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Interview

„Wahlfreiheit für Eltern ist wichtig“

Mütter und Väter arbeiten sich ab am Spagat zwischen Familie und Beruf, sieht Elternbeiratsvorsitzende Annette Anzinger-Baur.
Von Martina Hutzler

Annette Anzinger-Baur
Annette Anzinger-Baur

Kelheim.Viele Mütter und Väter arbeiten sich täglich am Spagat zwischen Familie und Beruf ab. Das setzt nicht nur die Familien unter Druck, sondern wirkt sich bis hinein ins Ehrenamt aus, stellt die Elternbeiratsvorsitzende des Kelheimer Donau-Gymnasiums, Annette Anzinger-Baur, fest.

Familie und Beruf – lässt sich das heute so einfach unter einen Hut bringen?

Nein, und mich ärgert, wenn einem mal wieder vorgegaukelt wird: ,Alles easy!’ Aber immer mehr hören auf, so zu tun als ob. Denn die selbstgestellten Ansprüche werden ja immer höher: hier der Job, in dem man hoch qualifizierte Leistung bringen soll, in einem Arbeitszeit-Rahmen, der schwer mit Familie vereinbar ist. Und dort die Familie, in der die Eltern-Kind-Beziehung heutzutage so viel höheren Erwartungen genügen soll. Elternschaft wird, wenn man sich denn mal dafür entschieden hat, an sich als höherer Wert als früher angesehen. Die hohe Erwartungshaltung gegenüber dem Nachwuchs und der eigenen Rolle setzt alle Beteiligten unter Druck.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Nehmen Sie allein mal „Transport-Dienste“, um das Kind zu fördern und zu unterstützen. Zum Beispiel, damit es den Wahlunterricht besuchen kann – was ja für eine breitgefächerte Bildung sinnvoll ist –, ohne danach ewig auf den Bus zu warten. Oder weil man dem Kind andere Freizeitangebote ermöglichen will. Wenn beide Elternteile berufstätig sind, ist das richtig schwierig. Gerade, wenn die Großeltern auch immer länger berufstätig sind oder nicht an dem Ort wohnen, an den die Eltern des Berufs wegen hinziehen müssen.

Wie haben Sie selbst sich in Sachen Familie und Beruf entschieden?

So lange meine drei Kinder klein waren, war ich nicht berufstätig. Das sehe ich im Nachhinein als Vorteil an. Ich sehe ja, wie meine Kolleginnen heute unter Druck stehen: weil sie mal nicht pünktlich zum Schulschluss aus der Arbeit kommen, oder weil ein Kind krank ist…

Denken Sie, dass Kinder so ein ,getaktetes Leben’ stresst?

Das hängt davon ab, ob und wie Eltern das auf ihre Kinder übertragen. Beruflicher Stress kann sich aufs Familienleben auswirken – aber genauso kann berufliche Zufriedenheit positiv ausstrahlen. Und auch Kinder sind ja sehr verschieden: Die einen kommen gut mit außerhäuslicher Betreuung klar, die anderen weniger; manche sind häufig krank, andere sehr robust. Deshalb finde ich wichtig, dass Familien die Wahlfreiheit haben, ob ein Elternteil daheim bleibt oder nicht.

Wie wirkt sich die steigende berufliche Belastung auf ehrenamtliche Arbeit aus – etwa auf den Elternbeirat?

Sehr! Viele Eltern sind so eingespannt im Beruf oder haben den Arbeitsplatz so weit weg, dass sie nicht noch Zeit finden für die Mitarbeit im Elternbeirat. Noch schwieriger ist es für die wachsende Zahl von Alleinerziehenden. Insgesamt wird es sicher problematischer, genügend Ehrenamtliche zu finden: Wer viel Kraft in der Berufstätigkeit lässt, hat kaum mehr die Kraft, sich zu engagieren. Obwohl ehrenamtliches Engagement ein toller Ausgleich wäre!

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