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Abwasser

Das Klärschlammkonzept – kaum umgesetzt

Der Umgang mit Klärschlamm ist im Landkreis Kelheim eigentlich per Konzept geregelt – wird aber kaum umgesetzt.
von Benjamin Neumaier

Thomas Ederer, Johann Schicklgruber und Peter Grabinger (v. l.) vor der Klärschlamm-Siebbandpresse.
Thomas Ederer, Johann Schicklgruber und Peter Grabinger (v. l.) vor der Klärschlamm-Siebbandpresse. Foto: nb

Kelheim.Zwischen Oktober 2009 und Mai 2010 erstellte die U.T.E. Ingenieur GmbH ein Klärschlamm-Konzept für den Landkreis Kelheim. Es regelt den Umgang mit Klärschlamm – oder sollte es zumindest. Thomas Ederer, Johann Schicklgruber und Peter Grabinger vom Abwasser-Zweckverband Kelheim/Saal (AZV) erklären das landkreisweite Konzept – und warum es noch nicht wie gewünscht funktioniert.

Das Ziel:

„Der Freistaat Bayern propagiert seit einigen Jahren den Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Nutzung des Klärschlamms. Es gibt noch kein Verbot, aber es soll so wenig Klärschlamm wie möglich auf Felder ausgebracht werden“, sagt Johann Schicklgruber. Hintergrund sei, dass im Klärschlamm Schadstoffe enthalten sind, „besonders Schwermetalle“; diese sollen nicht mehr in Böden und Wasser gelangen, erklärt Peter Grabinger. Zwar gebe es Unterschiede zwischen häuslichem und industriellem Klärschlamm – „verwendet werden soll aber keiner von beiden“, sagt Grabinger. Ein Ziel des Konzepts sei die Rückgewinnung von Phosphor aus dem Klärschlamm. „Phosphor ist ein endlicher Rohstoff“, erklärt Schicklgruber, „bei der Mono-Verbrennung – also alleinigen Verbrennung von entwässertem Klärschlamm – kann man aus der Asche Phosphor gewinnen.“

Das Konzept:

„Das Konzept sieht vor, dass der Nassschlamm, der in den Kläranlagen anfällt, von kleineren Anlagen zur Entwässerung in die größeren Anlagen gebracht wird: nach Abensberg, Mainburg und eben hierher nach Kelheim“, sagt Schicklgruber. Dort sollte der Nassschlamm entwässert und dann zur Monoverbrennung transportiert werden. Ein weiterer Nutzen für den Landkreis wäre dabei eine Reduzierung der Bürokratie. „Denn die landwirtschaftliche Ausbringung ist ein immenser Aufwand. Es müssen Bodenproben genommen, der Klärschlamm angemeldet werden. Jeder Hektar wird erfasst, das Landrats- und Landwirtschaftsamt informiert, jedes Gramm Ausbringung und dessen Transport aufgezeichnet. Die Ausbringungszeit ist zudem streng festgelegt, beträgt nur acht Wochen“, erklärt Peter Grabinger. Durch das Klärschlamm-Konzept sollte dieses Prozedere der Vergangenheit angehören.

Die Umsetzung:

Seit 2012 setzt der AZV Kelheim/Saal auf die Monoverbrennung von Klärschlamm. Dazu waren hohe Investitionen nötig. Alleine das Anschaffen der sogenannten Siebbandpresse – in der der Klärschlamm entwässert, von zwei Prozent Feuchtigkeitsgehalt auf 23 Prozent reduziert und zur Trockenmasse wird – kostete 500 000 Euro. „Dabei konnten wir die Presse in eine vorhandene Halle stellen – das können andere nicht“, sagt Ederer. Dazu baute der AZV eine Art riesiges Car-Port, eine Überdachung des Lagerplatzes des entwässerten Klärschlamms. „Mit einem sonnendurchlässigen Dach, damit der Klärschlamm weiter trocknet“, ergänzt Schicklgruber. Denn der Transport zu den Verbrennungsanlagen wird nach Gewicht berechnet. „Weniger Wasser, weniger Gewicht, weniger Kosten“, fügt Ederer an. Die Überdachung schlug mit 120 000 Euro zu Buche. Verbrannt wird der Klärschlamm noch nicht separat, sondern in Kohlekraftwerken und Zementwerken.

Die Nicht-Umsetzung:

So weit wie die Kelheimer sind längst nicht alle Kläranlagen im Landkreis –viele kleinere geben den Klärschlamm weiter an Landwirte ab. „Obwohl laut Konzept genau festgelegt war, wer den Klärschlamm zu den großen Anlagen nach Abensberg, Mainburg oder zu uns zu bringen hat“, sagt Schicklgruber. „Aber es passiert nicht, auch wegen steigender Kosten.“ Bei landwirtschaftlicher Verwendung zahlt der Kläranlagen-Betreiber dem abholenden Bauern 15 Euro pro Kubikmeter. „Die Mono-Verbrennung ist etwa doppelt so teuer“, sagt Grabinger. Die Kosten müssen über die Abwassergebühren auf die Bürger umgelegt werden, „anders ist das nicht möglich“, sagt Schicklgruber. 2500 Tonnen Klärschlamm werden pro Jahr in der Kelheimer Kläranlage entwässert, die Siebbandpresse läuft acht bis zehn Stunden täglich. „Wir hätten eine Kapazität von etwa 5000 Tonnen –ohne weiteren Ausbau“, sagt Grabinger.

Zukunftsaussichten:

Beim AZV Kelheim/Saal ist der Weg noch nicht zu Ende. zwei weitere Schritte sollen folgen. „Zum einen wollen wir eine Klärschlammtrocknung errichten. Dazu benötigen wir aber einen Standort mit überschüssiger Wärme, etwa eine große Biogasanlage“, sagt Grabinger. Die dürfe nicht zu weit von der Kläranlage entfernt sein – wegen der Transportkosten. „Der letzte Schritt wäre eine eigene Mono-Verbrennungsanlage“, sagt Schicklgruber. „Es gibt bereits Forschungen zu kompakteren Anlagen – und wir hätten Platz, auch für eine Erweiterung der Lagerfläche. Irgendwann wird der Bund die Ausbringung von Klärschlamm verbieten und nur noch die Verbrennung zulassen –und dann wollen wir vorbereitet sein.“ Ein bundesweites Verbot könne wegen zu geringer Lager-und Verbrennungs-Kapazitäten durchaus zu Problemen führen, rechnet Schicklgruber.

Kritik:

Derlei Anlagen seien im Landkreis bereits geplant gewesen, etwa bei der Südchemie – sie scheiterten aber am Veto einer Bürgerinitiative, schildert Schicklgruber. Ein weiteres Problem: „Die Schritte, die im Konzept angeführt sind, sind an sich vernünftig, werden aber von keiner Seite bezuschusst oder gefördert. Deshalb tritt man auf der Stelle.“ Auch wird kaum Klärschlamm nach Kelheim geliefert, dabei sollten aus Painten, Bad Abbach, Riedenburg, Hausen und Herrnwahlthann die Transporte nach Kelheim rollen. „In Baden-Württemberg ist die Verbrennung gesetzlich vorgegeben – und wurde gefördert. Da funktioniert es“, sagt Ederer. „Bund und Länder müssen reagieren, sonst haben wir ein Problem, wenn durch die sogenannte Hygienisierung die Ausbringung von unbehandeltem Klärschlamm auf Feldern verboten wird.“

Wünsche:

„Wir müssen die Mono-Verbrennung von Klärschlamm im Landkris Kelheim konsequenter umsetzen. Der durch das Klärschlammkonzept angeschobene Prozess ist aber eingeschlafen. Ohne eine gesetzliche Regelung bleibt es wohl dabei“, sagt Schicklgruber. „Klar ist das eine Frage der Finanzierung, aber irgendwann kommt das Problem unweigerlich auf uns zu.“ (nb)

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