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Dienstschluss

„Ich freu’ mich jetzt auf die Zäsur“

Am heutigen Montag endet die Amtszeit von Kelheims Landrat Dr. Hubert Faltermeier. Er tauscht Akten gern gegen Handfesteres.
Von Martina Hutzler

Kelheim. Die Bilder hängen noch, hinter den Milchglas-Schranktüren schimmern Aktenordner durch – nur in einem Eck des Landratsbüros ist Wand zu sehen, wo vorher was hing. Was war’s doch gleich?

Herr Landrat, was nehmen Sie denn mit, wenn Sie heute Ihr Büro im Landratsamt endgültig verlassen?

Die Rehhörndln, die dort an der Wand hingen: der erste Bock, den ich geschossen habe – auf der Jagd, bitteschön, nicht dienstlich! Alles andere bleibt hier.

Nichts, woran Sie hängen?

Na, der alte Safe tät'’ mir schon gefallen. Aber den auszubauen… lieber nicht!

Was lassen Sie denn ideell gerne zurück?

Ach, schwer zu sagen – Männer haben es mehr mit den Fakten… Man ist froh, wenn man die Verantwortung ablegen und sagen kann, dass man ein geordnetes Amt übergibt. Ich war gerne und mit Begeisterung Landrat, aber ich freu’ mich jetzt auf die Zäsur.

Was ist Ihre letzte Amtshandlung heute?

Der Festakt zum 100. Geburtstag von Altlandrat Franz Lang.

Und was war vor 24 Jahren Ihre erste Amtshandlung?

Weiß ich wirklich nimmer… Sehr bald jedenfalls hab ich die Mitarbeiter zusammengerufen, mich vorgestellt.

Was waren Ihre Maximen als Chef?

Gleichbehandlung, keine Spezln, keine Parteienwirtschaft: Da hatte ich eine klare Linie. Außerdem habe ich auf Konstanz und Sachkenntnis gesetzt statt auf Rotation. Und auf das Delegieren – an führende Mitarbeiter, an die Sachbearbeiter. Wie bei meiner Verabschiedung gesagt: Es ist ein tolles Team hier; es hat nie jemand versucht, mir eine Falle zu stellen!

Spezlwirtschaft sagt man der Politik oft nach. Wo liegt die Grenze zwischen politischem Kompromiss und Mauschelei?

Gegenseitige Zugeständnisse in gewissem Rahmen sind ok, aber es muss der innere Zusammenhang gewahrt sein. ,Diese Zustimmung für jenen Posten‘, solche sachfremden Kompensationen habe ich strikt abgelehnt.

Bei seiner Abschiedssitzung Ende Oktober wurde Landrat Dr. Hubert Faltermeier vom Kreistag mit dem Ehrenring des Landkreises ausgezeichnet.
Bei seiner Abschiedssitzung Ende Oktober wurde Landrat Dr. Hubert Faltermeier vom Kreistag mit dem Ehrenring des Landkreises ausgezeichnet. Foto: Pieknik

Der ,großen‘ wie der Kommunalpolitik fehlt zunehmend der Nachwuchs…

Das sehe ich mit Sorge. Klar: Der heutige Berufsalltag lässt oft den Einstieg in die Politik nicht mehr zu. Und die eigene Familie fordert auch einen Politiker – zu Recht! – viel mehr als früher. Aber eine Hürde ist vielleicht auch, dass die Parteien sehr viel Basisarbeit verlangen, bis man Landrat oder Bürgermeister werden darf. Vielleicht sollten sie ,Quereinsteiger‘ stärker in Betracht ziehen: das könnte eine Chance sein…

Sagt der Freie-Wähler-Quereinsteiger…

Der klassische Parteipolitiker war ich nicht und wollte ich nie sein. Landrat und Freier Wähler: für beides ist die Initiative nicht von mir ausgegangen. Die FW haben vor der Wahl 1992 einen Kandidaten gesucht und mir das angetragen.

Haben Sie die je bereut, dass Sie zugestimmt haben?

Nein, nie! Es war hochinteressant, spannend. Ob ich’s wieder machen würde, weiß ich aber nicht. Die zeitliche Belastung ist immens.

Einschätzungen

  • Ihr größter Erfolg?

    „Das möchte ich nicht selbst bewerten. Kelheim hat ein fleißiges, hoch angesehenes Landratsamt – dazu habe ich, hoffentlich, beigetragen. Bekannt ist, dass mir die Schulen und Krankenhäuser wichtig waren.“

  • Ihre größte Niederlage?

    „Das Hochwasser ’99, diese Naturgewalt hat mich sehr getroffen. Ich hab’ viel gegrübelt, was wir hätten anders machen sollen. Aber es war klar: Keine Menschenleben opfern, um den Damm zu halten.“

  • Ihr Rat an die Politik?

    „Die Kreisumlage ist das falsche Finanzierungsinstrument für Landkreise. Der Gesetzgeber sollte den Kreisen und Bezirken lieber einen festen Schlüssel von einer Steuer zur Verfügung stellen.“

  • Ihr Rat an den neuen Landrat Martin Neumeyer?

    „Ganz bewusst: keiner! Er wird seinen eigenen Weg gehen, und er hat eine gute Verwaltung an der Seite. Ich hätte es vor 24 Jahren auch nicht gewollt, dass man mir einen Rat gibt.“

Haben die 24 Jahren Sie verändert?

Hm, wird das Fell dicker oder löchriger?… Beides wohl. Dicker in Angelegenheiten, wo sich dieselben Argumente immer wiederholen. Löchriger, wenn man für etwas, das sich seit Jahren bewährt hat, Kritik erntet: Da reagiert man ungehaltener. Aber an sich bin ich ja nicht der Typ, der sich selbst durchleuchtet.

Dann eben den Landkreis: Was ist Kelheims größtes Plus aus Landratssicht ?

Man kennt sich, hilft sich: Das finde ich toll bei uns. Der Landkreis ist überschaubar und hat hohe Kontinuität an wichtigen Stellen wie Feuerwehr, BRK, Kliniken – das erlaubt eine gute, verlässliche Zusammenarbeit. Und Familien können hier sehr gut Leben und Arbeiten vereinen.

Welche Herausforderungen sehen Sie für den Landkreis?

Die Dezentralität zu wahren. Alles wird fusioniert, wird größer – Ämter, Firmen, Kliniken. Aber Lebensqualität ist es auch, wenn Infrastruktur vor Ort ist, wenn man seine Ansprechpartner kennt. Gefährlich ist auch die unglaubliche Reglementierungswut, bei EU, Bund und Land. Die Kommunen bräuchten mehr Spielraum.

Was steht ab 1. November auf Ihrer persönlichen „To-do“-Liste?

Nichts.

Nicht mal Urlaub??

Nein, meine Frau Heidi und ich haben beschlossen: Wir machen jetzt: einfach mal nix!

Und nach dem Nichtstun?

Es ist ja bekannt, dass ich mich gern handwerklich betätige. Das war bisher auch eine Art Kompensation für mich: Anders als in der Politik hat man, wenn man mit den Händen arbeitet, relativ schnell ein Ergebnis – ob gelungen oder nicht… Das Schöne künftig ist, dass ich endlich mal an einer Sache dran bleiben kann, ohne dass schon wieder der nächste Termin wartet.

Haben Sie deshalb auch all Ihre sonstigen Ämter, Posten, Vorsitze abgegeben?

Ja, aber ich wollte auch einen klaren Cut, für mich, für meine Familie und nach außen. Und ich wollte meinem Nachfolger freie Hand lassen.

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