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Sie retten in schwindelerregenden Höhen

Die Kelheimer Bergwacht macht sich fit für die neue Saison. Mit dem Regensburger Team trainierten sie auf dem Prunner Turm.
Von Claudia Pollok

  • Stefan Schottenheim von der Bergwacht Regensburg seilt sich ab, um seinen Kollegen zu rett‹‹‹en. Foto: Pollok
  • Ausblick vom Prunner Trum Foto: Pollok

Kelheim.Franz Kellner steckt fest – 30 Meter über dem Boden berühren nur seine Füße die raue Felswand. Sein Körper hängt regungslos im Sicherheitsgurt. Das Seil bewegt sich keinen Zentimeter mehr. Doch auf dem Prunner Turm – einem 35 Meter hohen Felsen im Landkreis Kelheim – naht bereits Hilfe: Zehn Mitglieder der Bergwacht sind schon hinauf geklettert. Der Erste steigt mit einem Seil im Gepäck den Felsen hinab und bindet es an einem Baum fest. Mit einem weiteren seilt sich Hans Stockbauer zu Franz Kellner hinab.

Impressionen Übung

Routine beim Einsatz ist wichtig

Solche Rettungseinsätze kommen oft vor. Dieses Mal ist es aber nur eine Übung. Quirin Oellinger, Vorsitzender der Kelheimer Bergwacht, hat seine ehrenamtlichen Helfer an Christi Himmelfahrt zusammen getrommelt, um für den Ernstfall zu trainieren. In zwei Durchgängen üben sie, wie sie einen am Fels hängenden Verletzten schnell und sicher bergen können. Franz Kellner, von allen nur „Fuzzi“ genannt, ist als Bergführer schon ein „alter Hase“ im Klettergeschäft. Trotzdem schlüpft er heute ausnahmsweise in die Rolle des Opfers. Sein Kollege Hans Stockbauer hat nicht weniger Erfahrung. Er ist seit 41 Jahr in der Bergwacht. Doch Erfahrung ersetzt Übungen nicht.

Das zeigt sich dann auch schnell beim Training: Kellner und Stockbauer sitzen plötzlich tatsächlich fest. Das Seil hat sich verdreht. Minutenlang hängen die zwei in den Seilen. Doch gerade aus solchen Erfahrungen lernen die Retter am meisten. Franz Schmaus, der als Bergführer in Mittenwald arbeitet und ein Urgestein der Kelheimer Bergwacht ist, leitet die Übung. Für ihn ist klar: bei einem Einsatz müssen die Einsatzkräfte schon bei der Befestigung des Seils diese Gefahr erkennen und verhindern. Routine ist beim Einsatz entscheidend.

Das unfreiwillige Warten hält für die Rettern noch eine weitere Lexikon bereit: Sie spüren einmal am eigenen Leib, wie es sich anfühlt, festzusitzen. Denn Verletzte erleben die Bergung meist völlig anders als die Einsatzkräfte, erklärt Oellinger. Als er wegen eines Skiunfalls einmal selbst in die Lage des Opfers geriet, war das einzige Wort, das er herausbrachte: „Langsamer! “, erzählt er und lacht.

Jedes Opfer reagiert anders

Stefan Schottenheim aus der Ortsgruppe Regensburg ist seit über zehn Jahren bei der Bergwacht und bildet mit Nico Eichinger aus der Bergwacht Kelheim das zweite Übungs-Team. Er weiß aus Erfahrung, dass jeder Verletzte anders reagiert, wenn er Angst hat: „Wir versuchen immer mit den Menschen zu sprechen, um sie abzulenken“, sagt er. Vom Herzinfarkt bis zum Schädelhirntrauma wegen eines Steinschlags kann alles passieren – die Einsatzkräfte müssen gut vorbereitet sein.

Die Bergwacht auf dem Prunner Trum
Die Bergwacht auf dem Prunner Trum Foto: Pollok

Im schlimmsten Fall ist der Verletzte bewusstlos. Dann ist die Bergung besonders schwierig, weil der Verletzte nicht mithelfen kann, erklärt Schottenheim. Die Retter können unterdessen Franz Kellner und Hans Stockbauer aus ihrer misslichen Lage befreien. Das Seil bewegt sich wieder. Entlang des Statik-Seils können die zwei langsam vom Felsen nach unten gleiten.

Das Statik-Seil funktioniert wie eine Seilbahn. Es spannt sich vom Felsen zu einem Baum am Boden. „Das ist eine neue Rettungs-Technik“, erklärt Oellinger. Früher hat die Bergwacht den Verletzten direkt am Fels abgeseilt. Das hatte den Nachteil, dass der Verletzte dabei schon mal an den Felsen gestoßen ist. Mit der neuen Bergungstechnik rutschen Retter und Verletzter ein Stück entfernt vom Fels nach unten. Das ist für den Geretteten viel komfortabler.

Franz Kellner und Hans Stockbauer
Franz Kellner und Hans Stockbauer Foto: Pollok

Unten angekommen versammeln sich die Einsatzkräfte um Franz Schmaus. Nach der Anspannung bei der Übung lassen sie sich auf die Wiese vor dem Felsen fallen. Der Bergführer steht vor ihnen, analysiert Fehler und gibt Ratschläge. „Es wäre besser, wenn alle dieselben Karabiner benutzen. So wisst ihr, ohne zu überlegen, wie sie geöffnet werden“, schlägt Schmaus vor. Beide Teams haben die Übung heute sehr gut gemacht. Routine kommt aber erst, wenn regelmäßig trainiert wird, sagt Schmaus.

Die Retter: Quirin Oellinger erklärt

Das sieht auch Oellinger so und plant bereits die nächste Übung im Juni. Gemeinsam mit der Wasserwacht werden sie an der Römerwand trainieren. Diese ist 100 Meter hoch und liegt im Donaudurchbruch in der Nähe des Weltenburger Klosters. Das wird eine anspruchsvolle Übung, doch Bergwachtvorstand Oellinger ist sich sicher, das sein Team auch dieses Training meistern wird.

Bergwacht trainiert auf dem Prunner Turm

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