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Theater

Ist der „Gertner“ der Mörder?

Mimen der Unter- und Mittelstufe des Gymnasiums beeindruckten. Neben Comedy kam Gesellschaftskritik nicht zu kurz.
Von Thomas Kreidemeier

Die Mittelstufe spielte ein gewagt provokantes, aber enorm lustiges Stück – hier bezirzt Prostituierte Nancy den schüchternen Raimund. Foto: Kreidemeier
Die Mittelstufe spielte ein gewagt provokantes, aber enorm lustiges Stück – hier bezirzt Prostituierte Nancy den schüchternen Raimund. Foto: Kreidemeier

Kelheim.Ist das wirklich noch jugendfrei? Und ein geeignetes Stück fürs Schultheater? Das wird sich mancher Zuschauer gedacht haben bei der Aufführung der Mittelstufe des Donau-Gymnasiums Kelheim vergangene Woche. „Es war zweifellos an der Grenze, ja“, schmunzelte der Leiter der Theatergruppe, Lehrer Daniel Eckert. „Aber die Schüler haben sich diese Komödie selbst ausgesucht, und ich finde die Eigeninitiative toll.“ Und auch das Publikum krümmte sich vor Lachen - ein Witz jagte den anderen. Gerade die Gags und Anspielungen unter der Gürtellinie sorgten für Heiterkeit, aber auch sonst kam der Humor bei „Wer versteht hier Bahnhof?“ nicht zu kurz.

„Ich will, dass sich einmal jemand freut, wenn ich nach Hause komme!“ – „Ja, dann kauf dir halt ’nen Hund.“ und: „Seh ich so aus, als würde ich zehn Euro veruntreuen? Ne, da müssen Sie schon einige Nullen dranhängen...“ sind Beispiele der genialen Dialoge. Das gesamte Stück spielt auf dem Bahnhof einer Großstadt – dort treffen die unterschiedlichsten Personen aus allen Schichten der Bevölkerung aufeinander. Das birgt Konfliktpotenzial, aber noch viel mehr zum Lachen.

Parodien auf brisante Themen

Fast alle brisanten Themen unserer Welt wurden dabei parodiert: der Weiberheld, der stündlich mit einer anderen unterwegs ist, die korrupte Politikerin, die alles gibt, um ihren Konkurrenten zu diskreditieren oder auszuschalten, der Bald-Ehemann, der betrunken vom Junggesellenabschied seine Hochzeit verpennt, und die zickige Ehefrau, die ihren Mann unter ihrer Fuchtel zu behalten versucht. Neben Comedy kam insofern die Gesellschaftskritik auch nicht zu kurz.

Davor war am Dienstag und Mittwoch jeweils die Unterstufe mit der Krimikomödie „Mord im Freizeitglück“ von der lokalen Autorin Sabine Hrach an der Reihe. „Ich bin selber Lehrerin, hab das Stück ursprünglich genau auf meine Theatergruppe zugeschnitten und dann für den allgemeinen Gebrauch angepasst“, erklärte Hrach, die von der Darstellung der DGK-Unterstufe beeindruckt war.

Bei der Unterstufe klärte die Enthüllungsreporterin einen Mord auf. Foto: Kreidemeier
Bei der Unterstufe klärte die Enthüllungsreporterin einen Mord auf. Foto: Kreidemeier

Es geht dabei um eine Jugendherberge voller Schüler, in der ein Mord geschieht. Und neben der Polizei möchte auch die Möchtegern-Enthüllungsjournalistin der „MZ“ – Ja, das ist eine Anspielung! – den Ruhm für die Klärung des Falles unbedingt einsacken.

Oneliner zum Schmunzeln

Die dazwischen herumwuselnden Kinder machen natürlich alles noch komplizierter. Und als der Hausmeister Gertner sich ziemlich verdächtig macht, stellt sich am Ende frei nach Reinhard Mey die Frage: Ist der Mörder wirklich immer der „Gertner“? Auch die Unterstufe brachte mit überraschenden Onelinern das Publikum zum Schmunzeln: „Wär ich doch nur Arzt geblieben, da kamen die Kunden wenigstens noch zu mir. Als Pathologe muss ich auf diesen Service leider verzichten ...“ und: „Das war mir zu viel Trubel, da hab ich meinen Tod vorgetäuscht.“ - „Hallo??? Dafür gibt’s doch Baldrian...“

Autorin vor Ort

  • Mord im „Freizeitglück“:

    Diese Krimikomödie spielte die Unterstufe - und die Autorin des Stücks, Sabine Hrach, guckte zu: „Ich komme aus der Region und habe gesehen, dass es hier aufgeführt wird - das wollte ich mir nicht entgehen lassen.“

  • Viel Lob:

    „Eine tolle Leistung aller Darsteller. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie meine Vorlagen von anderen Schülern umgesetzt werden“, schwärmte Hrach.

Am Ende waren alle höchst zufrieden: „Uns hat es echt mega viel Spaß gemacht“, jubelten die jungen Schauspieler. Regisseur Eckert stimmt zu: „Auch für mich war es ein Riesenspaß. Ihr habt das klasse gemacht, auch unglaublich textsicher.“ Direktor Dr. Josef Schmid lobte die Schüler ebenfalls als „sehr, sehr fleißig“. Bleibt nur noch eins zu sagen: „Auf ein Neues im nächsten Jahr“, schmunzelt Eckert.

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