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Unterhaltung

Hoecker und die Fallstricke der Sprache

Der Comedian hatte sein Publikum in Kelheim von Anfang an im Griff – auch als plötzlich das Licht im Saal ausfiel.
Von Renate Beck

Bei Bernhard Hoecker will niemand falsch liegen.
Bei Bernhard Hoecker will niemand falsch liegen. Foto: Beck

Kelheim.Ob den Komiker Bernhard Hoecker das GPS-Gerät nach Kelheim gelotst hat, bleibt sein Geheimnis. Etwa 220 Fans freuten sich vergangenen Freitagabend im Saal des Weißen Brauhauses auf sein Eintreffen und sein Programm „So liegen Sie richtig falsch!“.

Hoecker aus Neustadt an der Weinstraße wurde einem größerem Publikum vor allem durch die Parodiesendung „Switch“ auf dem Privatsender „ProSieben“ bekannt sowie als Mitglied des Rateteams bei „Genial daneben“, einer Comedy-Sendung auf „Sat 1“.

Von Anfang an zog er das Publikum in seinen Bann. Leger gekleidet mit grünem Shirt, Jeans und Turnschuhen stellte er die verschiedensten Fragen an das Publikum, die sogleich humorvoll beantwortet wurden. Auch die Antwort: „Ja, oa Ampel ham mir“, die Hoecker mit seinem gemischten Dialekt nachsprach und ergänzte: „Wo steht denn die?“ – „Da, wo es sich staut“, so die Worte unter Publikumslachen aus den Zuschauerreihen. Dem folgte ein fassungsloses „Kann es sein, dass ihr gar keine Straßennamen habt?“. Hoeckers Einblick in die Zeichensprache zeigte ebenso humorvoll die unterschiedliche, daher manchmal auch peinlich werdende Bedeutung in den unterschiedlichen Ländern auf. „Er lässt sich den ein oder anderen Lapsus diesseits und jenseits des göttlichen Horizonts auf der analytischen Zunge zergehen, entlarvt die aberwitzigsten Wahrnehmungsverzerrungen und schreckt noch nicht einmal davor zurück, der Evolution ihre Fehler vorzuhalten“, kann man als Begleittext seines Programmes im sozialen Netz lesen.

Die Scheinwerfer der Bühne fingen an zu flackern. „Mich macht’s nicht nervös. Nur – ihr da sitzt in der ersten Reihe. Ist ein Fachmann hier? Ich habe nur Techniker“. Dass auch der anschließende Totalausfall der Beleuchtung zum Programm gehören könnte, glaubte in der Dunkelheit wohl kaum jemand. „Sind Geocatcher da?“ fragte er belustigt in die Menge. Dank der blitzschnell reagierenden Techniker ging’s mit gewohnter Beleuchtung in die weitere Frage- und Antwortrunden. Hoecker verstand manche Dialektsprechende im Saal schlecht, meinte daher: „Lernt ihr in der Schule denn auch so sprechen, wie ihr schreibt?“ „Ja. Aber, man verlernt es wieder“ kommt umgehend aus der dritten Reihe.

Die Lacher hatte er während seines gesamten Programmes auf seiner Seite, sowohl bei den Missverständnissen in den verschiedenen Ländern, der Fehldeutung der Hornhelme der Wikinger, dem Gefühl, nicht richtig verstanden zu werden als auch bei seiner Sicht auf die zur Raute gefalteten Hände von Angela Merkel. Ein junges Paar beantwortete nach dem Motto „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“ seine Fragen nach dem Kennenlernen. „Beim Konzert Sound of Frankfurt“: Sie habe ihn angesprochen, er weiß es aber nicht mehr. Wie zur Untermalung klang dazu ein Handy-Klingelton mit Vogel-Sound aus dem Zuhörerbereich. Der Saal lachte und applaudierte begeistert auch über die Schlussszene mit Hoeckers Definition der „Zimmerlautstärke“ hinaus. Mit seinem textmäßig auf den vergangenen Abend angepassten Lied „Vorbei, vorbei…“ verabschiedete er sich händeschüttelnd von seinem „professionellen Publikum“.

Und das sagt das Publikum über Hoecker in Kelheim: Valentin Kirzinger aus Ihrlerstein wollte einmal einen Kabarettisten live erleben, war deshalb mit seinem Vater Alfons hier. „Er baut alles gut ein, ist sehr spontan.“

Marion Habereder aus Kelheim sagte: „Ich finde seine Sprüche gigantisch. Da ist viel Wahrheit drinnen.“

Thomas Schmidt aus Langquaid genoss mit seiner Frau den Abend: „Er sagte keine drei Sätze, da standen mir schon die Lachtränen in den Augen.“

Astrid Rank aus Kelheim besuchte mit Mann und Sohn die Veranstaltung. Wie viele weitere Besucher fand auch sie gut, „dass er so schlagfertig auf das Publikum reagiert“.

Elke Wilhelm aus Obertraubling ist begeisteter Fan, teilt sogar Hoeckers Hobby „Geocaching“ mit ihm.

Namentlich nicht genannt werden wollten zwei Besucher, die meinten „ Bernhard Hoecker kommt im Fernsehen immer als sehr intelligent rüber. Warum stellt er die Kelheimer als dumm hin?“.

Eine andere Stimme zur Verteidigung: „Das gehört vielleicht zu seinem Programm.“

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