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Nachgefragt

Perkabach steht von den Toten auf

2014 verwandelte ein Biogasanlagen-Störfall den Perkabach in ein totes Gewässer. Fischer investieren viel Arbeit in die Reha.
Von Beate Weigert

  • Stefan Strobl vom Kreisfischereiverein vor kurzem am Perkabach oberhalb von Biburg beim Aussetzen von 4000 winzigen Bachforellen. Foto: Pieknik
  • Blick auf die havarierte Anlage am Tag des Störfalls 2014 Foto: Abeltshauser/Archiv
  • Viele Gewässerproben wurden danach gezogen. Vom Wasserwirtschaftsamt wie von den Kreisfischern. Foto: Pieknik

Kelheim.Eine stinkende, braune Brühe rann Anfang Februar 2014 innerhalb kürzester Zeit über Wiese und Feld in den Graben. Dann über Picken- in Perkabach und von dort in die Abens. Eine Biogasanlage auf Wildenberger Gemeindegebiet war „übergelaufen“. Das Gärsubstrat färbte nicht nur die Gewässer ein, das enthaltene Ammoniak setzte einen Sauerstoffvernichtungsprozess in Gang. Bald trieben tote Fische im Wasser.

Für Manfred Beck, den Vorsitzenden des Kreisfischereivereins Kelheim, der am Perkabach oberhalb von Biburg ein Areal gepachtet hat, war schnell klar, dass der Perkabach von der Eintrittsstelle bis zur Mündung in die Abens „biologisch tot“ ist. Für die Fischer, die den Abschnitt als „Kinderstube“ etwa für die Bachforelle nutzen, war’s eine „Katastrophe“.

Behörden mauerten zunächst

Lange Zeit wanden sich offizielle Stellen um Aussagen zu Untersuchungsergebnissen und Auswirkungen. Das Landratsamt verwies ans Wasserwirtschaftsamt in Landshut und umgekehrt. Zur Wasser-Themenwoche fragte unsere Zeitung nochmals nach und bekam erstaunlich positive Antworten.

Manfred Beck, Vorsitzender des Kreisfischerei-Vereins
Manfred Beck, Vorsitzender des Kreisfischerei-Vereins Foto: Pieknik

Der ausführliche Zwei-Jahres-Check der Kreisfischer steht zwar noch aus. Doch erste Untersuchungen in Bezug auf die Zahl von Fischnährtieren stimmen den Vorsitzendem Manfred Beck bereits jetzt optimistisch. Angesichts der Jahreszeit und der Wassertemperatur sei ein sehr positives Ergebnis zutage getreten.

Seit dem Vorfall hat sich der Ihrlersteiner auch vernetzt, u.a. mit einer Arbeitsgruppe aus dem Rottal. Dort haben die Kollegen wegen einer höheren Zahl von Biogasanlagen auch entsprechend mehr Erfahrung mit Betriebsunfällen. An die 50 teils schwere Unfälle gab es im Rottal bis 2015.

Keine Pflicht zum Nachrüsten

  • 27 Biogasanlagen

    sind derzeit im Landkreis Kelheim genehmigt. Elf wurden immissionsschutzrechtlich genehmigt und 16 baurechtlich. Von letzteren sind wiederum acht Anlagen mittlerweile aufgrund gesetzlicher Änderungen oder Änderungen der Leistung in die Zuständigkeit des Immissionsschutzrechts „gewandert“, heißt es auf Nachfrage aus dem Kelheimer Landratsamt. Ein Bauantrag ist im Genehmigungsverfahren.

  • Eine generelle Nachrüstpflicht

    für Altanlagen, also jene, die vor Dezember 2012 beantragt worden sind, existiert momentan noch nicht. Derzeit würden jedoch Betreiber besonders gefährdeter Altanlagen (z.B. Altanlagen in Gewässernähe) vom Sachgebiet „Wasserrecht“ aufgefordert, Umwallungen o.Ä.. zu errichten.

  • Strengere Anforderungen

    gebe es in erster Linie für Anlagen, bei denen Leckagen oberhalb der Geländeoberkante auftreten könnten, sofern es sich um Neubauten oder eine wesentliche Änderung (z.B. Bau eines zusätzlichen Endlagers) handelt. Dann sind Überfüllsicherungen oder Umwallungen verpflichtend. (re)

Im Vergleich dazu steht der Landkreis Kelheim gut da. Hier gab es bislang „nur“ besagten Vorfall vom Februar 2014. Und dennoch hat Beck das Gefühl mit „stumpfen Schwertern gegen Windmühlen zu kämpfen“. E-Mails hat er „bis hinauf zu Ministerin Ilse Aigner“ verschickt, in denen er u.a. verschärfte Sicherungsauflagen forderte. Für bestehende Anlagen gibt es diese bis heute nicht (s. Infokasten). Antworten hat Beck weder vom Landratsamt noch aus München erhalten.

Auch laut Landrats- und Wasserwirtschaftsamt haben sich die betroffenen Gewässer inzwischen gut erholt. Nachdem am Tag des Betriebsunfalls eine erhebliche organische Belastung gemessen worden sei, zeigte die Analyse der Proben vom Folgetag „nur noch eine geringe Belastung“. Bereits einige Tage später hätten keine erhöhten Werte mehr festgestellt werden können.

Langer Kampf, freiwillige Sicherung

Für die Kreisfischer war die Sache nicht so schnell abgehakt. Sie kämpften mit der Versicherung des Anlagenbetreibers um Schadensersatz. Der etwa ein Jahr nach dem Vorfall auch geflossen sei, so Beck. Wobei nur akute, messbare Schäden eine Rolle spielten. Langzeitschäden wurden nicht berücksichtigt. Schließlich kaufe man nicht einfach neue Fische, setzt sie aus und gut is’.

Der große Check zwei Jahre nach dem Störfall steht bei den Kreisfischern zwar noch aus. Doch das Vorkommen von Fischnährtieren stimmt die Mitglieder mit Blick auf Jahreszeit und Wassertemperatur positiv.
Der große Check zwei Jahre nach dem Störfall steht bei den Kreisfischern zwar noch aus. Doch das Vorkommen von Fischnährtieren stimmt die Mitglieder mit Blick auf Jahreszeit und Wassertemperatur positiv. Foto: Pieknik

Doch inzwischen zeugen Bachflohkrebse, Köcherfliegen- und Eintagsfliegenlarven in sehr häufigem bis vereinzeltem Vorkommen davon, dass es dem Perkabach wieder gut geht. Sie sind ein Indikator für gute Wasserqualität. Laut Kelheimer Landratsamt rüstete auch der Anlagenbetreiber mit Überfüllsicherungen nach. Weiterhin plane er eine Umwallung bzw. ein Havariebecken zu bauen. Kreisfischer-Chef Beck hofft, dass das stimmt. Persönlich überzeugen konnte er sich bislang nicht davon.

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