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Tradition

Berzl – 120 Jahre Wirtshaus-Tradition

Der Kelheimer Familienbetrieb feiert Jubiläum – mit neuer Wirtin: Franziska Berzl übernahm im Januar den Betrieb.
von Benjamin Neumaier

Stammtische gab es beim Berzl schon immer –der damalige Wirt Joseph Berzl sen. (li) und dessen Sohn Joseph (2. v. l.) mittendrin.
Stammtische gab es beim Berzl schon immer –der damalige Wirt Joseph Berzl sen. (li) und dessen Sohn Joseph (2. v. l.) mittendrin. Foto: Berzl

Kelheim.„Egal ob Sozialist oder auch Kommunist, mir ist egal, wer meine Würschtl frisst“ – Josef Berzl zitiert das Geschäftsmotto seines Großvaters Joseph Berzl aus den 1920er Jahren und schmunzelt. „Damals wurde in Wirtshäusern noch viel mehr politisiert als heute, ja Politik spielte sich großteils in Wirtshäusern ab.“ Sein Vater sei schon als Kind am Stammtisch dabei gewesen, hätte oft davon erzählt und auch Josef Berzl selbst sei „im Gasthof und der dazugehörigen Metzgerei aufgewachsen“. Den Gasthof am Altmühltor gibt es nun schon 120 Jahre – und die Berzls blicken stolz zurück auf eine Zeit voller Veränderungen.

Metzgerei gab es schon um 1700

Schon um 1700 gab es im heutigen Anwesen eine Metzgerei, allerdings unter dem Namen Lickleder. „Circa 1848 hat dann ein Berzl eingeheiratet oder auch das Anwesen gekauft, das wissen wir heute nicht mehr, eine Urkunde gibt es nicht“, sagt Josef Berzl. Die Metzgerei wurde bis zu einem Brand 1890 weitergeführt. Das bis zum Erdgeschoss abgebrannte Gebäude wurde etwas höher wieder aufgebaut und schließlich 1896 mit dem Tafernrecht – vergleichbar mit der heutigen Gaststättenkonzession – ausgestattet. „Das kann man aber nicht mit heute vergleichen“, sagt Josef Berzl, „es gab Metzgereiprodukte wie Blut- und Leberwurst, Handwurst oder Leberkas, ein Tagesessen und etwa drei Fremdenzimmer. Gerade mal fünf Tische standen damals in der Gaststube.“

Der Gasthof Berzl heute: 150 Plätze im Innenraum, 120 Plätze im Biergarten, dazu 15 Fremdenzimmer und ein Café.
Der Gasthof Berzl heute: 150 Plätze im Innenraum, 120 Plätze im Biergarten, dazu 15 Fremdenzimmer und ein Café. Foto: Berzl

Heute, in der sechsten Generation angekommen – Tochter Franziska Berzl (28) führt seit 1. Januar diesen Jahres den Betrieb – bietet der Gasthof 150 Plätze im Gastraum, 120 Biergartenplätze sowie 15 Fremdenzimmer und in einem anderen Haus Ferienwohnungen.

„Dafür gibt es den Metzgereiladen nicht mehr“, sagt Franziska Berzl. Vater Josef führe zwar die Metzgerei noch weiter, „aber nur für den Wirtshausgebrauch oder was so an Fleisch über die Theke geht“.

Den Metzgereiladen an der Kanalseite des Altmühltores gibt es heute nicht mehr – die Laufkundschaft nahm peu à peu ab.
Den Metzgereiladen an der Kanalseite des Altmühltores gibt es heute nicht mehr – die Laufkundschaft nahm peu à peu ab. Foto: Berzl

Im Dezember 2014 sahen sich die Berzls gezwungen, den Metzgerladen aufzugeben. Josef Berzl: „Mit Bau des Kanals, der Fußgängerzone und der Fußgängerbrücke in den 1980er Jahren verschwand bei uns Stück für Stück die Laufkundschaft – es hat sich nicht mehr rentiert.“ Das ging auch anderen Metzgereien so: Von 19 Stück im Stadtgebiet im Jahr 1970 ist nur eine geblieben.

Das war früher anders. Am Altmühltor lag eine der großen Einfahrtstraßen in die Kreisstadt, fahrende Händler, Bauern, die auf den Markt fuhren oder Handwerker auf der Walz sowie Laufkundschaft standen täglich zuhauf im Laden. Deshalb machten auch alle Berzl-Männer, die die Wirtschaft führten, ihren Metzgermeister. Nur während des Zweiten Weltkriegs gaben sie die Führung kurzzeitig aus der Hand und verpachteten an Heinrich Kargl, der nach dem Krieg nach Neustadt abwanderte. Joseph Berzl sen., gerade aus russischer Kriegsgefangenschaft geflohen, übernahm im Jahr 1946, veränderte Metzgerei und Wirtschaft aber kaum. Das oblag dann seinem Sohn, Josef Berzl, der 1981 – zusammen mit seiner Frau Christa – in die Fußstapfen des Vaters trat.

1986 wurde aus- und umgebaut

Der heute 59-Jährige übernahm nicht nur, er erneuerte. „Die Gästezimmer waren Einzelzimmer, Toilette und Bad lagen auf dem Gang - das war nicht mehr zeitgemäß“, sagt er. 1986 wurde ein Nebengebäude gekauft, die Gästezimmer in Doppelzimmer umgewandelt – 15 an der Zahl – und nach dem neuesten Standard ausgestattet. Dazu wurde die Wirtstube vergrößert und um zwei Nebenräume erweitert. „Früher existierte der Gasthof neben der Metzgerei, heute ist das umgekehrt“, sagt Josef Berzl. 1996 folgte in einem naheliegenden Gebäude die Schaffung von sieben Ferienwohnungen. „Mein Vater hat mir nach der Übergabe freie Hand gelassen – so mache ich das auch mit meiner Tochter. Ich wollte den Betrieb übergeben, nicht zu lange daran festhalten“, sagt Josef Berzl.

Fünfte und sechste Generation: Josef und Franziska Berzl
Fünfte und sechste Generation: Josef und Franziska Berzl Foto: Neumaier

Die Tochter schwingt seit Anfang des Jahres den Kochlöffel im Familienbetrieb. Nach der Ausbildung in Regensburg und fünf Jahren Berufserfahrung in der Schweiz verschlug es die Küchenmeisterin 2013 wieder in die Heimat – „weil schon sehr früh klar war, dass ich den Betrieb mal übernehme“, sagt sie. Die Geschwister Gabi (34), Christl (32), Barbara (23) und Josef (22) „hatten damit nichts am Hut.“

Große Umbauten plant Franziska Berzl aktuell nicht: „Mal schauen, was kommt.“ Gedanken macht sie sich allerdings um die Metzgerei. „Die wird, wenn mein Vater mal nicht mehr kann, wohl wegfallen.“ Der fügt sofort an: „Also 20 Jahre kann ich das schon noch machen.“

Und auch wenn die Zukunft der Metzgerei in den Sternen steht, ist die des musikantenfreundlichen Gasthauses eventuell schon gesichert. Mit Franziskas Tochter Maria (3) steht die siebte Generation schon parat.

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Tradition ist Trumpf

  • Metzgerei seit 1847:

    Erste urkundliche Erwähnung des Anwesens um 1600, Metzgerei seit 1847. Erwerb des Tafernwirtschaftsrechts im Februar 1896. Die Gastwirtschaft wird in der 6. Generation von der Familie Berzl geführt.

  • Musik:

    Der Gasthof Berzl ist seit 2004 musikantenfreundliches Wirtshaus und seit dem ist jeden vierten Freitag im Monat Musikantenstammtisch. Seit elf Jahren steigen im November die Kelheimer Volksmusiktage. „Anfangs spielten jeden Abend Musiker und mittlerweile haben wir die Volksmusiktage immer Donnerstag-, Freitag- und Samstagabend ab 19 Uhr“, sagt Franziska Berzl.

  • Brauereien:

    Das Bier kam bis in die 70er Jahre von der Klosterbrauerei Seitz in Kelheim. „Heute haben wir unser Bier von der Weißbierbrauerei Schneider in Kelheim und der Klosterbrauerei Weltenburg“, sagt Franziska Berzl. (nb)

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