MyMz
Anzeige

Themenwoche

Rang sechs oder 122 – ja, was denn nun?

Der Landkreis Kelheim taucht oft in Regionalrankings auf – teils mit stark abweichenden Ergebnissen.
Von Benjamin Neumaier

Manches Ranking lässt einen ein wenig ratlos im Nebel stehen.
Manches Ranking lässt einen ein wenig ratlos im Nebel stehen. Foto: Dr. Satzl/Archiv

Kelheim.Regionalrankings, also die Einstufung von Landkreisen und kreisfreien Städten, tragen klangvolle Namen wie „Prognos-Zukunftsatlas“ oder „Focus-Lebenswertstudie – hier lebt es sich am besten“, teils kryptische Bezeichnungen wie „IW-Consult-“ oder INSM-Regionalranking“. So unterschiedlich wie ihre Namen sind teils auch ihre Ergebnisse und deren Zustandekommen.

So ist der Landkreis Kelheim seit 2005 zigfach bewertet und in deutschlandweiten Landkreis-Vergleichs-Rankings eingestuft worden. Doch welche Aussagekraft haben diese Rankings? Ein Einschätzungsversuch anhand von 13 Ergebnissen, die teils stark variieren.

Die Ergebnisse des Landkreises Kelheim im Vergleich

Insgesamt betrachtet, heimst der Landkreis Kelheim von 2005 bis 2014 im Schnitt gute Bewertungen ein – allerdings beträgt die Streuweite in etwa die einer Stalinorgel. (Übersicht siehe Tabelle unten) Von Platz 122 bis zu Platz sechs ist alles dabei. Geht es bei Anbietern wie dem Schweizer Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmen Prognos in deren Zukunftsatlas stetig nach oben – Rang 69, Rang 51, Rang 43 –, ist bei INSM das Gegenteil der Fall. Von Platz 54 von 435 bewerteten Landkreisen im Jahr 2006 rutscht Kelheim 2009 hinunter auf Rang 85 – danach wurde die Studie eingestellt. Am auffälligsten sind die Schwankungen bei der Liste des Magazins Focus-Money: Von Rang 54 geht es auf Rang 65 im Jahr 2006; 2009 hinunter auf Platz 113, 2010 hinauf auf 36, 2001 auf 43 und 2014 schließlich auf Rang 61.

2014 scheinen sich die Unternehmen einiger zu sein: Rang 61 für den Landkreis bei Focus-Money, Rang 57 bei IW-Consult und Rang 43 bei Prognos ( 2013) – das liest sich relativ gleich. Ausreißer war die Focus-Lebenswertstudie: Da landet der Landkreis sogar auf Rang sechs.

Die Landkreis-Rankings im Vergleich
Die Landkreis-Rankings im Vergleich

Die unterschiedlichen Ausrichtungen der Rankings

Alleine die Platzierungen zu betrachten, wäre aber fahrlässig – denn die Rankings haben unterschiedliche Ausrichtungen. Der Prognos-Zukunftsatlas, der Name sagt es, will „Zukunftschancen flächendeckend abbilden“. Das Focus-Money-Landkreisranking bildet, wie IW-Consult und INSM die Ist-Situation ab und die Lebenswert-Studie hält sich an die Maßgabe: „Wo es sich am besten leben lässt.“ IW-Consult hat allerdings auch weitere Tabellen, etwa Lebensqualität, erfasst, INSM bietet eine Krisenprognose.

Wirklich vergleichbar sind die Dienstleister also nicht, bieten aber vergleichbare Ansatzpunkte.

Die Bewertungskriterien der Dienstleister

Zwischen sieben und 50 Kriterien – die einen nennen es „Indikatoren“, die anderen „Erfolgsfaktoren“ – fließen bei den Unternehmen in die Bewertung ein. Darunter finden sich oftmals die Hauptbereiche Wohlstand, Arbeitsmarkt, Standort, Wettbewerb, Innovation oder Demografie. Die Kriterien, die den Studien zugrunde liegen sind also relativ ähnlich, weichen nur in Einzelfällen ab. Die Lebenswertstudie etwa nimmt als einzige den Punkt Sicherheit und Risiken auf – darunter fallen Verkehrstote, Einbrüche, Diebstähle oder Vergewaltigungen.

Stark abweichend gestaltet sind die prozentualen Anteile, die pro Indikator in die Bewertung einfließen. Bei Focus-Money fließen alle sieben Erfolgsfaktoren gleich gewichtet ein, während etwa IW, INSM oder Prognos stark akzentuieren und in Haupt- und Unterindikatoren unterteilen.

Auffällige Abweichungen, Diskrepanzen und ein Fazit

Vergleiche fallen also schwer, sind aber in Ansätzen möglich. So beurteilt die Focus-Lebenswertstudie Landkreise nach der Lebensqualität, wie auch IW-Consult eine Tabelle zur Lebensqualität anbietet. Landet der Landkreis Kelheim bei erstgenannter auf Platz sechs, reicht es bei IW nur zu Rang 49 – gemeinsam mit 28 anderen – von jeweils 402 bewerteten Landkreisen oder kreisfreien Städten. Das hessische Innenministerium schreibt dazu: „Auffällig ist, dass beim Focus-Ranking tendenziell eher ländliche Landstriche in Bayern die besten Plätze belegen“ und „das Ranking tendenziell am einfachsten gestaltet ist“.

Unverständlich wirkt eine These von INSM. Die stellten dem Landkreis in ihrer Krisenprognose 2006 in „einer wissenschaftlichen Trendanalyse“ das Prädikat „stark betroffen“ aus – es waren also, im Zuge der Finanzkrise, Verschlechterungen zu erwarten. Folglich fiel der Landkreis bei INSM drei Jahre später im Ranking um 31 Plätze. Gleichzeitig kletterte der Landkreis bei Prognos – die Zukunftsaussichten bewerten – ab 2007 im Drei-Jahresrhythmus von Rang 69 über 51 bis auf 41 hinauf.

Was bleibt? Man sollte sich, trotz teils entgegengesetzter Ergebnisse oder mangelnder Aussagekraft der Studien, über gute Landkreis-Ergebnisse freuen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht