde nach Fertigstellung beim Autohersteller ankommen und verbaut werden, gelte so nicht mehr. „Da hat ein Umdenken stattgefunden – schon seit zehn Jahren.“ Tendenziell sei es so, dass hochautomatisierte Arbeitsvorgänge oder komplexe Teile, die eine ebenso komplexe Lieferung nach sich ziehen, – wie etwa Instrumententafel –weiter vor Ort gefertigt würden. „Besonders kleinere Teile, die leicht zu transportieren sind oder einen hohen Grad an manueller Fertigung bedürfen – wie Türverkleidungen – werden aber beispielsweise in Ungarn gefertigt. Dort verdient ein Sattlermeister ein Drittel des Lohns wie hier im Landkreis.“

Arbeiten von Auftrag zu Auftrag

Johnson habe aber „eine gute Position, wobei wir grundsätzlich von Auftrag zu Auftrag leben. Die haben wir momentan und werden sie auch in Zukunft bekommen – es ist eben nur eine Frage der Größenordnung. Aber wie gesagt: Gerade durch fortschreitende Automatisierung können Arbeitsplätze verloren gehen.“

Auch Rej Husetovic, Senior Manager External Communications & Public Relations bei Magna International äußerte sich zum Thema: „Die Studie an sich kann ich nicht kommentieren, da mir hierzu die Hintergründe fehlen. Magna ist ein globales Unternehmen, das mit Innovationen und Produkten nah am Kunden ist. In Elsendorf ist unser Geschäftsbereich Cosma mit einem Werk angesiedelt, das Karosserieteile an unterschiedliche Hersteller in Deutschland liefert. Wir sind als Unternehmen zuversichtlich, was die nahe Zukunft betrifft – global und auch in Elsendorf. Eine definitive Voraussage gliche aber einem Blick in die Kristallkugel.“

Ob Pessimismus oder Optimismus – Sicherheiten kann keiner der Autozulieferer seinen Arbeitnehmern geben.

Continental ist Marktführer

  • Druck wächst:

    Die Automobilzulieferindustrie ist einem extrem hohen Druck ausgesetzt. Die Einflussfaktoren reichen von härter werdendem globalem Wettbewerb, Kosten- und Preisdruck der KFZ-Hersteller, Anstieg der Materialpreise bis hin zum Verhalten von Banken und Finanzinvestoren. Die Folgen sind:

  • Schlechte Aussichten:

    Die Konzentrationsprozesse beschleunigen sich. In den kommenden Jahren werde die Zahl der Zulieferbetriebe in Deutschland hauptsächlich aufgrund fehlender Finanzmittel weiter sinken. Nach der Studie „FAST 2015“ von der Fraunhofer-Gesellschaft und Mercer wird diese Zahl bis 2015 um die Hälfte zurückgehen.

  • Die weltweit führenden Unternehmen (2013):

    Continental, Deutschland, Jahresumsatz 33,324 Milliarden Euro; Bosch, Deutschland, 30,700 Mrd.; Denso, Japan, 27,794 Mrd; Magna, Kanada, 24,949 Mrd.; Bridgestone, Japan, 24,619 Mrd.; Hyundai Mobis, Korea, 23,255 Mrd.; Johnson Controls, USA, 20,933 Mrd.; Michelin, Frankreich, 20,247 Mrd.; Aisin Seiki, Japan, 18,918 Mrd.; Faurecia, Frankreich, 18,028 Mrd. Quelle: Wikipedia

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