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Natur

Kelheimer Artenvielfalt „unter Strom“

Rupert Schlauderer gewinnt zweiten Preis im Wettbewerb „Blühende Rahmen“. Blühende Strommasten geben Ausschlag.
Von Benjamin Neumaier

Rupert Schlauderer, Landwirt aus Unterwendling, erreicht beim bayernweiten Wettbewerb „Blühende Rahmen“ 2018 den 2. Platz. Foto: Meyer/BBV
Rupert Schlauderer, Landwirt aus Unterwendling, erreicht beim bayernweiten Wettbewerb „Blühende Rahmen“ 2018 den 2. Platz. Foto: Meyer/BBV

Kelheim.Mit dieser Auszeichnung habe er nicht gerechnet, gibt Landwirt Rupert Schlauderer offen zu. Umso mehr freute sich der Unterwendlinger, dass er im bayernweiten Wettbewerb „Blühende Rahmen“ den zweiten Platz ergatterte. „Das ist schon was Besonderes“, sagte Schlauderer, „vor allem, weil zum ersten Mal ein Stockerlplatz in den Landkreis Kelheim geht.“ Doch der Erfolg kommt nicht von ungefähr, Schlauderer hat ein Geheimrezept.

Wertvoller Lebensraum

Freiwillig schaffen Bauern im Rahmen des Wettbewerbs des Bayerischen Bauernverbandes in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Bayerischer Imker, der BayWa und BSV-Saaten so bereits seit 2011 wertvollen Lebensraum für Bienen und Wildtiere in Bayern. „Oft werden die Blühenden Rahmen für Kooperationen mit Imkern oder Jägern genutzt oder auf andere pfiffige Art und Weise in den Betrieb integriert. Mit diesem Engagement haben die bayerischen Bauern 2014 den ersten European Bee Award gewonnen“, sagte BBV-Umweltpräsident Stefan Köhler bei der Preisverleihung. Zum 100-jährigen Jubiläum des Freistaats Bayern hatte der Bauernverband seine Mitglieder im Jahr 2018 unter dem Motto „Bauern schenken Blumen“ aufgerufen, möglichst viele Blühstreifen und Blühflächen anzulegen und in eine interaktive Karte einzutragen. So wurden 2018 allein über die bayerischen Agrarumweltprogramme zusätzliche Blühflächen auf der Fläche von insgesamt 14 352 Hektar geschaffen. Hinzu kommen viele nicht registrierte Blühstreifen.

Blühstreifen fester Bestandteil

Blühstreifen sind auch im Betrieb von Rupert Schlauderer und seiner Familie in Unterwendling im Landkreis Kelheim seit Jahren ein fester Bestandteil. Sie werden um Zuckerrüben und Mais angelegt. Auch die auf der Betriebsfläche stehenden Strommasten werden mit Blühstreifen eingerahmt. So wird die Fläche im Bereich der Strommasten sinnvoll für die Förderung der Artenvielfalt genutzt. Das gab mitunter auch den Ausschlag für den bayernweit zweiten Platz im Wettbewerb. Auch auf seinen Flächen in der Nähe des Kindergartens oder des Schulsportgeländes sät Schlauderer Blühstreifen an. 2007 hat er zudem angefangen, besondere Bäume zu pflanzen. „Es geht um den Klimawandel und darum, rechtzeitig gerüstet zu sein“, erklärte er. Samen von Bäumen aus aller Herren Länder versucht er in seinem Wald heimisch werden zu lassen. Und auch denen stellt er Blühstreifen zur Seite.

Weitere Gewinner

  • 1. Platz:

    Florian Eichenseer aus Freischweibach im Landkreis Amberg-Sulzbach experimentiert seit Jahren mit Blühstreifen. Diese nutzt er, um mit Infotafeln die Leistungen der Landwirtschaft für die Artenvielfalt zu erklären.

  • 3. Platz: Der dritte Platz geht an Leo Göller aus dem Landkreis Bamberg für seinen drei Meter breiten und einen Kilometer langen Blühstreifen.

Dabei greift der Landwirt nicht auf fertige Saatmischungen zurück, sondern pflegt die die Blühstreifen seit Jahren in mühevoller Kleinarbeit. Er zieht die Samen seiner Aussaat Jahr für Jahr zu 90 Prozent selbst „Ich habe mir vor zig Jahren zwei Saatmischungen gekauft - die Veitshöchheimer Bienenweide und das Visselhöveder Insektenparadies. Darin sind jeweils rund 40 Blumenarten enthalten. Über Monate hinweg zieh ich mir daraus die Samen für die Aussaat im folgenden Jahr. Es ist eine Menge Arbeit, aber es lohnt sich“, sagt Schlauderer. Darauf ist der Unterwendlinger stolz - und auf die Artenvielfalt. „Ich habe Sonnenblumen, feuerroten Blutamarant, Ringelblumen, Kosmea oder auch Zinnien und Löwenmaul in allen Farben. Das findet man nicht so oft.“

Lebensraum geschaffen

Dieses „außerordentliche Engagement“ lobt Stefan Köhler explizit, sieht aber die Arbeit von Schlauderer und dessen Kollegen als notwendig an: „Während der Flächenverbrauch in Bayern weiter ansteigt und so tagtäglich Lebensraum für Pflanzen und Tiere verschwindet, hat sich im vergangenen Jahr jeder zweite Landwirt – freiwillig und über das hohe gesetzliche Niveau hinaus – zu besonderen Leistungen für den Umwelt- und Naturschutz verpflichtet. Ich danke gerade all jenen Landwirten, die mit der Ansaat von Blühmischungen auf ihren Flächen einen enormen Beitrag zur Arten- und Lebensraumvielfalt sowie zum Dialog mit Passanten und Verbrauchern leisten.“

Der erste Preis des Wettbewerbs ging an Landwirt Florian Eichenseer aus Freischweibach im Landkreis Amberg-Sulzbach, der dritte Preis an Leo Göller aus dem Landkreis Bamberg.

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