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„Viel Geld versiegt in der Steckdose“

Haushalte könnten sich ein schönes Sümmchen sparen, wenn sie bewusster Strom und Energie verbrauchten, sagt Christine Götz.
Von Beate Weigert

  • Der größte Teil der privaten Energiekosten entfällt auf die Wärme. Etwa 70 Prozent sind laut Christine Götz reine Raumwärme, etwa 15 Prozent Warmwasser. Foto: dpa/Andrea Warnecke (1)/MZ-Archiv (1)
  • Klimaschutzmanagerin Christine Götz Foto: Hueber-Lutz/Archiv

Kelheim.Benzin und Heizöl sind aktuell so billig, wie seit vielen Jahren nicht. Klimaschutzmanagerin Christine Götz erklärt zum Auftakt der MZ-Serie zum Energiesparen, warum dieses dennoch ein wichtiges Thema ist und wie man mehr Geld sparen kann, als gemeinhin immer angenommen wird.

Frau Götz, seit knapp zwei Jahren sind Sie die neue Klimaschutzmanagerin im Landkreis Kelheim. Für welche Bereiche und Themen sind Sie zuständig?

Götz: Es gibt die Handlungsfelder Wirtschaft, private Haushalte und Schulen sowie erneuerbare Energien. Bei den privaten Haushalten ist das Energiesparen das wichtigste Thema.

Wie weit sind die Bürger im Landkreis Kelheim bei Letzterem?

Wie überall gibt es auch bei uns sehr engagierte Bürger, die sehr viel machen, aber es gibt auch viele Haushalte, die das Thema noch nicht so interessiert und somit nach wie vor ein hohes Einsparpotenzial besteht.

Die aktuell niedrigen Energiepreise an Tankstelle und Co. spielen Ihnen da nicht gerade in die Hände, oder?

Das kann man so sagen. Im Beruf wie im privaten Umfeld höre ich oft Argumente à la „dann bleibe ich bei meiner Ölheizung“. Dieses kurzfristige Denken ist bei vielen vorhanden. Wobei man natürlich ergänzen muss, dass es hier auch sehr sparsame Technologien gibt, die dazu beitragen den Energieverbrauch erheblich zu reduzieren.

Wie schaffen Sie es, dennoch ein Bewusstsein zu schaffen?

Man muss einfach dranbleiben und aufzeigen, dass das Thema nicht kurzfristig zu sehen ist. Bei den Energiepreisen hat es auch in der Vergangenheit immer ein Auf und Ab gegeben. Doch es geht nicht nur um den eigenen Geldbeutel, sondern auch um nachfolgende Generationen. Deshalb sollte jeder darauf schauen, dass er Ressourcen schützt. Das klingt abgedroschen, ist aber so.

Welche konkreten Ziele gibt es im Landkreis Kelheim in Sachen Energiesparen?

Die sind seit 2011 im sogenannten Integrierten Klimaschutzkonzept klar definiert. Darin ist festgeschrieben, dass der Landkreis bis 2030 seinen CO-Ausstoß um 60 Prozent reduzieren und Vorbildregion im Klimaschutz sein will.

Wie viel Energie verbrauchen die privaten Haushalte im Landkreis?

Der Anteil des Energieverbrauchs der privaten Haushalte im Landkreis betrug 2009 rund 27 Prozent. Eine aktuellere Zahl wird in Kürze ermittelt.

Ein durchschnittlicher Drei-Personen-Haushalt verbraucht pro Jahr schätzungsweise 3600 kWh Strom. Wie viel kann ein solcher ohne große bauliche Veränderungen einsparen?

Ich denke, dass durch sparsamen und bewussten Elektrogeräteeinsatz 20 Prozent weniger Energieverbrauch drin sind. Allerdings muss man sich bewusst sein, dass mehr als 80 Prozent unseres Energieverbrauchs auf die Wärme entfallen. Etwa 70 Prozent entsprechen reiner Raumwärme, der Rest entsteht durch Warmwasser. Stromsparen ist am billigsten und am einfachsten. Die Reduktion des Heizenergiebedarfs ist aber ebenso wichtig und kann sich finanziell erheblich bemerkbar machen. Allerdings, um etwas an Heizung und Co. zu verändern, muss ich meist in einen neuen Heizkessel, eine Umwälzungspumpe oder eine neue Hausfassade investieren. Dafür muss ich Geld in die Hand nehmen.

Wie startet man ins Stromsparen?

Wer seine energiebetriebenen Geräte unter die Lupe nimmt, wird feststellen, dass allein der sogenannte Stand-by-Betrieb ein schönes Sümmchen ausmacht. Dafür kann man sich bei uns auch kostenlos Strommessgeräte ausleihen. Sie werden feststellen: Es sind viele kleine Maßnahmen, die sich in der Summe bemerkbar machen. Darüber hinaus sollte man mal darauf achten, wo wir überall Licht brennen lassen, obwohl wir uns gar nicht dort aufhalten. Auch die Umrüstung auf LEDs ist auf Dauer im Geldbeutel spürbar. Es braucht einfach ein neues Bewusstsein für den Umgang mit Strom.

Beim Thema „effizient Heizen“ könnte aber auch hydraulischer Abgleich hilfreich sein, oder?

Viele Bürger wissen mit dem Begriff nur wenig anzufangen. Doch durch unsere Aktion zu dem Thema im vergangenen Jahr hat sich einiges getan. Es geht nicht immer nur um eine neue Heizung. Ein hydraulischer Abgleich kann ebenfalls helfen, den Energieverbrauch zu senken. Im Vergleich zu anderen Energieeinsparmaßnahmen im Gebäudebereich gehört der hydraulische Abgleich zu den „geringinvestiven“ Maßnahmen. Er kostet vergleichsweise wenig und macht sich deswegen umso schneller bezahlt.

Können Sie erklären, was es damit konkret auf sich hat?

Eine Heizung ist ein komplexes System aus Rohren. Ähnlich dem Prinzip des geringsten Widerstands will das Heizungswasser auf dem kürzesten Weg zurück zum Heizkessel. Durch lange, dünne Rohre fließt dabei weniger Wasser als durch kurze, dicke. Deshalb werden vom Heizkessel weit entfernte Räume, zum Beispiel im Dachgeschoss, oftmals nicht richtig warm. Heizkörper, die nah am Heizzentrum liegen, werden hingegen häufig zu heiß. Energie geht so unnötig verloren. Eine effiziente und saubere Einstellung des Heizsystems durch einen hydraulischen Abgleich stellt sicher, dass die Wärme optimal im Haus verteilt wird.

Wo liegt die nächst größte „Baustelle“ bei der man bare Münze sparen kann?

Eindeutig bei der Mobilität. Es ist klar, dass in einem Flächenlandkreis wie Kelheim viele auf das Auto angewiesen sind. Dennoch kann man auch hier kurze Strecken per Rad zurücklegen, sparsam fahren und Fahrgemeinschaften bilden. Wer sich ein neues Auto anschafft, sollte auch den Energieverbrauch als Anschaffungskriterium bedenken. Ein Elektroauto wäre natürlich ideal. Aber bis sich die Technik in der Bevölkerung durchsetzt, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Interview: Beate Weigert

Stromspar-Kreismeister gesucht

  • Kreismeisterschaft:

    Zum ersten Mal sucht der Landkreis den „Kreismeister“ im Stromsparen. Wer von 2013 auf 2014 in privaten Haushalten bereits vieles unternommen hat, um weniger Energie zu verbrauchen, kann noch bis 31. Januar die beiden Jahresstromabrechnungen mit der Anzahl der Haushaltsmitglieder beim Klimaschutzmanagement des Landkreises, Donaupark 13, 93309 Kelheim einreichen. Es winken Preise wie ein E-Bike oder A+++-Kühlschränke.

  • Strommessgeräte:

    Kostenlos können sich Interessierte bei Christine Götz ein Strommessgerät ausleihen.

  • Verbrauch:

    Wer im eigenen Haushalt Energie sparen will, muss erst mal den Verbrauch kennen. Einen kostenlosen Energieverbrauchs-Vergleich bietet im Netz etwa www.kwh-watcher.de . Dahinter stehen die Solarfreunde Moosburg. Durch das Beobachten des eigenen Verbrauchs lassen sich erst „Stromräuber“ ermitteln und gezielt Gegenmaßnahmen einleiten. Laut kwh-watcher.de wissen drei Viertel der Deutschen nicht, wie hoch ihr jährlicher Verbrauch ist.

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