MyMz
Anzeige

Böser Trockner, böser Fernseher?

„Stromfasten“ lehnte die Kelheimer MZ-Redakteurin Beate Weigert dankend ab. Stattdessen lieh sie sich ein Strommessgerät.
Von Beate Weigert

  • Bei der Bildauswahl zum Thema Stromverbrauch raunt mir die MZ-Bildkollegin zu: Dass „Frau am Herd“, am Geschirrspüler etc. schwerlich infrage kommen. Rufen sie doch alle „Frauchen im Haushalt“. Sie hat Recht. Allerdings sollte auch einer der großen „Stromfresser“ abgebildet sein. Sprich mutmaßlich Waschmaschine, Trockner, Herd oder Kühlschrank...Foto: obs/Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)
  • Welche Energie-Effizienzklasse haben die Haushaltsgeräte? Die Waschmaschine ist sicher nicht das älteste in unserem Zwei-Personen-Haushalt.

Kelheim.Nach dem „Plastik-Fasten“ im vergangenen Jahr legten mir die werten Kollegen schon kurz nach Aschermittwoch einen Selbstversuch „Stromfasten“ ans Herz. Ganz ehrlich: Auf ein – wenn auch zeitlich begrenztes – Leben im abendlichen Kerzenschein, mit Handwäsche und Gaskocher hatte ich keine Lust. Zumal meine bessere Hälfte dann vermutlich ins Hotel gezogen wäre. Und: Der sagen wir mal „Lern“-Effekt erschien mir ganz schön „unrealistisch“. Denn: Wir leben nun mal heute und nicht mehr im 19. Jahrhundert.

Stattdessen war für einige Zeit ein Strommessgerät – kostenlos ausgeliehen bei Christine Götz, der Klimaschutzmanagerin des Landkreises – mein Begleiter. Denn bis dato wurde die Stromrechnung bzw. gegebenenfalls eine Nachzahlung beglichen – ohne groß über den Verbrauch nachzudenken. Nur einmal als eine Sicherung defekt war und ich morgens das elektrische Garagentor – dank nicht installierter Notentriegelung – nicht auf bekam, blitzte auf, wie abhängig mein Leben vom Strom ist und wie selbstverständlich dessen Verfügbarkeit.

Glosse

Darauf könnt’ ich verzichten!

Ein Blick in die Restmüll-Tonne unseres Mehr-Parteien-Mietshauses genügt mir, um anderen die Welt zu erklären. Eigentlich findet sich dort nahezu alles,...

Bislang gehörte ich auch zur Mehrzahl der Zeitgenossen, die spontan nicht sagen können, wie viel Strom pro Jahr sie überhaupt aus den Steckdosen saugen. Dafür musste ich die Abrechnungen der vergangenen Jahre herauskramen.

Ohne Strom läuft bei mir nichts

Vor das Stromverbrauch-Messen stellten „meine“ Experten einen weiteren Hinweis: „Schreiben Sie doch mal alle ihre Elektro-Geräte auf“, sagten Energieberaterin Stephanie Ertl und Klimaschutz-Managerin Christine Götz. Na, gut. Also, da haben wir: Kühlschrank, Elektroherd, Geschirrspüler, Kaffee-Vollautomat, Thermomix, Toaster, Wasserkocher, Pürierstab, Mikrowelle, Quirl, Stereoanlage, Fernseher, DVD-Recorder, Sat-Box, zwei Stehlampen, Tablet-PC, zwei Smartphones, Notebook, diverse Ladegeräte, Akkus, Staubsauger, Aktenvernichter, Waschmaschine, Trockner, Druck-Fax-Scan-Kombi, Zahnbürste, Badradio, Föhn, Telefon, Router, Elektrogrill, diverse Nacht-/Schreibtischlampen, dazu in die Decke eingelassene Halogen-Lichter. 42 Stück, verteilt auf Büro, Flur, Bad, WC, Schlafzimmer, Wohn-/Esszimmer, Küche. Auch die Rollos in der Mietwohnung sind, ja genau, elektrisch.

Elektro-Schnickschnack, nicht doch!

Zum Einstieg ins Thema besuchte ich vor einiger Zeit einen Infoabend „Energiesparen in Haushalt und Alltag“, organisiert vom Klimaschutzmanagement des Landkreises. Erste Erkenntnisse: So schlimm kann unser Verbrauch gar nicht sein. Denn vom Referenten aufgezählte „unnötige“ Elektro- oder batteriebetriebene Geräte à la Teepinguin – den gibt’s wirklich! – das ist ein Schnabeltier, das nach programmierter Zeit den Teebeutel aus der Tasse zieht – elektrische Brotschneidemaschine, Pfeffermühle oder Dosenöffner habe ich nicht. Gut, unnötig ist immer relativ. Wer meine Liste liest, wird bestimmt auch fündig. Zwei Fachbegriffe wenig später lassen mich dagegen wieder stutzig werden. Zugegeben, von „Rebound“- und „Backfire“-Effekt habe ich noch nie etwas gehört. Die zur Verdeutlichung an die Wand projizierten Bilder sprechen für sich. Es sind zwei Autos zu sehen. Ein Golf, Baujahr 1975, und ein Golf, Baujahr 2011. Zweiterer ist fast doppelt so schwer und hat bis zu doppelt so viele Pferdestärken unter der Haube. Der Verbrauch für 100 Kilometer ist beinahe identisch. Durch ein Mehr an Funktionen werden Energieeinsparungen quasi aufgefressen. Wer also Energie sparen wollte, müsste sich „down-graden“, sprich mit einem deutlich „kleineren“ Modell begnügen. „Backfire-Effekt“ umschreibt die Tatsache, dass sich der Energiebedarf trotz Effizienzmaßnahmen sogar noch erhöht.

Spontan muss ich an unseren schönen großen neuen LCD-Fernseher denken. Auf dem die Bundesliga-Kicker und Co. nicht mehr so mickrig daherkommen, wahnsinnig scharf abgebildet sind und wenn man will, kann man gleich mit dem Fernseher ins Internet. Böser Fernseher? Wir werden sehen, Auflösung folgt!

Graue Energie

  • Begriff:

    Als graue Energie wird die Energiemenge bezeichnet, die für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung eines Produktes benötigt wird. Dabei werden auch alle Vorprodukte bis zur Rohstoffgewinnung berücksichtigt und der Energieeinsatz aller angewandten Produktionsprozesse addiert. Wenn zur Herstellung Maschinen oder Infrastruktur-Einrichtungen notwendig sind, wird üblicherweise auch der Energiebedarf für deren Herstellung und Instandhaltung anteilig in die „graue Energie“ des Endprodukts einbezogen. Das „Produkt“ kann auch eine Dienstleistung sein. Graue Energie ist somit der indirekte Energiebedarf durch Kauf eines Konsumgutes, im Gegensatz zum direkten Energiebedarf bei dessen Benutzung.

  • Verbrauch:

    Das Statistische Bundesamt errechnete, dass 2003 die durchschnittliche Energieintensität aller Waren ohne Energiegüter 4,5 MJ/Euro betrug. D. h. im gesamtwirtschaftlichen Mittel verursacht jeder Euro, den ein Endverbraucher ausgibt, zirka eine Kilowattstunde (= 3,6 MJ) an „grauer Energie“.

  • Beispiele:

    Auto: „Strombedarf eines Durchschnittshaushalts für zehn Jahre“ (etwa 30 000 kWh); PC: 3.000 kWh (plus 1,5 Tonnen Rohstoffe); 1 Kilo Schokolade: 2,5 kWh; ein Paar Schuhe: 8 kWh; zwei Aludosen: „Tagesstrombedarf eines Vierpersonenhaushaltes“ (also ca. 10 kWh). Quelle: wikipedia.de

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht