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Die „Stunde der Wahrheit“

Mit gemischten Gefühlen sah MZ-Redakteurin Beate Weigert der Auswertung ihrer Strommessaktion entgegen.
Von Beate Weigert

Jeder Haushalt hat viele kleine Bausteine, an denen sich am tatsächlichen oder „kriechenden“ Stromverbrauch etwas verändern lässt.
Jeder Haushalt hat viele kleine Bausteine, an denen sich am tatsächlichen oder „kriechenden“ Stromverbrauch etwas verändern lässt. Foto: dpa

Kelheim.Ja, ich geb’s zu. Sätze à la „musst du überall das Licht brennen lassen?“ bekomme ich zuhause ab und an zu hören. Andererseits bin ich überzeugt, dass ich Strom spare, indem ich bei der Waschmaschine eine niedrigere Temperatur wähle, beim Backofen und am Herd die Restwärme nutze oder den Geschirrspüler nur anstelle, wenn er voll ist. Ich erwarte also mit gemischten Gefühlen die Auswertung meiner persönlichen Strommessaktion. Ich habe im eigenen Zwei-Personen-Haushalt vom Wasserkocher bis zur Waschmaschine den Verbrauch gemessen. Kelheims Landkreis-Klimaschutz-Managerin Christine Götz und Umweltberaterin Stephanie Ertl vom VerbraucherService Bayern in Regensburg geben mir Feedback.

200 Kilowattstunden jährlich könnte ich mir wohl noch sparen

Wie viel Geld mein Mann und ich pro Jahr für Strom ausgeben? Bis vor kurzem musste ich dazu spontan mit den Achseln zucken. Genauso wenig hatte ich den jährlichen Stromverbrauch im Kopf. Eine abgeheftete Jahresabrechnung gab die Info Preis. 1895 kWh. Im Vorjahreszeitraum waren es 2044 kWh. Erste Kommentare der Expertinnen lassen mich aufatmen: „Ihr Verbrauch liegt in der zweitniedrigsten Kategorie, also schon mal nicht schlecht“, bekomme ich von Christine Götz zu hören. Ertl findet den Wert „nicht gravierend hoch“. Im „Strompass“, den ich nun in Händen halte, klafft jedoch eine Lücke von etwa 500 kWh. Eigentlich müssten wir in unserer Mietwohnung mehr verbraucht haben. Christine Götz hatte ich im Vorfeld gefragt, ob es eine Rolle spielt, ob man tagsüber quasi nie zuhause ist oder nicht. Anscheinend doch: So erkläre sich nun wohl die „errechnete“ Lücke, sagt sie. Laut Strompass liegen unsere jährlichen Stromkosten bei 621 Euro. Das Einsparpotenzial ist farblich hinterlegt. Von Grün bis Dunkelrot ist alles drin. Unser Potenzial liegt im grünen Bereich. Dennoch ließe sich der Verbrauch noch um 200 kWh senken. Auf 1646 kWh. Und knapp 200 Euro sparen. Ertl hat eine Faust-Formel zum Stromverbrauch parat: Personenzahl mal 500 plus 500. Ergibt bei zwei Personen 1500 kWh. Einschränkung: Vorausgesetzt, dass Warmwasser nicht per Strom erzeugt wird. Sonst liegt er natürlich höher. Unter diesen Wert kommt nur, wer „sehr bewusst“ mit dem Gut „Strom“ umgeht.

Checken, ob der eigene Strom- Anbieter günstigeren Tarif hat

Doch auch ohne Verhaltensänderung wären noch ein paar Euro drin, sagt Stephanie Ertl. Wir sind im sogenannten Grundversorgungstarif unseres lokalen Anbieters eingruppiert. So wie der Großteil der Verbraucher. Meist gebe es aber beim vorhandenen lokalen Stromanbieter auch noch günstigere Tarife. Das wüssten nur viele nicht. Um Geld zu sparen, sei ein Wechsel zur Konkurrenz gar nicht nötig.

Wäschetrockner kostet jährlich über 100 Euro an Strom

Die größten Stromfresser in unserem Haushalt verwundern nicht: Es sind Beleuchtung, Wäschetrockner, Geschirrspüler, Kühlschrank und Waschmaschine. Der neue große Fernseher mit all dem Schnickschnack fällt dagegen nicht negativ auf. Puh! Dennoch sind einzelne Zahlen sehr eindrucksvoll. Allein für den Wäschetrockner der Energieeffizienzklasse B errechnen die Expertinnen Stromkosten von 108 Euro im Jahr. Durch ein energieeffizienteres Gerät ließen sich 63 Prozent der Stromkosten sparen. Auch der vom Vermieter eingebaute Geschirrspüler hat schon einige Jahre auf dem Buckel. Er kostet uns laut dem Kleingedruckten im „Strompass“ knapp 70 Euro pro Jahr. Durch ein neueres effizienteres Gerät könnte ich 23 Prozent der Stromkosten sparen. Für Kühlschrank, Geschirrspüler und E-Herd ließen sich von Christine Götz keine Energieeffizienzklassen ermitteln. Sie tauchen in den aktuellen Tabellen gar nicht mehr auf – weil zu alt. Dennoch ist eine Neuanschaffung von Elektrogeräten laut Stephanie Ertl immer eine Gratwanderung. Übersteigen höhere Anschaffungskosten die mögliche Ersparnis bei den Stromkosten? Es ist wohl Abwägungssache, was einem persönlich wichtiger ist.

Die gute oder die schlechte Nachricht zuerst?

Meine zum Check angeführten Kleingeräte, sprich Kaffeemaschine, PC, usw. scheinen einen normalen Verbrauch aufzuweisen. Allerdings zeigte das Strommessen auch, dass jedes Gerät im Stand-by-Modus Strom zieht. Hochgerechnet auf ein Jahr verbrauchen die getesteten Geräte 97 kWh. Alles „Kriech-Strom“ von dem ich nichts habe. Dafür steigt die Stromrechnung bei einem Strompreis von etwa 26 Cent pro kWh um 25 Euro. Sollten auch andere Geräte, deren Verbrauch ich nicht gemessen habe, ebenfalls im Stand-by-Modus Strom ziehen – was wahrscheinlich ist – , vergrößerte sich der „kriechende Verbrauch“ weiter. Weil: „Aus ist nicht gleich Aus“ ist und viele Geräte eben keinen echten Ausschalter besitzen, der sie vollständig vom Netz trennt, raten die Expertinnen dazu, den Stecker zu ziehen oder schaltbare Steckdosenleiste verwenden. Bei seiner Privat-Summe denkt man noch: So viel ist das jetzt auch nicht. Aber wenn man den Stand-by-Verbrauch deutschlandweit hochrechnet, kommt man laut Umwelt-Bundesamt auf vier Milliarden Euro jährlich, die sich sparen ließen.

Ich kann Energie-Sparlampen nicht ausstehen – und nun?

Was die Beleuchtung angeht, muss ich zugeben, dass ich gegen Energiesparleuchten große Vorurteile hege. Das Licht ist nicht so schön warm, wie bei Halogen oder herkömmlicher Glühbirne und auch dass es dank dem quecksilberhaltigen Innenleben als „Sondermüll“ entsorgt werden müssen, ist in für mich allein ein triftiger Grund sie nicht zu kaufen. Ja, Leuchtmittel sind ein „wahnsinnig emotionales“ Thema, sagt Umweltberaterin Ertl. Allein Infos zu Leuchtkraft oder Schaltfestigkeit überforderten viele. Mich eingeschlossen. Die Halogenstrahler, die einem in unserer Mietwohnung von allen Decken entgegenleuchten, sind zwar im Verbrauch etwa 25 Prozent besser als die klassische Glühbirne. Dennoch im Unterhalt relativ teuer und von eher kurzer Lebensdauer. Zudem werden sie „dank“ EU-Verordnung durch steigende Effizienzanforderungen bis 2016 sukzessive abgeschafft. In meinem Fall würde es in den Zimmern in denen das Licht täglich länger brennt, lohnen, diese gegen LED-Lampen auszutauschen. Die brennen bis zu 50 000 Stunden, haben eine sehr gute Schaltfestigkeit, sehr günstigen Verbrauch, kein Quecksilber, eine angenehme Lichtfarbe und gegenüber der Glühbirne eine Ersparnis von mehr als 80 Prozent. Manko: Die Anschaffung ist relativ teuer.

Strom gemessen – und was folgern wir daraus?

Das Ergebnis ist besser ausgefallen als gedacht. Und doch zeigte sich, dass sich die Stromkosten läppern. Auch durch den bequemen Stand-by-Modus. Also: Die bei uns durchaus vorhandenen schaltbaren Steckerleisten auch wirklich mal abschalten! Zudem gelobe ich mich beim „Licht brennen lassen“ zu bessern! Ehrlich, Schatz! Und wir sollten bald mal Ökostrom-Tarife checken. Einzelne LED-Lampen etwa in Wohnzimmer oder Küche sind denkbar, das nächste Mal im Baumarkt „Preise checken“ kommt ebenso auf die Liste wie beim anstehenden Staubsauger-Kauf auf die Energieeffizienz gucken. Und bei E-Geräten, die man eher selten braucht, könnte man ja auch mal bei der netten Nachbarin klingeln und sich eins ausleihen. So wie es früher Oma und Opa immer gemacht haben.

Tipps zum Energiesparen

  • Waschmaschine:

    Feuchtigkeit durch Wärme zu entziehen, braucht 100 Mal mehr Energie als höheres Schleudern in der Waschmaschine, sagte CARMEN-Energieexperte Keywan Pour-Sartip beim Vortrag in Kelheim „Energiesparen im Haushalt und Alltag“. Ein Schleudern der Wäsche bei 1600 Umdrehungen entfernt zehn Prozent mehr Wasser aus der Wäsche als das Schleudern bei 1200 Umdrehungen.

  • Beim Trockner-Kauf

    auf Effizienzklasse und Typ achten; beispielsweise ist ein Trockner mit Wärmepumpentechnik um 50 Prozent sparsamer als ein reiner Kondensationstrockner, so Pour-Sartip. Zudem auf Feuchtigkeitssensor achten und Fusselsieb regelmäßig reinigen.

  • Davon abgesehen

    , sooft es geht, die Wäsche im Freien auf der Leine trocknen, da Trockner sehr energieintensiv sind.

  • Kühlen und Gefrieren:

    Temperatur richtig einstellen und Gefrierfach regelmäßig abtauen: Kühlschrank auf ca. 7 Grad Celsius einstellen, Gefrierfach auf etwa -18 Grad Celsius. Eine Eisschicht von einem Zentimeter im Gefrierfach erhöht laut Pour-Sartip den Stromverbrauch um 50 Prozent. Beim Neukauf auf Energieeffizienzklasse und Dimensionierung achten; Gerät der Klasse A+++ braucht etwa 40 Prozent weniger Strom als Klasse A, ein 130-Liter-Kühlschrank mit Gefrierfach braucht etwa ein Viertel weniger Strom als 240-Liter-Gerät. Die „größte Sünde“, die viele begehen: Sie kaufen sich ein neues sparsameres Gerät und nutzen Altgeräte im Keller weiter. Davon rät der Experte ab. Weitere Tipps: Platz gut wählen: Gerät an einem kühlen Ort aufstellen, nicht neben Backofen oder Heizung, Kühlgitter an der Rückseite bzw. Belüftungsschlitze frei lassen und gelegentlich reinigen; Nutzung optimieren: Speisen außerhalb des Kühlschranks abkühlen lassen; Speisen im Kühlschrank auftauen lassen; Ordnung im Kühlschrank mindert Suchzeiten.

  • Spülen:

    Eine Spülmaschine für zwölf Gedecke ist effizienter als eine kleinere oder das Spülen „von Hand“. Eine Maschine der Energieeffizienzklasse A+++ spart 30 Prozent Energie gegenüber Klasse A.

  • Unterhaltungselektronik:

    Wer bei Geräten der Unterhaltungselektronik den Energiesparmodus nutzt, kann seinen Stromverbrauch reduzieren. Viele Geräte haben eine Energiesparfunktion – vom Fernseher bis zur Set-Top-Box. Ein Blick in die Produktunterlagen lohnt, findet Christine Götz vom Klimaschutzmanagement im Landkreis Kelheim.

  • Einsparpotenzial:

    Auch das Überprüfen der Voreinstellungen etwa beim Fernseher in Sachen Kontrast und Helligkeit, kann Einsparpotenziale aufzeigen. Sind diese zu hoch eingestellt, entstehen unnötige Kosten. Bei manchen Geräten kann man zwischen „Home“- oder „Shop“-Mode wählen. Der „Home“-Modus ist der sparsamere. Ein Notebook oder Tablet-PC ist effizienter als ein Desktop-PC, da auf langen Akkubetrieb ausgelegt. Bildschirmschoner verbrauchen unnötige Energie. Wer überflüssige Daten löscht oder Daten extern speichert, spart ebenfalls. (re)

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