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„Die Belastungsgrenze war erreicht“

Sieben junge Wasserretter lernten in der übervollen Donau alles über Fließgewässer. Ausbilder Michael Reil ist zufrieden.
Von Philipp Froschhammer

Michael Reil, Leiter der Fließgewässerausbildung der Wasserwacht Kelheim
Michael Reil, Leiter der Fließgewässerausbildung der Wasserwacht Kelheim

Kelheim.Die Fließgewässerübung fand im Zuge der Prüfung für die neuen Wasserretter statt. Worauf müssen die Wasserwachtler bei einem Einsatz besonders achten?

Wie bei allen Einsatzkräften spielt auch bei der Wasserwacht die Kommunikation unter den einzelnen Rettern eine wichtige Rolle. Wenn wir jedoch mit einem lauten Boot oder in einem Gewässer mit starker Strömung unterwegs sind, kommt es vor, dass die Funksprüche nicht gehört werden. Versuchen, sich gegenseitig anzuschreien, bring meistens noch weniger. Deshalb setzten wir bei solchen Einsätzen auf Zeichensprache. Halte ich meine Faust auf dem Helm, signalisiere ich beispielsweise, dass bei mir alles in Ordnung ist. Forme ich mit meinen Händen ein Dach über meinem Kopf und deute in eine Richtung, wissen meine Hintermänner, dass dort ein Hindernis im Wasser ist. So gibt es für alle wichtigen Aussagen ein Handzeichen. Für den Notfall habe ich dennoch fast immer ein wasserdicht verpacktes Funkgerät bei mir.

Was haben die jungen Wasserretter alles über Fließgewässer gelernt?

Zuerst gab es eine theoretische Einführung zum Thema Fließgewässer. Dabei haben die Wasserretter gelernt, wie man ein Fließgewässer richtig lesen kann. Einer der wichtigsten Aspekte dabei ist das Kehrwasser. Nach Buchten stößt die Strömung gegen das Ufer und bildet einen abgeschwächten Strom in die andere Richtung. An diesen Stellen können Personen am besten aus dem Wasser gerettet werden. Außerdem gibt es viele Hindernisse in Fließgewässern, wie ins Wasser ragende Baumstämme, Gestrüpp, das unter dem Wasser nicht sichtbar ist, oder Steine. Bemerkt man diese Hindernisse zu spät, kann man sich verhängen oder gar verletzten. Die in den Theoriestunden erlernten Fähigkeiten haben wird dann bei der Fließgewässerübung im Donaudurchbruch direkt angewandt.

Aus welchen verschiedenen Teilen bestand die Praxisübung?

Wir sind bei Stausacker in die Donau und sind erstmal am Kloster Weltenburg vorbeigeschwommen. Dann haben wir uns verschiedene Stellen angeschaut, an denen wir regelmäßig Einsätze fahren. Dort haben wir den jungen Wasserrettern von unseren Erfahrungen berichtet. Vor allem im Bereich der Kletterfelsen nehmen wir öfter Patienten auf. Meist handelt es sich um Kletterer, die abgestürzt sind. Da viele Stellen entlang der Felsen nur schwer über den Landweg erreichbar sind, fahren wir mit dem Boot beziehungsweise schwimmen zum Einsatzort. Dieses Gebiet fällt unter den Aufgabenbereich der Wasserretter – sprich Wasserwacht oder DLRG (Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft). Doch bei der Übung ging es nicht nur ernst zu – wir hatten auch richtig Spaß dabei. Nicht umsonst beurteilt jeder die Fließwasserübung als den schönsten Teil der Wasserretterausbildung.

Was macht den Nachwuchsrettern bei der Fließwasserübung besonders Spaß?

Am meisten Freude haben die Wasserretter, wenn wir gemeinsam von den Kletterfelsen springen. Doch auch dabei verlieren wir den Ernst nicht aus den Augen. Darum haben wir diesen Teil mit der Übung zur Wurfsackrettung kombiniert. Schließlich geht es bei der Wasserwacht nicht vorrangig um Spaß, sondern in erster Linie haben wir die Aufgabe Menschen in Not zu retten.

Kurz nach der Wurfsackübung bist Du mit einem Kollegen verschwunden. Was ist passiert?

Ein Kind hatte sich beim Kloster Weltenburg verletzt. Da wir gerade in der Nähe waren, sind wir auf unser Boot und dort hingefahren. Wir waren sogar vor unseren Kollegen vom Roten Kreuz vor Ort. Als Ersthelfer haben wir den Patienten versorgt. Für meinen Kollegen, der gerade seine Wasserretterausbildung beendet hatte, war es der erste echte Einsatz. Man muss sagen, er hat sich gut geschlagen.

Sieben junge Wasserretter absolvierten am Wochenende erfolgreich ihre Prüfung. Ludwig Häckl (links) und Michael Reil (rechts) überreichten die Zertifikate.
Sieben junge Wasserretter absolvierten am Wochenende erfolgreich ihre Prüfung. Ludwig Häckl (links) und Michael Reil (rechts) überreichten die Zertifikate.

Wie sind Sie mit dem Abschneiden der anderen Wasserretter, die an diesem Wochenende ihre Ausbildung beendet haben, zufrieden?

Zunächst muss man sagen, dass heute ein schwieriger Ausbildungstag war. Der Wasserstand war deutlich höher als üblich und dadurch hatte wir auch eine stärkere Strömung. Für die Ausbildung waren diese Verhältnisse hart an der Grenze. Man hat deshalb von den Leuten schon gemerkt, dass die Belastungsgrenze erreicht ist – nicht nur von der Kraft der Teilnehmer, sondern auch von den Temperaturen, die im Wasser sowie an Land vorherrschten. Deshalb muss ich sagen, dass ich sehr zufrieden mit allen bin. Das haben sie gut gemacht. Keiner ist eingeknickt, jeder hat sich bis zum Schluss durchgekämpft. Und das trotz der erschwerten Bedingungen. Auch das Sicherungsboot, das wir dabei hatten, wurde nicht zum Retten eines Wasserretters gebraucht.

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