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Feuerwehr

Bei 900 Grad einen kühlen Kopf bewahren

Im Brandübungscontainer trainieren Wehren aus dem Landkreis für den Extremfall. Sie lernen sparsam mit Löschwasser umzugehen.
Von Philipp Froschhammer

Es brennt und es qualmt. Trotzdem wagen sich die Atemschutzträger in die Flammenhölle, um unter Realbedingungen zu üben.
Es brennt und es qualmt. Trotzdem wagen sich die Atemschutzträger in die Flammenhölle, um unter Realbedingungen zu üben. Fotos: Froschhammer

Kelheim.Es brennt lichterloh, schwarzer Rauch steigt in einer zehn Meter hohen Säule zum Himmel auf. Am Boden kauern neun Menschen, im Rauch nur schemenhaft zu erkennen. Und doch kommt von den umstehenden Männern keiner auf die Idee, die Feuerwehr zu rufen! Sie machen lieber Fotos, Witze, und ein paar von ihnen rauchen gemütlich eine Zigarette.

Einen Notruf brauchen sie auch nicht absetzen – sie sind ja die Feuerwehr. Und die Rauchschwaden steigen aus dem Brandübungscontainer auf. Innenministerium und Landesfeuerwehrverband Bayern stellen ihn den Feuerwehren zur Verfügung, Kreisbrandmeister Michael Gruber hat ihn nach Kelheim geholt. So üben Atemschutzträger aus dem ganzen Landkreis das Löschen unter extremen Bedingungen.

Um gut geschützt zu sein, helfen sich die Feuerwehrler beim Anlegen der Atemschutzgeräte gegenseitig.
Um gut geschützt zu sein, helfen sich die Feuerwehrler beim Anlegen der Atemschutzgeräte gegenseitig.

Dafür wird der Container mit Spanholzplatten und alten Europaletten befüllt. Ausbilder Florian Weis, der mit dem Container durch die bayerischen Landkreise tourt, entzündet das Feuer. Dann müssen die acht Feuerwehrler gemeinsam mit Ausbilder Weis etwa eine Viertelstunde in dem brennenden Raum ausharren.

Im 900 Grad Container eingesperrt

Als alle Feuerwehrler in dem brennenden Container sitzen, wird die Tür zunächst geschlossen. „Der ganze Raum füllt sich mit Rauch. Man sieht die eigene Hand vor Augen nicht mehr“, beschreibt Sepp Rummel, einer der Atemschutzträger der Freiwilligen Feuerwehr Saal. „Zuerst steht der Rauch an der Decke, doch binnen weniger Sekunden ist der ganze Container schwarz.“ Nach zwei Minuten öffnet sich die Tür wieder.

Im Brandübungscontainer kann es rund 900 Grad heiß werden.
Im Brandübungscontainer kann es rund 900 Grad heiß werden.

Der Anblick erinnert an „Star Wars“: Dichter Rauch drückt aus der kleinen Türöffnung. Zu hören sind nur die gleichmäßigen Atemzüge der Atemschutzträger, die an Darth Vader erinnern, und das Knacken des Holzes, das unter den Flammen zusammenbricht.

Während der Rauch durch die geöffnete Tür abzieht beginnen die acht Feuerwehrler drinnen mit dem Löschen. „Übungsziel ist es nicht, das Feuer möglichst schnell zu löschen, sondern ein Gefühl dafür zu bekommen, wie man sinnvoll und geschickt mit dem Wasser umgeht“, erklärt Weis.

Anzug gegen Hitze und Flammen

Denn sorgloser Umgang mit dem Wasser wäre für Feuerwehrler brandgefährlich: Zwar tragen die Atemschutzträger eine spezielle Kleidung, die sie vor Hitze und Feuer schützt. „Jedoch dringt heißer Wasserdampf auch durch diese Kleidung“, weiß der Ausbildungsleiter. Und aus einem Liter Löschwasser werden im Feuer 1700 Liter Dampf! Deshalb lernen die Feuerwehrler mit dem Wasser sparsam umzugehen. „Beim Löschen sollte man einen kühlen Kopf bewahren“, sagt Weis. Schlauch auf, zu, auf, zu – mit kleinen Spritzern bringen die Feuerwehrler die Flammen unter Kontrolle. So können sie Verbrühungen am eigenen Körper vermeiden.

Ablauf im Brandübungscontainer

  • Kleidung anlegen:

    Damit die Atemschutzträger den 900 Grad heißen Container betreten können, müssen sie die Schutzkleidung und die Atemschutzgeräte anlegen. Dabei helfen sie sich gegenseitig, damit keine Stelle am Körper ungeschützt bleibt.

  • Feuer anzünden:

    Erst müssen die Feuerwehrler selbst anpacken: Sie befüllen den Container mit Spanplatten. Dann wird das Feuer entzündet und der Container geschlossen. Nach zwei Minuten ist der gesamte Raum voller Rauch, und die Flammen lodern.

  • Im Container:

    Unter Anleitung von Florian Weis, Ausbilder der Firma Dräger Safety, bleiben die Atemschutzträger eine Viertelstunde im Container. Jeder darf mal löschen– und die Atmosphäre des brennenden Raums auf sich wirken lassen.

  • Kleidung ausziehen:

    Beim Ablegen der Kleidung müssen die Feuerwehrler besonders aufpassen. Das Plastik der Helme sowie Eisenteile an der Kleidung, etwa Reißverschlüsse, haben sich erhitzt und können noch nach dem Einsatz Verbrennungen verursachen.

„Es hängt stark vom Anzug ab. Ich hatte die Ausrüstung der Werksfeuerwehr und habe nichts gespürt. Aber Kollegen von anderen Wehren wurde es an den Knien und den Handgelenken warm“, erzählt Rummel.

Nach dem 15-minütigen Brand muss der Container wieder abkühlen, denn weitere Atemschutzträger warten schon. In drei Stunden zündet Weis die nächsten Spanholzplatten an.

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